Wirtschaft : Karstadt-Quelle: Konzern will den Modemarkt anführen

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Europas größter Warenhaus- und Versandhandelskonzern, Karstadt-Quelle, will in den nächsten Jahren stark wachsen. Bis zum Jahr 2003 soll sich das Ergebnis vor Ertragssteuern auf 1,4 Milliarden Mark nahezu verdreifachen, der Umsatz um 25 Prozent auf 36 Milliarden Mark steigen, kündigte der neue Vorstandschef Wolfgang Urban am Dienstag bei seinem ersten Auftritt in neuer Funktion in Düsseldorf an.

Eine groß angelegte Schließung von Warenhäusern, über die in den vergangenen Wochen spekuliert worden war, wird es nach Urbans Worten vorerst nicht geben. Für die rund 84 kleineren Warenhäuser werde an einem neuen Konzept gearbeitet, das im Frühjahr vorliegen soll. Konkrete Pläne für Schließungen gebe es nicht. "Wenn wir im Wettbewerb überleben wollen, müssen wir wachsen", wies er alle Spekulationen zurück.

Vor allem sollen die Bereiche Mode, Sport und Technik, wo der Konzern schon jetzt zwei Drittel seines Umsatzes erwirtschaftet, noch weiter ausgebaut werden. Geplant ist deshalb eine Mehrheitsbeteiligung am Mode-Filialisten Sinn-Leffers, der heute noch mehrheitlich im Besitz der SchickedanzGruppe ist. Man habe ein Angebot für das gesamte Unternehmen abgegeben, die Gespräche liefen noch, sagte Urban. Durch den Verbund von Karstadt und den zur Gruppe gehörenden Wehmeyer-Geschäften mit Sinn-Leffers würde der Konzern mit Abstand Marktführer im deutschen Modemarkt werden. Auch die Zahl der Sportfilialen soll von derzeit 300 auf 400 ausgeweitet werden.

Dreh- und Angelpunkt der Geschäftsstrategie des neuen Vorstandes ist die enge Verzahnung aller Geschäftsaktivitäten - vom Warenhaus über Versandhandel und E-Commerce bis zum Tourismus. Mit 2,5 Millionen Besuchern täglich in den Warenhäusern und mehr als 17 Millionen Kundenadressen habe Karstadt ein enormes Potenzial, das nur besser genutzt werden müsse, sagte der Vorstand.

Ausbauen will Urban nun vor allem das E-Commerce-Geschäft. In den kommenden Wochen wird der Konzern seinen neu gestalteten Internet-Auftritt für Karstadt, WOM und Karstadt-Sport starten, die bestehenden von Quelle und Neckermann sollen verbessert werden. Insgesamt 500 Millionen Mark werden bis zum Jahr 2004 in diesen Ausbau investiert. Schon in diesem Jahr will der Konzern seinen Online-Umsatz von 200 auf 700 Millionen Mark mehr als verdreifachen, im Jahr 2003 sollen es drei Milliarden Mark, ein Zehntel des Gesamtumsatzes, sein. Vom verbesserten Internet-Auftritt sollen aber auch die anderen Sparten profitieren. Untersuchungen hätten gezeigt, dass in Zukunft etwa 24 Prozent aller Handelsumsätze online beeinflusst sein werden, gegenüber sechs Prozent, die tatsächlich online getätigt werden, sagte Urban. Der KarstadtKunde soll in Zukunft die Wahl haben: Er kann auch im Warenhaus im Quelle-Katalog blättern und bestellen. Auch die KarstadtKundenkarte soll weitere Funktionen erhalten. Laut Urban gibt es Überlegungen, die Kundenkarte zu einer so genannten Payback-Karte auszubauen, bei der mit jedem Einkauf Rabattpunkte gesammelt werden können. Auch einen Verbund mit anderen Unternehmen schloss Urban nicht aus. Insgesamt will der Konzern den Bestand der Kundenkarten von derzeit 3,5 Millionen bis zum Jahr 2002 auf zehn Millionen erhöhen. Kosten einsparen will Urban durch eine Straffung der Organisation. Für die Versandhandelstöchter Quelle und Neckermann wird eine Dienstleistungsgesellschaft gegründet, die sämtliche internen Prozesse wie Logistik, Auftragsabwicklung und Buchhaltung übernehmen soll. Im Warenhausbereich will Urban die Lagerflächen halbieren und 500 Millionen Mark einsparen.

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