Wirtschaft : Karstadt-Quelle: Zurückhaltung bei Aktien des Einzelhandels

Tobias Symanski

Wolfgang Urban hat keinen einfachen Job. Zwar ist die Essener KarstadtQuelle AG schon die europäische Nummer eins im Waren- und Versandhausgeschäft, doch vom Umsatz - 2000 waren es 15,24 Milliarden Euro - bleibt am Ende nur wenig übrig. Derzeit beträgt die Gewinnrendite vor Steuern gerade mal 1,8 Prozent. Auch mit der Aktienentwicklung kann Urban nicht zufrieden sein. Nachdem der Zusammenschluss von Karstadt und Quelle im Juli 1999 durch die Aktionärsvertretung gebilligt wurde, rutschte der Kurs deutlich ab. Trotz Erholung in den letzten zwölf Monaten blieb das Papier sehr schwankungsanfällig. Zuletzt verlor die Aktie, die aktuell 35 Euro kostet, rund acht Euro. Der Grund: Der Konzern stieg im Februar vom prestigeträchtigen Dax-30 in den M-Dax ab.

Analysten favorisieren Ahold

Auch das Interesse der Analysten am Waren- und Versandhauskonzern ließ deutlich nach. Der Großteil der Anlagestrategen stuft Karstadt-Quelle derzeit als neutral ein. So lautet die Empfehlung der Bankgesellschaft Berlin und der SEB "Halten". Die WGZ-Bank führt die Aktie als "Marketperformer", erwartet also, dass sich Karstadt-Quelle gemäß des Markttrends entwickelt. Besser sieht die Bewertung bei Einzelhandelswerten aus, die ihren Fokus im Bereich Supermarkt setzen. Der Weltmarktführer Wal Mart, der in den letzten Jahren durch zahlreiche Akquisitionen in Europa auffiel, wird im Durchschnitt mit "Kaufen" bewertet. Auch die Nummer drei im Geschäft, der niederländische Ahold-Konzern, liegt in der Gunst der Analysten vorne. Die Investmentbank Lehman Brothers bewertet Ahold sogar als "Strong Buy", weil das Wachstum - mit Fokus auf die USA - nicht zu Lasten der finanziellen Entwicklung gehe.

Karstadt-Quelle-Chef Wolfgang Urban, der an diesem Mittwoch die Bilanz für 2000 und Zahlen für das erste Quartal 2001 präsentiert, will in der Gunst der Anleger wieder besser dastehen. Deswegen hat er kurz nach seinem Amtsantritt im Oktober 2000 ein ehrgeiziges Wertsteigerungsprogramm aufgestellt. Kernziel: Die Konzernrendite soll bis zum Jahr 2003 auf vier Prozent ansteigen. 500 Millionen Euro und bis zu 7000 Stellen sollen bis dahin eingespart werden. Die ersten Früchte des Restrukturierungsprogramms konnte Urban schon Mitte des Monats ernten. Mit der Ankündigung, dass es 2000 ein deutlich gesteigertes Ergebnis geben werde, überraschte Karstadt-Quelle die Märkte positiv. Vor Steuer seien 273 Millionen Euro Gewinn erwirtschaftet worden, 21 Prozent mehr als 1999. Die Aktie reagierte mit deutlichen Kursgewinnen.

"Das ist natürlich ein gutes Vorzeichen", sagt Christian Riedel von der Düsseldorfer WGZ-Bank. Mit Spannung wartet der Analyst darauf, wie es bei Karstadt-Quelle weitergeht. "Für Karstadt wurde eigentlich ein gutes Konzept entwickelt", meint Riedel. Die großen Warenhäuser sollen Schritt für Schritt zum "Themenhaus" umgebaut werden, wobei der große Konkurrent Metro mit seiner Tochter Kaufhof hier die Nase vorn hat. "Kaufhof steht auf jeden Fall besser da", meint Riedel. Die Galeria-Läden "bieten einen höherwertigen Eindruck". Zudem sei das Themenhauskonzept dort schon weiter fortgeschritten.

Chefs geben sich die Klinke in die Hand

Größere Kopfschmerzen bereitet dem Analysten jedoch das Gesamtkonzept Karstadt und Quelle. "Da wurden zwei Konzerne verschmolzen, die ganz unterschiedliche Vertriebswege haben." Die richtige Strategie zur Schaffung von Synergien fehle bislang. Doch nicht nur deshalb ist die Versandhaustochter Quelle das Sorgenkind im Konzern. Die Unternehmensführung zeigt wenig Kontinuität, die durchschnittliche Verweildauer auf dem Chefsessel beträgt gerade einmal zwei Jahre. Christoph Achenbach, der seit März die Fäden des Schickedanz-Unternehmens in der Hand hält, ist mittlerweile der siebte Vorstandschef seit 1987. Und auch er muss die ambitionierten Vorgaben seines Konzernchefs erfüllen: Vier Prozent Umsatzrendite im Versand- und Auslandsgeschäft bis zum Jahr 2003. Gleichzeitig soll die europäische Expansion angekurbelt werden. "Das weckt wiederum etwas Fantasie", sagt Riedel. Die Essener wollen ein Aktienrückkaufprogramm starten, um eine Akquisitionswährung in der Hand zu haben. "Karstadt hat auf jeden Fall noch eine Menge vor", meint Riedel: Wachsen, umstrukturieren und die Rendite erhöhen. Fast schon zu ehrgeizig, findet der Analyst. Eines ist sicher. Von der Absatzseite her kann Urban keine Hilfe erwarten. "Das Handelsumfeld in Deutschland ist angespannt", sagt Riedel. Wegen der gestiegenen Ölpreise, bleibe für den Konsum nun noch weniger übrig.

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