Weiterbildungen : In Nebel gehüllt

Das Angebot an Kursen in der Wellnessbranche ist unübersichtlich. Worauf Interessenten achten sollten.

Tina-Marlu Kramhöller
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Foto: Kitty Kleist-Heinrich

Ulrike Nowotnick hatte Glück: Nach ihrer Ausbildung zur staatlich geprüften Kosmetikerin startete sie direkt durch in den Job. Sie arbeitet im Wellnesshotel Zur Bleiche in Burg im Spreewald. Mit Hilfe regelmäßiger Weiterbildung in Techniken wie Kosmetikanwendungen, Massage oder Gesichts-Lymphdrainage, bei der durch leichten Druck Flüssigkeit aus dem Gewebe verschoben und die Haut gestrafft wird, hat sie sich einen festen Platz in der Wellnessbranche erarbeitet. „Meinen letzten Kurs zur Klangschalenmassage habe ich übers Internet gefunden“, sagt die 29-Jährige. „Vorher habe ich mich mit meinen Kollegen und meiner Chefin beraten.“ Das half ihr, sich für den richtigen Kurs zu entscheiden. „Wir haben Erfahrung und können einschätzen, welcher Kurs gut ist“, sagt ihre Chefin, Rebecca Birkner, Ressortleiterin Spa des Wellnesshotels.

Wer jedoch auf der Suche nach einer geeigneten Weiterbildung im Wellnessbereich keine Unterstützung vom Chef bekommt oder gerade auf Jobsuche ist, hat es da deutlich schwerer. Der Weiterbildungsmarkt sei sehr unübersichtlich und beherberge viele Schwarze Schafe, sagt Peter Susat, der beim Deutschen Wellnessverband (DWV) in Düsseldorf für Weiterbildung zuständig ist. „Verbindliche Standards über diese neuen Berufsbilder, Voraussetzungen für den Zugang sowie geregelte Aus- und Weiterbildungsinhalte existieren nicht“, erklärt der Experte.

Und das, obwohl die Wellnessbranche boomt. In den kommenden Jahren sollen neue Arbeitsplätze in den Spa-Bereichen von Hotels oder Fitnesscentern entstehen. Wer mit Wellness Karriere machen möchte, „braucht aber grundsätzlich eine solide Ausbildung zum Physiotherapeuten, medizinischen Masseur oder Bademeister oder staatlich geprüften Kosmetiker“, sagt Spa-Expertin Rebecca Birkner. Quereinsteiger ohne entsprechende Vorbildung haben auch nach einem Seminar wenig Aussichten auf einen Job.

Passende Kurse finden sich zum Beispiel über die Bundesagentur für Arbeit oder auch über den DIW und dessen Homepage www.wellnessverband.de. Auch ein Blick auf das Internetportal www.quaas.de lohnt sich: Die Seite bietet Informationen und Hilfen rund um die Themen Jobs und Karriere in der Gesundheitswirtschaft.

Peter Susat vom DWV rät allen, die Angebote gründlich zu vergleichen. Grundsätzlich gilt: „Wer ausführlich über die Inhalte informiert, hat am wenigsten zu verbergen.“ Wichtig sei auch, sich vorher zu erkundigen, wie viele Stunden für eine angemessene Ausbildung notwendig sind. „Wird zum Beispiel eine Weiterbildung in der Hotstone-Massagetechnik mit 15 Unterrichtsstunden angesetzt, kommt das mit der richtigen Vorbildung hin“, sagt Peter Susat. „Für eine Ayurveda-Weiterbildung sind aber je nach Umfang der Lerninhalte mindestens 80 Unterrichtsstunden nötig.“

Auch die Stiftung Warentest warnt vor Schaumschlägern. Sie hat Lehrgänge zum Wellnesstrainer, der Anwendungen wie Massagen und Körperpackungen oder Entspannungskurse durchführen soll, aber auch Kurse zum Wellnessberater ausgewertet. Ein klar umrissenes Berufsbild fehlt bei beiden Berufen, was den Kursanbietern bei der Auswahl der Inhalte freie Hand lässt. Die im Internet unter www.test.de verzeichneten Auswertungen geben einen Überblick über Bildungsanbieter in Berlin und Deutschland und auch über Lerninhalte und Preise.

Gute Erfahrungen hat Rebecca Birkner vom Hotel Zur Bleiche etwa mit den Kursen der Winkels Akademie gemacht, einer Fachschule für Heilberufe und Kosmetik in Berlin. Dort werden Berufsausbildungen, aber auch Spezial- und Ergänzungskurse angeboten – von der Aromatherapie bis zum Workshop zur Existenzgründung. Ein Wochenendseminar in Energiemassage kostet zum Beispiel einmalig 185 Euro, ein einjähriger Lehrgang in Kosmetiktherapie dagegen 300 Euro pro Monat.

Lehrgänge, die teurer sind, müssen nicht gleich besser sein – diese Regel gilt auch in der Wellnessbranche. Oft werden kostspielige Intensivseminare an einem oder zwei Wochenenden angeboten, die ihre Versprechungen aber nicht halten. Unterrichtskosten zwischen acht und zehn Euro die Stunde, sind grundsätzlich angemessen, in Einzelfällen kann es auch teurer sein. „Liegt der Preis jedoch weit über 30 Euro die Stunde, sollte man vorsichtig sein“, rät Peter Susat. Wer dann einen Kurs zu guten Konditionen ins Auge gefasst hat, sollte sich über dessen Qualität zusätzlich bei Absolventen umhören. Seriöse Ausbildungsstätten geben auf Anfrage Referenzen an.

Wer seine erste Weiterbildung erfolgreich absolviert hat und die Hände in den Schoß legt, könnte schlechte Karten auf dem Arbeitsmarkt haben. Pfiffige Ideen, die Beobachtung der Trends und die ständige Weiterqualifizierung bringen die Wellness-Karriere erst richtig in Schwung. So wie bei der Kosmetikerin Ulrike Nowotnick, die auch nach etlichen Seminaren nicht locker lässt: „Im neuen Jahr ist eine Fortbildung zur Aroma- oder Migränebehandlung dran.“

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