Karriere : Nicht mit offenen Karten

Einige Wirtschaftsschulen versprechen ihren MBA-Studenten mehr, als sie halten. Worauf Verbraucher achten sollten

Tina-Marlu Kramhöller

Fünf Jahre lang arbeitete Britt Eckelmann nach ihrem Studium als selbstständige Architektin. Dann entschloss sich die Unternehmerin, ihren Master of Business Administration (MBA) an der Europäischen Wirtschaftshochschule ESCP-EAP in Berlin zu machen. „Ich wollte einfach meinen Horizont erweitern und sehen, wie es die anderen machen“, erzählt die heute 35-Jährige.

Der MBA ist ein postgraduales Studienprogramm in Voll- oder Teilzeit, das unter anderem Ingenieure, Natur- und Geisteswissenschaftler auf die nationale und internationale Managerkarriere vorbereiten soll. Viele Hochschulabsolventen wie Britt Eckelmann hoffen, mit dem Abschluss ihre Karriere gut und schnell in Schwung zu bringen. Doch: Mit der Entscheidung für das Studium hat die Suche nach einer seriösen und anerkannten Schule erst begonnen. Denn nicht nur Universitäten bieten das Aufbaustudium an, sondern auch private Wirtschaftsschulen. Mehr als einhundert Programme bietet der deutschsprachige Markt – darunter befinden sich auch schwarze Schafe.

„Bei der Suche bin ich auf eine unseriöse Schule in der Schweiz gestoßen“, erinnert sich Britt Eckelmann. Besonders einige Schulen im Schweizer Kanton Appenzell gelten in Fachkreisen als so genannte „Titelmühlen“, die akademisch anmutende Grade gegen Bezahlung verleihen. In Deutschland werden diese Abschlüsse nicht anerkannt, die Titel dürfen nicht geführt werden.

Beliebt seien nach Informationen der Fachzeitschrift „Wirtschaft und Weiterbildung“ auch Schummel-Kooperationen, bei denen deutsche MBA-Anbieter mit internationalen Topschulen zusammenarbeiten. Die gemeinsame Arbeit beschränkt sich jedoch oft nur auf die kostenpflichtige Vergabe der Titel, die für manche internationalen Hochschulen ein lukratives Geschäft sind. Lehrpläne werden dagegen nicht sorgfältig abgestimmt und strenge Zulassungskriterien nicht eingehalten.

In beiden Fällen sollten Verbraucher nicht nur auf das MBA-Siegel vertrauen, sondern von den Hochschulen Einsicht in detaillierte Lehrpläne fordern. Welche internationalen Abschlüsse anerkannt sind, zeigt zudem die Internetseite www.anabin.de der Kultusministerkonferenz.

Um herauszufinden, welche deutschen Hochschulen MBA-Abschlüsse vergeben, gibt es diverse Datenbanken im Internet. Die Portale hochschulkompass.de und bildungsserver.de werden von der Hochschulrektorenkonferenz sowie von Bund und Ländern betrieben. Sie geben einen Überblick über Angebote staatlicher und staatlich anerkannter Hochschulen. Zudem gibt es private Portale wie www.e-fellows.net, die auch Online-Stipendien an Studierende vergeben. Ihnen wird ein Karrierenetzwerk mit Kontakten zu Wirtschaftsunternehmen zur Verfügung gestellt.

„Das Netzwerk wurde unter anderem von der Deutschen Telekom ins Leben gerufen mit dem Ziel, den eigenen Bedarf an geeigneten Nachwuchsführungskräften zu sichern“, sagt Thomas Graf. Der MBA-Absolvent rekrutiert für e-fellows Partnerschulen, deren MBA-Studiengänge auf der Internetseite vorgestellt werden. „Wir wählen alle Partnerschulen sorgfältig aus und achten auf deren Qualität und Seriosität.“

So versichert Graf unter anderem, dass die Akkreditierungen der Partnerschulen korrekt sind. Gerade Schulen, die in der Topliga mitspielen wollen, brauchen internationale Akkreditierungen von den Agenturen AACSB, Equis oder Amba. Die sind nicht einfach zu bekommen – und deshalb wird gern geschummelt. Doch: Wer akkreditiert werden will, muss Mitglied bei der Prüforganisation werden, um mit dem Logo des Gütesiegels auf seiner Internetseite zu werben. Um das zu überprüfen, können Verbraucher direkt bei den Organisationen nachfragen oder die Mitgliedschaft auf deren Internetseiten überprüfen.

Auch die Schule von Britt Eckelmann ist akkreditiert. Nach dem ersten Qualitäts check suchte sie den direkten Kontakt: Bei drei Schulen war Eckelmann zum Gespräch vor Ort. Gerne wäre sie auch in einer Vorlesung zu Gast gewesen, doch nur eine der drei Schulen machte ihr das möglich.

Eine gute Gelegenheit, mit mehreren Schulen gleichzeitig direkt ins Gespräch zu kommen, sind Messen wie die World MBA Tour. Auf dieser Hochschulmesse, die nicht nur durch Europa und die Vereinigten Staaten, sondern auch durch Asien und den Nahen Osten tourt, können sich Verbraucher ein Bild von ihren Wunschhochschulen machen. Die nächsten Termine in Deutschland stehen noch nicht fest.

Ranglisten, die in den Medien regelmäßig veröffentlicht werden, können bei der Auswahl einer Wirtschaftsschule ebenfalls behilflich sein. Die Kriterien der Auswertungen sind jedoch unterschiedlich – und teilweise umstritten. Kritisiert wird vor allem das stark gewichtete Kriterium der Einkommensentwicklung von Absolventen in den ersten Berufsjahren. MBA-Studiengänge, die sich an junge Hochschulabsolventen mit wenig Berufserfahrung richten, haben somit größere Chancen auf einen guten Listenrang als Programme für erfahrene Manager.

Die Qualität eines MBA-Studiums zu bewerten ist eben nicht einfach. „Auch für uns ist es schwer, Qualitätsaussagen zu machen“, sagt Ulrich Meyer von der Hochschulrektorenkonferenz. Lehrpläne auswerten, Akkreditierungen prüfen und Vorlesungen besuchen: Die Suche nach der richtigen MBA-Ausbildung bleibt für Verbraucher aufwändig. Für Britt Eckelmann hat es sich gelohnt. Während des zweijährigen Teilzeitprogramms kam sie beruflich voran – und beschäftigt in ihrem Architekturbüro mittlerweile 15 Mitarbeiter.

0 Kommentare

Neuester Kommentar
      Kommentar schreiben