Karriere : Spitzenleistung

Master-Guide: In einer Serie stellt der Tagesspiegel am Sonntag die besten Unis und die wichtigsten Länder für einen Master im Ausland vor. Teil 4: Österreich und die Schweiz

Die Hochschullandschaft in Österreich und der Schweiz ist vielfältig, und doch ragt in beiden Ländern jeweils eine Universität in den Wirtschaftswissenschaften besonders hervor: In der Schweiz ist dies die Uni St. Gallen, sie gilt als eine der besten Managerschmieden in Europa; und in Österreich ist es die renommierte Wirtschaftsuni Wien.

Doch während in St. Gallen längst zehn Master-Programme etabliert sind, hinken die Österreicher noch hinterher. Ob spätestens 2009 zu den zwei bestehenden Wiener Master-Angeboten weitere hinzukommen, hängt von den gesetzlichen Rahmenbedingungen ab. Derzeit stehen die Chancen dafür aber recht gut.

Ganz ohne Tücken ist das System in der Schweiz allerdings auch nicht. Hier müssen sich Studenten vor „Titelmühlen“ in Acht nehmen. Anders als in Deutschland ist die Bezeichnung Universität nicht geschützt. Die Folge: Einrichtungen wie die Freie Universität Teufen oder die Freie Universität Zug bieten nicht anerkannte Abschlüsse an. Werden für solche „Leistungen“ Gebühren bezahlt, ist es für Studenten besonders ärgerlich.

ÖSTERREICH: LEUCHTTÜRME IN DER

MASTER-WÜSTE

Die Gebühren sind umstritten, und beim Master hinkt das Land hinterher. Trotzdem bietet Österreich herausragende Unis. Im österreichischen Bildungssystem zeigen sich die gleichen Symptome wie im deutschen. Die Pisa-Studie stellt den Schulen seit Jahren schlechte Zeugnisse aus. Die 2001 eingeführten Studiengebühren sind vielen ein Dorn im Auge, doch die Hochschulen benötigen das Geld, um Gebäude zu renovieren und Fachliteratur anzuschaffen. Auch der Bologna-Prozess, dessen wichtigste Säule die Einführung des zweistufigen Systems Bachelor und Master ist, ist noch nicht vollständig umgesetzt. Während an den Fachhochschulen inzwischen zwei Drittel der Studenten in einem Bachelor- oder Masterstudiengang eingeschrieben sind, gilt dies erst für knapp die Hälfte der Uni-Studenten.

An der Wirtschaftsuniversität Wien, der nach eigenen Angaben größten Wirtschaftshochschule Europas, gibt es erst zwei Masterstudiengänge. Dafür ist der Zugang zum Masterstudium an den Unis derzeit nach erfolgreich abgeschlossenem Bachelorstudium noch frei. Jedoch diskutieren Politiker über eine Beschränkung des Hochschulzugangs für Ausländer, und auch die Rektoren fordern ein Auswahlverfahren. Bei den Fachhochschulen muss man hingegen eine Aufnahmeprüfung absolvieren, um zum Master zugelassen zu werden. Da das Wahlversprechen der SPÖ, die Studiengebühr abzuschaffen, bisher an der großen Koalition gescheitert ist, zahlen Studenten pro Semester zwischen 363,36 und 377,22 Euro Gebühren. Für die Lebenshaltung muss man mit einem zusätzlichen monatlichen Aufwand von 770 Euro rechnen. Praktische Tipps gibt es im Internet unter: www.oeh.at.

