Karriere : Mehr als Worte

Experten verraten, was im Interview gut ankommt – und wie man besser nicht auftritt

Daniela Martens
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„Eine Geste sagt mehr als tausend Worte“, sagt Kommunikationstrainerin Cornelia Topf. Statistisch gesehen ist dieses Verhältnis natürlich nicht ganz realistisch. Aber: „Bis zu 55 Prozent der Gesamtwirkung geht von optischen Faktoren aus“, meint die Expertin. Noch mehr als in anderen Situationen gilt das beim Vorstellungsgespräch, wo sich alles um den ersten Eindruck dreht. „Die Körpersprache spielt dabei eine so große Rolle, weil ich damit mein Selbstbild ausdrücke“, sagt Christian Püttjer, Autor von zahlreichen Bewerbungsratgebern.

DEN RAUM BETRETEN

Wird der Bewerber aus dem Vorzimmer hereingebeten, sollte ein Mann beim Aufstehen seinen mittleren Jackettknopf schließen. „Damit gibt man sich einen Ruck und Körperspannung“, sagt Püttjer.

Öffnen Sie selbst die Tür zum Interview, sollten Sie nicht unsicher den Kopf ins Zimmer stecken, rät Lisa Pippus, die Kurse zur Selbstpräsentation gibt.

Bewerber sollten darauf achten, den Raum nicht für sich einzunehmen, empfiehlt die Berliner Supervisorin Karin Lindemann: „Sich in die Mitte des Raums zu stellen, ist Platzhirsch-Verhalten.“

NEHMEN SIE PLATZ

Warten Sie, bis Sie aufgefordert werden, Platz zu nehmen. Werden Sie nicht darum gebeten, könnte das ein Test sein, sagt Beraterin Topf. Wird die Situation ungemütlich, ergreifen Sie selbst die Initiative und fragen: Darf ich mich setzen?

Und: Nutzen Sie auf dem Stuhl die ganze Sitzfläche, anstatt auf der Kante zu balancieren: „Das wirkt wie auf dem Sprung.“ Lehnen Sie sich mit dem Rücken an, dann haben Sie eine aufmerksame, aufrechte Körperhaltung.

WOHIN MIT DEN BEINEN?

„Richtig“ zu sitzen, ist gar nicht so leicht. Es wird als unanständig empfunden, wenn ein Mann zu breitbeinig sitzt. Außerdem sollte man die Beine nicht zu lang ausstrecken. „Das ist eine Flegelhaltung“, sagt Topf. Besser Sie stellen die Füße nebeneinander auf den Boden.

Oder Sie schlagen die Beine übereinander. Für Bewerberinnen mit Rock ist das sowieso Pflicht, rät die Supervisorin Lindemann. Dabei mit dem Fuß zu wippen, ist aber tabu. Auf keinen Fall sollte ein Bein so über das andere gelegt werden, dass der Knöchel auf dem Knie liegt. Das wird als Stressgeste und Blockadehaltung empfunden, weiß Püttjer.

KAFFEE ODER WASSER?

Angebotene Getränke kann ein Bewerber ruhig annehmen. Und er kann auch während des Gesprächs trinken. Hat der Interviewer gerade eine Frage gestellt, wenn er die Tasse am Mund hat oder den Zucker auspackt, ist es ein Zeichen von Souveränität, sich einen Moment Zeit zu gönnen. Bloß keine Hektik aufkommen lassen, rät Topf.

Püttjer rät vom Kaffee ab. „Bitten Sie lieber um ein Wasser.“ Zum Kaffeetrinken komme man während des Gesprächs meist nicht. Aber manchmal brauche man dringend einen Schluck Wasser.

ARME UND HÄNDE

Für die Gestik gilt das Motto „mäßig lebhaft“. Gesten dienen zum Unterstreichen der Worte. Vermeiden sollte man jedoch Gesten, die auf Nervosität hindeuten: am Ring drehen, am Kugelschreiber knipsen, an der Brille ruckeln, mit den Haaren spielen, am Ohrläppchen zupfen. „Die Hände sollten nicht höher wandern, als bis zum Halsansatz“, rät Püttjer.

Aber sie sollten auch nicht zu tief rutschen: „Verstecken Sie Ihre Arme nicht unter dem Tisch“, sagt Supervisorin Lindemann. „Sichtbare Hände signalisieren, dass man nichts zu verbergen hat.“

Doch richten Sie sich nicht zu sehr nach dem Lehrbuch. „Es wirkt affig, wenn man krampfhaft die Handflächen nach außen hält, um eine offene Haltung zu signalisieren“, sagt Beraterin Topf.

Am besten kümmert man sich gar nicht so sehr um die Hände. Es wirkt authentisch, wenn sie ganz natürlich unterstreichen, was man zu sagen hat.

Auf keinen Fall aber sollte man die Arme vor der Brust verschränken. Das kann aggressiv und unsicher wirken. Muss es aber nicht. Lächelt man dabei, wird das heute gar nicht mehr so negativ bewertet.

LÄCHELN?

Es kann auch zu viel des Guten sein. „Junge Frauen haben manchmal dieses dauerschüchterne Verlegenheitslächeln“, sagt Topf. Außerdem neigen Frauen dazu, den Kopf zur Seite zu legen. Beides zusammen kann negativ ankommen – als Unterwerfungsgeste. Für eine Sekretärin sei das vielleicht noch in Ordnung, als Verhandlerin in der Autozulieferindustrie aber nicht. Lächelt man bei ernsthaften Fragen, nimmt das der Aussage zudem an Gewicht, sagt Lisa Pippus.

Männer hingegen verwechseln manchmal lächeln mit einem amüsierten, offenen Grinsen. Doch das wirkt nicht freundlich, sondern arrogant oder dümmlich. Wer es versteht, im richtigen Augenblick zu lächeln, erscheint hingegen bis zu 20 Prozent intelligenter.

Zudem sollten Bewerber auf den Blickkontakt achten: Sehen Sie den Gesprächspartner an – aber starren sie ihn nicht an. Lösen Sie den Blick immer mal wieder, rät Pippus. „Nicht, dass der andere denkt, ich hab’ wie bei Loriot eine Nudel im Gesicht.“

Man sollte dem Gesprächspartner immer den Kopf zuwenden, sagt Autor Püttjer. „Schüchternen Menschen kann es helfen, dem Gegenüber anstatt in die Augen auf die Stirn zu sehen.“ Ist man in der Rolle des Zuhörers, sollte man nicht zur Decke gucken: „Das wirkt wie eine Fluchtreaktion.“

Für die Körpersprache gilt das gleiche wie für das Outfit. Was wichtig ist, hängt auch von der Branche ab: Fotodesigner und Informatiker zum Beispiel können privater Auftreten als Finanzdienstleister. Die sollten aufrechter sitzen und gehen, sich weniger bewegen und sich dem Gesprächspartner direkter zuwenden.

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