Karstadt : Die unendliche Geschichte

Drei offizielle Kaufangebote für die Warenhauskette Karstadt liegen vor. Doch die endgültige Entscheidung im Gläubigerausschuss wird auf den 7. Juni vertagt.

David C. Lerch
Kurz vor Schluss. Am Freitagmorgen legte auch das Vermieterkonsortium Highstreet – vertreten durch Alexander Dibelius, Deutschland-Chef der Investmentbank Goldman Sachs – ein Angebot vor. Foto: ddp
Kurz vor Schluss. Am Freitagmorgen legte auch das Vermieterkonsortium Highstreet – vertreten durch Alexander Dibelius,...Foto: ddp

Düsseldorf - Das Ringen um die insolvente Warenhauskette Karstadt gerät immer mehr zur unendlichen Geschichte. Am Freitag endete die zweite Bieterfrist. Inzwischen liegen drei Kaufangebote für Karstadt vor, über die der Gläubigerausschuss am Freitag befinden wollte. Doch die Entscheidung wurde erneut vertagt. Wie Insolvenzverwalter Klaus Hubert Görg am Freitag in Essen berichtete, soll der Gläubigerausschuss sein Votum nun am 7. Juni abgeben. Bis zum 9. Juni soll der Kaufvertrag dann unterschrieben sein. „Das Hin und Her der Beteiligten kann nicht mehr länger weitergehen“, sagte Görg nach dem Treffen.

Schuld an der Verzögerung sind wohl die Vermieter der Karstadt-Häuser, das Konsortium Highstreet. Dahinter verbergen sich Immobilienfonds von Goldman Sachs, der Deutschen Bank sowie der italienischen Unternehmen Pirelli und Borletti. Wie bereits seit Wochen spekuliert, legte Highstreet – als Vermieter selbst einer der größten Gläubiger – zum Ablauf der Bieterfrist ein eigenes Angebot für Karstadt vor und zog damit die Verhandlungen zusätzlich in die Länge. Wie ein Sprecher der Insolvenzverwaltung berichtete, überreichten die Vertreter von Highstreet am Freitagmorgen um 7.30 Uhr allen weiteren Gläubigern je einen Stapel dicht bedrucktes Papier. „Das war eher Schriftgröße neun als Schriftgröße 20“, sagte der Sprecher. Damit gibt es nun drei konkrete Interessenten für die insgesamt 120 Warenhäuser mit rund 25 000 Beschäftigten. Die Private- Equity-Gesellschaft Triton und der Finanzinvestor Nicolas Berggruen hatten bereits im Vorfeld ihre Pläne eingereicht.

Die Entscheidungen über die Zukunft von Karstadt trifft der Ausschuss, in dem die elf wichtigsten Gläubigergruppen vertreten sind. Dazu zählen Vertreter der Arbeitnehmer, also der Gewerkschaft Verdi und des Betriebsrats, die Vermieter und die Lieferanten, aber auch staatliche Behörden wie die Finanzämter oder die Agentur für Arbeit. Eigentlich hatte sich dieses Gremium darauf verständigt, bis spätestens Montagmorgen ein Ergebnis auszuhandeln. Dann nämlich endet die Frist für den Insolvenzplan, der zusammen mit einem unterschriebenen Kaufvertrag beim Amtsgericht Essen eingereicht werden soll. Doch diese Frist wurde bereits vor einem Monat verlängert. Das soll nun erneut geschehen.

Bereits vor den offiziellen Beratungen des Gläubigerausschusses dämpfte Insolvenzverwalter Görg am Freitagmorgen die Erwartungen. „Wir werden heute einen Schritt weitergehen“, sagte er und sprach von einer „Vorentscheidung“. In welche Richtung diese ausfällt, ist offen. Allerdings gilt Highstreet nun als der Favorit. Die beiden Finanzinvestoren fordern jeweils weitere Einschnitte, zusätzlich zu den bereits für den Insolvenzplan zugesagten Einsparungen bei Mitarbeitern, Vermietern und Lieferanten. Triton hatte mehrfach klargemacht, dass das Kaufangebot an neue Opfer bei der Belegschaft geknüpft ist, und war damit auf starken Widerstand von Verdi gestoßen. Berggruen wiederum hatte neue Auflagen von den Vermietern gefordert und diese damit verärgert.

Das Angebot von Highstreet hingegen sieht bei Arbeitsplätzen keine gravierenden Einschnitte vor. Jedoch soll die wöchentliche Arbeitszeit der Karstadt-Mitarbeiter ohne Lohnausgleich von 37,5 auf 39,5 Stunden erhöht werden. Die Arbeitnehmer würden im Gegenzug am Unternehmen beteiligt. Verdi hat bereits Sympathie für diese Lösung erkennen lassen. Doch das könnte nur kurzfristig ein Erfolg sein.

Denn dem Vernehmen nach schielt das Highstreet-Konsortium auf eine Fusion mit dem Konkurrenten Kaufhof, der ebenfalls zum Verkauf steht und offenbar von mehreren Interessenten umworben wird. Das versicherte der Kaufhof-Mutterkonzern Metro am Freitag erneut.

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