Kaufkraftentwicklung : Der Wohlstand stagniert

In den vergangenen 20 Jahren stiegen die Nettolöhne im Westen um 45 Prozent und die Preise um 43 Prozent. Die Kaufkraft blieb also fast unverändert. Im Osten gab es eine deutliche Lohnsteigerung.

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Grafik: Jannis Riethmüller

Berlin - Die „Kaufkraft der Lohnminute“, so nennen die Statistiker den Wert, der Auskunft gibt über den Wohlstand der Arbeitnehmer. Und da hat sich nicht viel getan seit 1991. Im vergangenen Jahr bekam ein Arbeitnehmer in Westdeutschland, und nur für diesen Teil der Bundesrepublik hat das Institut der deutschen Wirtschaft (IW) gerechnet, netto 45 Prozent mehr Lohn als 1991. Die Preise stiegen im gleichen Zeitraum um 43 Prozent. „Für einen identischen Warenkorb muss damit heute im Schnitt genauso lange gearbeitet werden wie vor 20 Jahren“, teilte das arbeitgebernahe IW am Dienstag mit.

Für Ostdeutschland gibt es keine präzisen Zahlen, weil das Statistische Bundesamt diese Anfang der 90er Jahre nicht ermittelt hat, erläuterte IW-Mitarbeiter Christoph Schröder. Nach ihm vorliegenden Daten habe sich aber die Kaufkraft im Osten bis 2009 um rund 20 Prozent erhöht, weil es hier zu relativ hohen Gehaltserhöhungen gekommen sei, sagte Schröder. Indes liegen die Stundenlöhne im Osten noch immer deutlich unter Westniveau: Nach Abzug von Steuern und Sozialbeiträgen bekam der durchschnittliche Arbeitnehmer im Westen 15,20 Euro, vor 20 Jahren waren es noch 10,50 Euro. Im Osten ging es von 5,68 Euro (1991) auf zuletzt 11,70 Euro.

Die Kaufkraft hat sich je nach Produktgruppe unterschiedlich entwickelt: Für Nahrungsmittel muss weniger lange gearbeitet werden als vor 20 Jahren, sogar erheblich billiger sind Elektrogeräte. Dagegen ist das Leben der Autofahrer teurer geworden: Für eine Tankfüllung arbeitet man heute fünf Stunden und damit fast zwei Stunden länger als 1991.

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