Wirtschaft : Karstadt baut seine Warenhäuser um

Umsatz und Gewinn brechen ein / Schließungen nicht mehr ausgeschlossen / Börse straft die Aktie ab

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Düsseldorf / Berlin (kwi/msh). Der Handelskonzern KarstadtQuelle steht nach erheblichen Umsatzeinbußen im vergangenen Geschäftsjahr und einem enttäuschenden Jahresauftakt 2004 vor einem grundlegenden Umbau. Karstadt-Quelle-Chef Wolfgang Urban kündigte eine Neuordnung der Sortimente in den Warenhäusern an und schloss auch die Schließung von Filialen nicht mehr aus. „Alles, was uns strategisch nicht weiterbringt, muss in Frage gestellt werden“, sagte Urban am Dienstag bei der Vorlage der Bilanz. Die Börse konnte Urban mit seinen Plänen nicht überzeugen. Die Karstadt-Aktie verlor gegen den Trend bis Handelsschluss 4,6 Prozent auf 16,60 Euro.

Karstadt-Quelle litt im vergangenen Jahr besonders stark unter der Kaufzurückhaltung der Verbraucher. Allerdings kommen bei Europas größtem Warenhaus- und Versandhandelskonzern hausgemachte Probleme hinzu. Die Warenhäuser ließen sich auf eine ruinöse Rabattschlacht ein und der Versandhandel (Quelle, Neckermann) konnte das erfolgreiche Geschäft des Jubiläumsjahres 2002 nicht wiederholen. Folge: Der Umsatz bei den Warenhäusern sank um fünf Prozent auf 6,97 Milliarden Euro, der im Versandhandel um 2,5 Prozent auf 8,02 Milliarden Euro im Vergleich zum Vorjahr.

Im laufenden Jahr setzt sich dieser Trend fort. Urban rechnet im ersten Quartal sogar mit einem Umsatzrückgang zwischen vier und fünf Prozent im Vergleich zum Vorjahreszeitraum. Angesichts der schwachen Entwicklung will Urban die Warenhäuser gründlich umstrukturieren. Die Karstadt-Häuser sollen sich künftig auf die Kerngeschäfte Mode, Sport, Wohnen und Kosmetik konzentrieren. Ab Jahresmitte wird Karstadt in 50 Warenhäusern unter der Eigenmarke „YornCasa“ Produkte rund ums Wohnen präsentieren. Mit der Modefirma S.Oliver entwickelt Karstadt eine eigene Marke für Frauen, die ab 2005 in die Läden kommt. Dafür gründen die Unternehmen eine Gemeinschaftsfirma.

Zudem setzt der Konzern bei Bekleidung auf Partnerschaften und auf die Vermietung von Flächen an Modefirmen wie Esprit oder Betty Barclay. „Wir müssen nicht alles selber machen, sondern viel stärker mit Partnern zusammenarbeiten“, sagte Konzernchef Urban. Während Karstadt margenstarke Sortimente ausbauen will, entrümpelt es gleichzeitig sein Angebot. Verlustbringer wie technische Artikel werden aussortiert. Die ebenfalls Verlust bringenden Lebensmittelabteilungen bleiben zwar, doch betreibt Karstadt sie künftig in einem Joint Venture mit dem Handelskonzern Rewe.

Nachdem Urban immer erklärt hatte, an sämtlichen Standorten festhalten zu wollen, schließt er inzwischen die Schließung unrentabler Häuser nicht mehr aus. „Die Schließung oder den Verkauf dieser Filialen erwägen wir aber erst, wenn die anderen Optionen nicht zum Erfolg führen“, sagte Urban. Dagegen ist klar, dass Karstadt-Quelle die Kosten weiter senken wird – auch beim Personal. Betroffen ist in erster Linie die Verwaltung. Wie der Betriebsrat im Januar angekündigt hatte, plant der Vorstand, die Personalkosten in der Warenhaussparte um 785 Millionen Euro zu senken. Das würde rechnerisch etwa 3000 Stellen entsprechen. Kündigungen sollen aber vermieden werden.

Eine Umsatz- und Ertragsprognose für das laufende Jahr machte Urban nicht. Als Grund nannte er die unsicheren Rahmenbedingungen in Deutschland und die Gefahr neuer Terroranschläge in Europa. An den Finanzmärkten wurde dieses Vorgehen mit Unverständnis aufgenommen. „Die Verunsicherung deutet darauf hin, dass Urban mit dem schlimmsten rechnet“, sagte ein Analyst. Das neue Konzept werde frühestens im kommenden Jahr wirksam. Zudem fallen für den Umbau weitere Kosten an, die das Ergebnis weiter drücken könnten. Im vergangenen Jahr hat Karstadt-Quelle insgesamt einen Umsatz von 15,3 Milliarden Euro erzielt und lag damit um 3,4 Prozent unter dem Vorjahr. Der Gewinn vor Steuern erreichte 225 Millionen Euro nach 294 Millionen Euro im Jahr zuvor. Der Konzern will unverändert eine Dividende von 71 Cent pro Aktie zahlen.

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