Studieren 2014 : Hier bin ich richtig

Wer heute ins Studium startet, hat viele Möglichkeiten. Um sich zu entscheiden, muss ein guter Plan her.

Frank Ziegele
Im Hörsaal angekommen. Jugendliche haben die Wahl zwischen 400 Hochschulen und mehr als 16 000 Studiengängen in Deutschland.
Im Hörsaal angekommen. Jugendliche haben die Wahl zwischen 400 Hochschulen und mehr als 16 000 Studiengängen in Deutschland.Foto: Tyler Olson/Fotolia

Entdecke die Möglichkeiten! Der langjährige Ikea-Slogan drückt aus, was diejenigen erwartet, die in diesem Jahr ein Studium beginnen. Doch während man sich in den Filialen des schwedischen Möbelkonzerns recht intuitiv und gut zurechtfindet, ist dies bei der Wahl des Studiums schwieriger. Denn das Angebot ist enorm: Rund 400 Hochschulen gibt es allein in Deutschland.

Dazu gehören große Massen-Unis wie in Köln, deren Studierende das Fußballstadion der Domstadt füllen könnten, aber auch kleine konfessionelle Hochschulen. Universitäten, Fachhochschulen, Duale Hochschulen, Fernuniversitäten, private Hochschulen – die Landkarte ist bunt und vielfältig geworden, viele Institutionen haben sich ihr eigenes Profil geschaffen. Das ist eine gute Entwicklung und bedeutet für Studienanfänger, dass sie nicht nur die bekannten Namen im Blick haben sollten. Gerade kleine Hochschulen bieten zum Teil exzellente Bedingungen, wenn es um gute Betreuung oder Kontakte zu Firmen geht, in denen Studierende Praktika machen und Examensarbeiten schreiben können.

Noch entscheidender aber ist: Was studiere ich? Hier ist das Angebot mit mehr als 16 000 Studiengängen in Deutschland inzwischen riesig. Neben Klassikern wie Jura, Medizin oder BWL gibt es zahlreiche sehr spezielle Angebote, etwa Popmusikdesign oder Landschaftsarchitektur, geeignet für diejenigen, die schon zu Studienbeginn genau wissen, welcher Beruf es später werden soll. Auch die sogenannten Bindestrich-Fächer wie Wirtschafts-Mathematik oder Medizin-Informatik, in denen fächerübergreifend studiert werden kann, nehmen zu. Fast 90 Prozent der Studiengänge in Deutschland bieten den Abschluss „Bachelor“ oder „Master“. Über diese relativ neuen Abschlüsse wird oft kritisch berichtet, doch es gibt keinen Grund zur Sorge. Sie sind heute flächendeckend gut etabliert und keineswegs schlechter als Studiengänge, die weiterhin mit einem Diplom oder Staatsexamen abschließen.

Ungebrochen ist auch der Boom bei dualen Studiengängen. Diese Mischung aus betrieblicher Ausbildung und Studium ist zwar verschulter und erfordert eine hohe Selbstdisziplin, verspricht aber Vorteile: eine Verzahnung von theoretischem und praktischem Wissen – sowie in der Regel einen Job nach dem Abschluss. Neben der Praxis kommt auch die Forschung nicht zu kurz: Immer mehr Universitäten bieten Projekte an, bei denen die Studierenden schon früh an spannenden Forschungsfragen mitarbeiten können.

Durchblick im Angebotsdschungel behalten

Doch eine solche Vielfalt schafft auch schnell Verwirrung. Wer im Angebotsdschungel der Hochschulen und Studiengänge den Überblick verliert und ein Studium beginnt, ohne zu wissen, was konkret erwartet wird, zahlt unter Umständen einen hohen Preis. In einer Studie aus dem Jahr 2010 gab ein Fünftel der befragten Studienabbrecher als Grund an, den Anforderungen des Studiums nicht gewachsen gewesen zu sein. Insgesamt liegt die Abbrecherquote in Deutschland bei rund 20 Prozent.

Sich rechtzeitig zu informieren, kann hier vorbeugen. Einen guten Überblick bietet zum Beispiel der Hochschulkompass der Hochschulrektorenkonferenz (www.hochschulkompass.de). Wer bereits etwas genauer weiß, welches Fach infrage kommt, kann Hochschulrankings wie das des CHE nutzen (siehe Seite B4). Neben unterschiedlichen Daten und Informationen zum jeweiligen Studiengang, finden sich hier auch die Urteile von Studierenden, die ihre Fächer bewerten. Jeder Nutzer kann sich die Angebote nach den Kriterien sortieren lassen, die ihm wichtig sind. Schließlich ist für den einen ein gutes Betreuungsangebot entscheidender als ein prominenter Prof – und für den anderen ist es genau umgekehrt.

