Lebenslauf : Das Herz der Bewerbung

Je knapper, desto besser: Ihre berufliche Biographie kann Ihr stärkstes Argument sein – wenn Sie es schaffen, das Wesentliche herauszustellen

Andreas Monning

In der Bewerbungsmappe kommt er eher unscheinbar daher. Dabei sollte der perfekte Lebenslauf allein bereits genügen, den Arbeitgeber vom Bewerber zu überzeugen. Denn hier findet er alles, was für seine Jobeignung spricht.

„Man kann den Lebenslauf also ohne zu übertreiben als den wichtigsten Teil der Mappe bezeichnen“, sagt der Karriereexperte und Buchautor Gerhard Winkler. Doch was gehört unbedingt rein? Und was sollte man tunlichst vermeiden? Gerhard Winkler rät: „Bauen Sie den Lebenslauf als ein Arbeitsblatt für den Personaler auf und richten Sie ihn strikt auf das Jobziel aus.“

Besonders bei Initiativbewerbungen werde häufig der Fehler gemacht, dass man sich zu allgemein aufstellt und zum Allrounder macht – weil man für verschiedene freie Stellen in Frage kommen will. „Damit schwächt man sich“, warnt Gerhard Winkler, „auch eine Initiativbewerbung muss positionsgenau sein.“

DER SCHWERPUNKT

In das erste Seitendrittel des Lebenslaufs gehören die Argumente, die am meisten für den Bewerber sprechen, also die Berufserfahrungen oder Ausbildungen, die für die angestrebte Position qualifizieren. Unter den entsprechenden Überschriften werden die Qualifikationen zusammengefasst. Zeitphasen sollten weder zu übergenau noch zu lässig abgegrenzt werden.

Tragen Sie Kenntnisse, Weiterbildungen und Engagements zusammen, die den Lebenslauf bereichern.

Wo es geht, sollte man Substantive verwenden, Ich-Aussagen dagegen vermeiden: „Fangen Sie nicht an, Sätze zu formulieren, das verstößt gegen den Geist der Textsorte „Lebenslauf“, sagt der Bewerbungsexperte Winkler.

Weil überfüllte Seiten schlecht leserlich sind, der Lebenslauf aber möglichst nicht länger als drei Seiten sein sollte, muss am Ende jedes überflüssige Wort, jede überflüssige Information gestrichen werden. Ansonsten gilt es nicht zu viel herumzugestalten und zu designen – sondern einfach und auf das Ziel ausgerichtet vorzugehen.

PERSÖNLICHE DATEN

Fassen Sie persönliche Daten und Kontaktdaten zusammen. Achten sie darauf, dass keine Datendopplung in Kopf- oder Fußzeile auftritt. Auf Voranstellungen wie „Name“, „Geburtsdatum“ und andere kann man verzichten. Wer verheiratet ist und sogar Kinder hat, sollte das unbedingt erwähnen: Es zeugt von der Bereitschaft, Verantwortung zu übernehmen und sich auf Verbindlichkeiten einzulassen. Alles andere lässt man weg. Als Mailadresse sollten Sie nicht die Adresse Ihres bisherigen Arbeitgebers angeben, das wirkt unloyal. Richten Sie ein Mail-Konto bei einem seriösen Provider ein. Die Adresse sollte aus Vor- und Nachnamen bestehen.

ANGESTREBTE TÄTIGKEIT

Notieren Sie Ihren Job-Claim, also die genaue Bezeichnung der Position, in der Sie tätig werden wollen. Alles was dann folgt, sind die Argumente, warum man der Richtige für den Job ist.

BERUFLICHE PRAXIS

Hier gehört die bisherige Job-Position an die erste Stelle, dann wird der vollständige Name des jetzigen Arbeitgebers genannt. Achtung: Nicht jede Lebenslauf-Station bekommt dasselbe Gewicht. Betonen Sie, was Ihre Eignung für den Job am besten belegt, in dem sie die entsprechenden Stationen und Aufgaben ausführlicher darstellen, nicht aber durch das Design hervorheben. Sonst wirkt der Lebenslauf optisch zu unruhig. Länger zurückliegende Tätigkeiten sollten Sie auf eine Zeile beschränken.

AUSBILDUNG

Schule, Au Pair-Job, Zivil-, Wehrdienst, soziales Jahr, Studium oder Promotion: All das fließt in diese Rubrik ein. Die letzte allgemeinbildende Schule wird immer erwähnt. Nach der Schulzeit ist eine monatsgenaue Auflistung Pflicht. Wichtige Ausbildungsstationen sollten durch Schwerpunkte, Projekte, Stipendien, Auslandsstudien, Arbeiten oder sonstige Aktivitäten erläutert und damit aufgewertet werden.

WEITERBILDUNG

Nur Weiterbildungen der letzten drei bis fünf Jahre sollten aufgeführt werden. Listen Sie die Qualifikationen möglichst monatsgenau auf. Zertifikate oder Prüfungen werden angegeben, wenn sie ein erwähnenswertes positives Ergebnis gebracht haben.

LÜCKEN IM LEBENSLAUF

Auf keinen Fall sollte man Lücken im Lebenslauf stehen lassen, die größer als ein bis zwei Monate sind. War man ein Jahr in Australien surfen oder lag nach einem Motorradunfall monatelang im Krankenhaus: mutig sein und hinschreiben.

SONSTIGE FÄHIGKEITEN & ENGAGEMENT

Hier sollten Sie EDV und Sprachkenntnisse aufführen. Tote Sprachen wie Latein bleiben dabei unerwähnt – soweit sie keinen Bezug zu der angestrebten Stelle haben. Je nach Arbeitsplatz sind auch Fähigkeiten wie blindes Maschinenschreiben oder der Kraftfahrzeug-Führerschein anzugeben.

Außerdem sollte aktuelles, langfristiges ehrenamtliches Engagement angegeben werden und Mitgliedschaften in Berufsverbänden, Alumni-Vereinigungen, Business-Communities und so weiter.

Sonstige Freizeitbeschäftigungen sollten nur erwähnt werden, wenn sie zur Profilierung beitragen.

UNTERSCHRIFT

Gewöhnlich kann man Ort, Datum und Unterschrift getrost weglassen. Arbeitgeber gehen selbstverständlich davon aus, dass der beigelegte oder angehängte Lebenslauf aktuell ist. Wer sich bei öffentlichen Einrichtungen bewirbt, bei der Stadt oder dem Land, bei Behörden oder Ämtern, sollte allerdings nicht darauf verzichten. Dort sei die Signatur in der Regel erforderlich. Unterzeichnet man handschriftlich, sollte man am besten einen Füller benutzen.

Mehr Tipps zur Bewerbung gibt Gerhard Winkler im Internet unter: www.jova-nova.com.

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