Suchmaschinen-Experten : Kundenfänger im Web

Für Firmen ist es gerade in schlechten Zeiten wichtig, bei den Suchmaschinen oben gelistet zu werden. IT-Experten, die wissen wie es geht, erwarten gute Karrierechancen – und hohe Gehälter.

Florian Ernst
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Fürs Geschäft. In der virtuellen Welt von Second Life können sich Frauen hemmungslos dem Shoppen hingeben. Ein Klick weiter - und...Foto: Promo

Die Firmen sind zögerlich geworden. In Folge der Wirtschaftskrise sind sogar die Stellen der sonst so gefragten IT-Experten rar. Doch eine Spezies ist dennoch heiß begehrt, Suchmaschinenoptimierer und Online-Marketing-Experten. Wer die Kniffe kennt, mit denen sich Produkte und Dienstleistungen im Internet erfolgreich vermarkten lassen, hat beste Chancen auf dem Arbeitsmarkt, weiß die Sprecherin des Karriereportals Monster.de, Alexandra Güntzer. Denn gerade jetzt ist es das A und O für Unternehmen, dass ihre Produkte im Netz leicht gefunden werden und bei den relevanten Suchbegriffen ganz oben auf der Ergebnisliste stehen. Firmen aller Branchen und klassische Werbeagenturen, die auch Dienstleistungen im Netz anbieten, und vor allem auf das Internet spezialisierte Agenturen suchen nach den Spezialisten.

Wer in diesem Bereich arbeiten will, muss ein starkes Interesse an der Technologie und Entwicklung des Internets mitbringen – und bei Trends im Web 2.0 und Social Media ständig am Ball bleiben. „Das wichtigste, was ein Bewerber mitbringen muss, ist Berufserfahrung“, sagt der Geschäftsführer von Jaron, Burkhard Köpper. Auch die Online Mediaagentur, die in ihrem Hauptsitz in Frankfurt 40 und in ihrer Berliner Niederlassung 20 Mitarbeiter beschäftigt, ist auf der Suche nach Suchmaschinen-Experten. Der Bildungsabschluss sei für die Einstellung kein so wichtiges Kriterium. Bewerber müssten vielmehr verstehen, wie Suchmaschinen wie Google oder Bing funktionieren. Auch wenn der Job nach viel Surfen im Netz und Spaß klingt: Er fordert vor allem mathematisches Know-how und analytisches Denken.

Einer, der sich als Fachmann bereits etabliert hat, ist Oliver Zenglein. Er arbeitet als Head of Online Marketing bei der Internet-Partnervermittlung „be2“ und ist Marketingexperte und Suchmaschinenoptimierer (SEO) in einer Person. Er guckt hinter die Webseiten des Unternehmens. Er beobachtet die Besucherströme, verfolgt die Klicks, die Nutzer auf der Seite machen, und wertet entsprechende Statistiken aus. Sein Job ist es, mit den richtigen Inhalten auf der Firmenwebseite und technischen Kniffen dafür zu sorgen, dass „be2“ bei Suchmaschinenanfragen möglichst weit oben auf der Liste steht.

In der Praxis sind Suchmaschinenoptimierung und Marketing oft kaum zu trennen, sagt er. Ein Marketing-Experte baut auf den Erkenntnissen des Optimierers auf. Seine Aufgabe ist es, möglichst viele Besucher und damit potenzielle Kunden auf die Webseite zu locken. Dafür schaltet er etwa auf Seiten anderer Anbieter Werbung, die am besten mit einem Link auf die eigene Seite verweist.

Doch wie wird man eigentlich Experte auf diesem Gebiet? Einen speziellen Studiengang oder vorgegebenen Ausbildungsweg gibt es bisher nicht. „SEOs kommen aus ganz unterschiedlichen Bereichen“, sagt Geschäftsführer Köpper. Sie haben etwa eine technische Ausbildung oder Informatik studiert, sind Marketingexperten oder Quereinsteiger, die sich für das Internetsystem begeistern und sich kontinuierlich damit beschäftigen. „Suchmaschinenoptimierung ist ausschließlich Learning-by-doing“.

Da Suchmaschinenoptimierung und Onlinemarketing aber so etwas wie eine Geheimwissenschaft sei, bei der Programmierungen verschiedener Systeme ständig verändert und dann wieder aufeinander abgestimmt werden müssen, gelte es, alles daran zu setzen, keine Veränderungen zu verpassen. Deshalb sei Weiterbildung sehr wichtig. Seminare für Vollprofis gibt es aber nicht. Auf dem Laufenden hält man sich durch den Austausch mit Kollegen in Foren, Blogs und auf Fachkongressen.

Wie in der Branche üblich war auch Oliver Zengleins Weg zum IT-Experten kein direkter. Zunächst hat er Werbekaufmann gelernt, dann studierte er Betriebswirtschaftslehre. Nebenbei arbeitete er bei Internetfirmen, zunächst bei einem Online-Vermarkter, später bei einer Firma, die einen Internet-Marktplatz betrieb. „Ein guter Einstieg in den Job sind Praktika oder Werkstudenten-Tätigkeiten“, rät Zenglein. Kenntnisse in HTML und im Umgang mit Content Management Systemen seien wichtig, Programmierkenntnisse, etwa in PHP, hilfreich.

Die IT-Profies lassen sich von den Firmen nicht leicht gewinnen. Sie arbeiten oft lieber selbstständig als angestellt. „Man muss ihnen viel Freiraum geben, damit sie sich weiterentwickeln können“, weiß Köpper. Viele Profis seien auch daran interessiert, nebenbei ihr eigenes Ding zu machen, zu experimentieren oder auch mal spannende Aufträge anderer Arbeitgeber anzunehmen.

Da die IT-Spezialisten so etwas wie Mangelware sind, locken viele Firmen mit gutem Verdienst. So erhält ein Suchmaschinenoptimierer laut Gehaltsdatenbank der Firma Personalmarkt in Hamburg als Berufseinsteiger ohne Studium zwischen 36 000 und 51 000 Euro im Jahr, Akademiker zwischen 39 500 und 54 000 Euro. Mit fünf Jahren Berufspraxis verdienen die Spezialisten ohne Hochschulabschluss bis zu 69 500 Euro, Akademiker bis zu 76 000 Euro. Marketing-Experten liegen im Schnitt leicht darunter. Einsteiger ohne Studium bekommen laut Personalmarkt ein Jahresgehalt von 27 000 bis 38 000 Euro, Akademiker steigen mit 33 500 bis 42 000 Euro ein. In fünf Jahren kann der Verdienst ohne Hochschulabschluss bis 56 000 Euro und mit Abschluss auf bis zu 65 000 Euro ansteigen.

Dafür ist der Job aber auch kein klassischer „Nine-to-five-Job“, sagt Zenglein. In einem Unternehmen wie „be2“ ist der Arbeitstag trotzdem noch relativ geregelt. In Agenturen kommt es aber durchaus vor, dass die Internetspezies auch nachts vor den Bildschirmen sitzen und das Content Management System ihres Auftraggebers aufräumen. Blogs und Mails lesen oder surfen ist in der Arbeitszeit durchaus gestattet, schließlich geht es dabei auch um Weiterbildung. „In diesem Job verschwimmt Privat- und Berufsleben“, sagt Zenglein.

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