Wirtschaft : Kassenpatienten zahlten 1999 weniger zu Arzneimitteln zu - Warnung vor Internetkauf

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In der Diskussion um die Reform des Gesundheitswesens haben die deutschen Apotheker die Abschaffung der Budgetierung gefordert. "Die Budgetierung der Arzneimittelausgaben ist in einer Sackgasse angelangt", sagte Hans-Günter Friese, Präsident der Bundesvereinigung Deutscher Apothekerverbände (Abda) in Berlin. Anstelle der Budgetierung müssten "individuelle Richtgrößen und individuelle Verordnungsanalysen" treten, forderte der Verbandspräsident.

Das Arzneimittelbudget für 1999 in Höhe von insgesamt 33,7 Milliarden Mark sei um fünf Prozent oder sechs Milliarden Mark überschritten worden, sagte Friese. Die Wirtschaftlichkeitsreserven seien zu gering, um diese "Versorgungslücke" zu füllen. "Die bisherige kollektive Budgetierung stellt nicht die Mittel für den tatsächlichen Bedarf zur Verfügung", sagte Friese.

Bundesgesundheitsministerin Andrea Fischer warf der Verbandspräsident vor, den größten Teil der gestiegenen Arzneimittelausgaben von 8,4 Prozent in 1999 selbst verschuldet zu haben. Ohne die gesetzliche Senkung der Zuzahlungsbeträge bei den Arzneimitteln hätten sich die Ausgaben nur um rund vier Prozent erhöht, sagte der Verbandspräsident.

Die 70 Millionen Kassenpatienten mussten im vergangenen Jahr 1,2 Milliarden Mark weniger für Arzneimitteln zuzahlen als 1998. Die Zuzahlung sank nach Angaben des Apothekerverbandes von 5,4 auf 4,2 Milliarden Mark. Damit verminderte sich der Kostenanteil der Patienten an den Arzneimittelausgaben der Gesetzlichen Krankenkassen von 16,1 auf 11,6 Prozent. Den Rückgang erklärte der Apothekerverband mit den gesenkten Zuzahlungen. Zum 1. Januar 1999 hatte die Regierungskoalition die nach Packungsgröße gestaffelten Zuzahlungen zum 1. Januar 1999 von neun, elf und 13 Mark auf acht, neun und zehn Mark gesenkt. Weitere Gründe für den Rückgang sei die wachsende Zahl zuzahlungsbefreiter Verordnungen. Außerdem verschrieben die Ärzte weniger als in den Vorjahren.

Die rund 21.500 Apotheken in Deutschland erzielten im vergangenen Jahr einen Gesamtumsatz von 50,3 Milliarden Mark - vier Prozent mehr als im Vorjahr. Das entspricht dem durchschnittlichen Wachstum der vergangenen Jahre. 66 Prozent der Gesamtumsatzes entfielen auf die Verordnung rezeptpflichtiger, 13 Prozent auf die Verordnung apothekenpflichtiger Arzneimittel. Der Anteil der apothekenpflichtigen rezeptfreien Arzneimittel lag bei 13 Prozent. Die Zahl der ärztlich verordneten Arzneimittel hat sich 1999 im Vergleich zum Vorjahr um 30 Millionen Packungseinheiten auf 970 Millionen reduziert. Das ist der niedrigste Wert seit zehn Jahren.

Der Apothekerverband warnte erneut davor, Arzneimittel im Internet zu kaufen. Bei der "Pille per Post" sei keine auf die individuellen Bedürfnisse des Patienten abgestimmte Beratung möglich, sagte Apotheker-Präsident Friese. Nach Schätzungen seien zehn Prozent der im Internet vertriebenen Arzneien gefälscht.

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