Wirtschaftsuniversität Wien: An der WU in Wien messen sich sämtliche WiWi-Fakultäten in Österreich. Als erste österreichische Hochschule erhielt die WU Wien im Februar 2007 das renommierte Gütesiegel EQUIS (European Quality Improvement System). Die mehr als 20 000 Studenten profitieren auf dem Campus von international renommierten Lehrenden, modernen Hörsälen, der größten wirtschaftswissenschaftlichen Bibliothek Österreichs, einer Vielzahl von Arbeitsplätzen für das Selbststudium und großzügigen Computerräumen. Zu den bestehenden Masterstudiengängen Wirtschaftsrecht und Wirtschaftspädagogik sollen 2009 die Studiengänge Finance and Accounting, General Management, Information Systems, International Business, Marketing und Supply Chain Management hinzukommen. Internet: www.wu-wien.de.

SCHWEIZ: GROSSE AUSWAHL AN

RENOMMIERTEN MEISTERSCHMIEDEN

Höhenluft schnuppern: Die Unis bieten oft exzellente Kontakte in die Praxis, doch die Kosten des Studentenlebens sind hoch. Schweizer Universitäten ziehen traditionell deutsche Studenten an. Der berühmteste unter ihnen aber, Albert Einstein, wurde zunächst abgelehnt. 1895 scheiterte er an der Aufnahmeprüfung der Eidgenössischen Technischen Hochschule in Zürich. Heute, mehr als 100 Jahre später, bietet das Nachbarland eine Fülle von Möglichkeiten, einen Master in einer wirtschaftswissenschaftlichen Disziplin zu erwerben. Die Schweizer Universitäten und renommierte Hochschulen wie das HEI in Genf oder die elitäre Universität St. Gallen haben den Bologna-Prozess mit der typisch helvetischen Gründlichkeit umgesetzt. In der Schweiz kann der Neuankömmling zwischen einer französisch-, einer italienisch- und einer deutschsprachigen Gegend auswählen.

In der deutschsprachigen Schweiz treffen die Studenten aus der Bundesrepublik auch bei den Dozenten auf bekannte Gesichter: Viele Deutsche Dozenten lehren an den Unis in Zürich, Bern und Basel. Ende 2007 stellte die Uni Zürich acht neue Professoren ein – alle stammen aus Deutschland.

Doch egal ob Zürich, St. Gallen oder Tessin: An allen Hochschulen spielt das Englische eine zentrale Rolle. Viele Masterstudiengänge in Wirtschaftswissenschaften werden in Englisch abgehalten. Bei der HSG Sankt Gallen muss der Bewerber für die Aufnahme in den Masterstudiengang „Quantitative Economics and Finance“ im TOEFL-Test 600 Punkte schaffen. Neben der sprachlichen Eignung prüft die HSG St. Gallen die Bewerber auch in Textanalyse, quantitativen Problemlösungen und Diagramminterpretationen. „Geprüft wird insbesondere auch die Fähigkeit, abstrakte Informationen zu konkretisieren und konkrete Informationen in abstrakte Darstellungen zu übertragen“, so die Prüfer.

HSG St. Gallen: Die Universität St. Gallen (HSG) ist eine der führenden Wirtschaftsunis in Europa. Die Kaderschmiede in der Ostschweiz ging schon früh direkt auf Unternehmen zu. Heute bietet die HSG neben der hervorragenden Ausbildung eine der besten Plattformen in Europa fürs Networking mit dem späteren Arbeitgeber. In den Führungsetagen von Weltkonzernen wie Nestlé, ABB oder Credit Suisse finden sich viele HSG-Absolventen. Natürlich punktet jeder Bewerber mit einem HSG-Abschluss auch bei Firmen außerhalb der Schweiz. Die Universität St. Gallen bietet sieben wirtschaftswissenschaftliche Masterprogramme an, fünf davon in Betriebswirtschaftslehre. Die durchschnittlichen Kosten eines Studiums an der HSG (Lebenshaltungskosten und Studiengebühren) betragen 23 000 Franken pro Jahr. www.unisg.ch.

Beitrag aus dem Magazin „Junge Karriere“; Sie haben die anderen Teile des Masterguides verpasst? Die komplette Serie finden Sie im Internet: www.karriere.de

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