Wirtschaft : Karstadts Geschäft mit Rewe wackelt Streit über Betriebsrat gefährdet Joint Venture

Christoph Schlautmann/HB

Düsseldorf - Karstadt-Quelle droht neuer Ärger. Das soeben unterzeichnete Joint Venture des Essener Warenhaus- und Versandkonzerns mit der Kölner Handelsgruppe Rewe, in das Karstadt seine defizitären Supermärkte eingebracht hat, bricht womöglich schon im kommenden Jahr wieder auseinander. „Rewe besitzt die Option, im Juni 2005 das Joint Venture zu beenden, falls keine Einigung über die Organisation des Betriebsrats erzielt wird,“ erfuhr das Handelsblatt aus Kreisen des Kölner Unternehmens.

Nach ersten Gerüchten, das Gemeinschaftsunternehmen stehe auf der Kippe, hatte die Aktie des Warenhaus- und Versandkonzerns am Freitag zeitweise mehr als vier Prozent an Wert verloren. Tatsächlich steht für Karstadt einiges auf dem Spiel. Zum einen hat Rewe zugesichert, die gemeinsame Tochter mit 50 Millionen Euro Kapital auszustatten – Geld, das der ertragsschwache Essener Konzern dringend zur Modernisierung der 72 Lebensmittelabteilungen benötigt. Zum anderen hat Rewe den Warenhaus-Supermärkten deutlich günstigere Einkaufskonditionen zugesichert.

Bis zuletzt war Karstadt von den Großhandlungen der Edeka beliefert worden. Statt eines Betriebsverlustes in zweistelliger Millionenhöhe, den Karstadts Supermärkte in den vergangenen Jahren zu verkraften hatten, sollen die Lebensmittelabteilungen schon bald wieder schwarze Zahlen schreiben. Platzt der Deal, wäre Karstadt- Quelle ein Betriebsverlust in diesem Geschäftsjahr nahezu sicher.

Offiziell wollte am Freitag keines der beiden Unternehmen dazu Stellung beziehen. Wie es aber in Kreisen beider Konzerne heißt, führt der von Ex-Rewe-Chef Hans Reischl und dem ebenfalls ausgeschiedenen Karstadt- Quelle-Chef Wolfgang Urban ausgehandelte Vertrag zu heftigen Konflikten mit dem Arbeitnehmerlager. Die Forderung von Rewes Personalleiter Berndfried Dornseifer, einen zentralen Betriebsrat für das Gemeinschaftsunternehmen einzurichten, stößt auf erbitterten Widerstand des Betriebsrats vor allem von Karstadt-Quelle. „Wir wollen eine regionale Lösung“, sagte Wolfgang Pokriefke, Gesamtbetriebsratsvorsitzender des Essener Konzerns, dem Handelsblatt, ohne Details nennen zu wollen. Der Karstadt-Betriebsrat fürchte, so berichtet ein Rewe-Arbeitnehmervertreter, dass sich bei einer zentralen Lösung die Zahl der freigestellten Betriebsräte reduziere.

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