Hilfestellungen, die passende Hochschule zu finden, gibt es also nicht nur bei Freunden oder Eltern, sondern auch im Internet. Und der Informationsbedarf ist groß, angesichts von rund 2,6 Millionen Studierenden in Deutschland. Die Zahl der Studienanfänger hat sich in den vergangenen zwanzig Jahren fast verdoppelt. Hochschulbildung wird zum Normalfall, mehr als die Hälfte aller Jugendlichen studiert. Erst 2045 wird es nach Prognosen an den deutschen Unis wieder so „leer“ wie 2005 sein.

Die Hochschulen haben den Ansturm unterschiedlich gut verkraftet: Beliebte Massen-Fächer an großen Universitäten sind oft überlaufen. An kleineren Standorten, gerade in Mittel- und Ostdeutschland, ist die Lage dagegen entspannter – bei oftmals gleichen, teilweise sogar besseren Bedingungen. Wer sucht, der findet echte Perlen mit Vorlesungen im Schloss oder im Design-Neubau, ein hochschuleigenes Forschungsbergwerk wie im sächsischen Freiberg oder einen Uni-Weinberg wie in Hohenheim südlich von Stuttgart.

Finanzierung, Betreuung, Digitalisierung

All das gibt es nicht umsonst. Auch wenn mit Niedersachsen im Herbst 2014 das letzte Bundesland seine Studiengebühren abschafft, fallen für ein Studium Kosten an – etwa für Bücher, das Semesterticket und den täglichen Lebensunterhalt. Doch auch hier gibt es Unterstützung. 440 000 Studierende erhalten Bafög. Bei der Frage, ob und wie viel man bekommt, helfen Infoportale und die Bafög-Beratungen an den Hochschulstandorten. Bei Studienkrediten lohnt es sich, die sehr unterschiedlichen Angebote genau zu studieren (siehe Seite B6). Gerade die Zinssätze, so das Ergebnis des CHE Studienkredittests, können stark variieren oder sogar erst nach dem Studium von den Anbietern festgelegt werden.

Nicht nur bei der Finanzierung, auch beim Studieneinstieg helfen die Hochschulen zunehmend weiter. Das Angebot reicht hier von Vor- oder Brückenkursen, etwa in Mathematik, über Erstsemestertutorien bis zu einer Stärken-Schwächen-Analyse mit individueller Betreuung. Solche Angebote sind nötig. Denn nicht nur die Hochschulen werden immer vielfältiger, sondern auch die Studierenden, die mit ganz unterschiedlichen Vorkenntnissen und Voraussetzungen ein Studium beginnen. Studierende mit Kindern gehören ebenso zum Alltag wie Gäste aus dem Ausland. Und immer mehr Bundesländer erleichtern Erwerbstätigen ohne Abitur, dafür aber mit entsprechender Berufserfahrung, den Zugang zum Studium.

Rund 130 000 Studierende nutzen aktuell die Möglichkeit eines Auslandssemesters – Tendenz steigend. Wer mehr als nur einen kurzen Eindruck von einer anderen Kultur gewinnen möchte, kann dies direkt bei der Uni-Wahl mit einplanen. Einige Hochschulen bieten ins reguläre Studium integrierte Auslandssemester oder ein Studienprogramm an einer Partnerhochschule an.

Die Veränderungen an den Hochschulen werden weiter gehen. Gerade die Digitalisierung bringt einen neuen Umbruch. Während Online-Vorlesungen, E-Learning und Mensa-Apps sich etablieren, sind einige Hochschulen schon weiter. Informatikstudenten der Uni Freiburg können beispielsweise während der Vorlesung via Smartphone ihrem Dozenten mitteilen, wenn sie etwas nicht verstanden haben – natürlich anonym. Und auch analog ist man gegenüber neuen Methoden offen: „Peer Marking“ heißt ein Lehrkonzept, das an der Hochschule Karlsruhe gerade ausprobiert wird und bei dem Studierende ihre Arbeiten gegenseitig korrigieren.

Doch genau wie bei Hochschultyp, Studiengang oder Angeboten auf dem Campus gilt auch hier: Es muss passen. Die Möglichkeiten sind vielfältig, aber man muss sie entdecken und sich vorab informieren. Oder, um auf den Slogan des schwedischen Möbelkonzerns zurückzukommen: Suchst du noch, oder studierst du schon?

Der Autor ist Geschäftsführer des CHE Centrum für Hochschulentwicklung in Gütersloh, einem Think Tank für das deutsche und europäische Hochschulwesen.

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