Katastrophales Quartal : TV-Hersteller Loewe geht die Puste aus

Nach Umsatzeinbruch verliert Aktie 23 Prozent.

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Berlin - Der einst in Berlin gegründete Fernsehgerätehersteller Loewe mit Sitz im oberfränkischen Kronach kämpft offenbar akut ums Überleben. Das Unternehmen hatte am Donnerstagabend einen Umsatzeinbruch für das erste Quartal um 35 Prozent auf nur noch 43,5 Millionen Euro melden müssen. Der Verlust vor Zinsen und Steuern habe sich auf knapp zehn Millionen Euro gegenüber dem Vorjahresquartal verzehnfacht, hieß es. Der Vorstand rechnet damit, dass das Grundkapital bereits Ende Mai zur Hälfte aufgezehrt ist. Damit wäre Loewe per Gesetz gezwungen, zu einer außerordentlichen Hauptversammlung zu laden.

Aktienhändler reagierten am Freitag entsprechend auf diese Nachrichten: Der Kurs brach bis zum Nachmittag um gut 23 Prozent auf 2,24 Euro, den bisher tiefsten Stand seit dem Börsengang  1999, ein. Derzeit sind rund 45 Prozent der Papiere in Streubesitz, rund 29 Prozent gehören dem japanischen Sharp-Konzern.

Die Brüder Siegmund und David L. Loewe hatten das Unternehmen 1929 als Radiofrequenz GmbH in Berlin-Friedenau gegründet. Als Juden mussten sie während der NS-Diktatur emigrieren. Nach dem Krieg kehrten sie aus dem Exil USA zurück. Bis 1978 fertigte Loewe Radios in Berlin-Steglitz, spezialisierte sich später aber auf Fernseher und zuletzt auch auf Audiosysteme.

Loewe gilt als Opfer mittlerweile übermächtiger Konkurrenten wie Sony und Panasonic aus Japan beziehungsweise Samsung und LG aus Südkorea. Neben ihnen versuchte sich Loewe im Elektrofachhandel als hochpreisiger Qualitätshersteller zu etablieren. In den vergangenen zwei Jahren hielten sich zudem Gerüchte, Apple könnte bei Loewe einsteigen, um eigene Fernseher herzustellen. „Dass es aber jemals dazu kommt, halte ich für unwahrscheinlich“, sagte ein Brancheninsider am Freitag. Bei Loewe gibt man gleichwohl nicht auf: Das Management prüft eine Kapitalerhöhung und brachte dieser Tage ein neues drahtloses Audiosystem auf den Markt. Zudem kündigte Loewe eine groß angelegte Werbekampagne an. Kevin P. Hoffmann

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