Wirtschaft : Kaum noch Hoffnung für Bochum

Konzernchef trifft sich in Düsseldorf mit Politikern / Suche nach Alternativen für die Beschäftigten

Alfons Frese

Berlin - Für das Bochumer Nokia-Werk gibt es kaum noch Hoffnung. Zwar wird die geplante Schließung der Fabrik Gegenstand von Arbeits- und Gesprächskreisen, an der Verlagerung der Produktion nach Rumänien hält der finnische Konzern aber fest. Diese Einschätzung gab es am Montag nach einem Gespräch mit Nokia-Chef Olli-Pekka Kallasvuo im nordrhein-westfälischen Wirtschaftsministerium. Neben NRW-Ministerin Christa Thoben (CDU) nahm der Staatssekretär aus dem Bundeswirtschaftsministerium, Hartmut Schauerte (CDU), an dem Gespräch teil.

„Die Nokia-Unternehmensleitung und die Landesregierung verabreden, sofort ein Arbeitsteam einzusetzen, das den Auftrag hat, innovative Lösungen für die Zukunft des Nokia-Standortes Bochum zu suchen“, hieß es in einer Stellungnahme des Ministeriums. Bundes- und Landesregierung würden „die Suche nach einer positiven Lösung für Nokia und die Mitarbeiter weiterhin konstruktiv begleiten“.

In Teilnehmerkreisen hieß es nach dem Treffen, der Nokia-Chef sei etwas „angefasst“ gewesen, gleichsam erschrocken über die Empörung, die von der Entscheidung zur Werksschließung ausgelöst worden war. Die Entscheidung selbst stellt die Konzernspitze aber nicht zur Disposition. In Rumänien baut der Nokia-Konzern eine neue Fabrik und will dort auch die Lieferanten ansiedeln. Das sei aus Kostengründen in Bochum nicht möglich. Kallasvuo sei nun daran interessiert, den Imageschaden zu begrenzen. Die Bereitschaft, neue Perspektiven für den Standort und die Belegschaft zu entwickeln, sei bei den Finnen durchaus vorhanden.

Vor zwei Wochen hatte Nokia bekanntgegeben, das Werk in Bochum mit 2300 Mitarbeitern und weiteren 1000 Leiharbeitnehmern Mitte des Jahres schließen zu wollen. Der Großteil der Handyproduktion wird nach Rumänien verlagert, die Produktion dort soll bereits im Februar beginnen. Bislang hatte Nokia mit Kostengründen argumentiert, in Rumänien betragen die Arbeitskosten nur ein Zehntel des Niveaus in Deutschland. Allerdings ist der Anteil der Arbeitskosten an den Gesamtkosten der Handyproduktion mit fünf Prozent beinahe vernachlässigbar gering. Rechnet man allerdings die Zulieferer hinzu, die Nokia in Rumänien ansiedeln will, dann bekommen die Personalkosten ein größeres Gewicht.

IG Metall, Betriebsrat und Belegschaft berieten am Montag über weitere Maßnahmen. Am Abend wurde der SPD-Vorsitzende Kurt Beck zu einem „Solidaritätsparteitag“ des Parteibezirks Bochum erwartet. Am Dienstag will Weihbischof Franz Grave die Belegschaft besuchen, Mittwoch treffen sich Arbeitnehmervertreter aus allen europäischen Nokia- Werken in Brüssel, um das weitere Vorgehen abzustimmen. Am 10. Februar ist in Bochum eine Menschenkette geplant.

Offenbar zeigen die Proteste Wirkung, denn Konzernchef Kallasvuo machte am Montag beim Gespräch im Düsseldorfer Wirtschaftsministerium „einen nachdenklichen Eindruck“. „Die haben sich das so nicht vorgestellt“, meinte ein Teilnehmer über die finnischen Konzernbosse. Die deutschen Regierungsvertreter forderten Kallasvuo nachdrücklich auf, „kurzfristig ausführliche Gespräche mit dem Betriebsrat“ zu führen und „dessen Vorstellungen für den Standort zu erörtern“. Ein Termin dafür stand am Montag aber noch nicht fest. Überhaupt wird zunehmend fraglich, ob Nokia den Zeitplan zur Werksschließung wird einhalten können, denn die Suche nach „innovativen Lösungen“, also Ersatzlösungen für das Werksgelände, dürfte Monate beanspruchen. Am Montag waren jedenfalls weder im Berliner Bundes-, noch im Landesministerium Ideen für eine solche Lösung zu hören.

Auch ist weiterhin offen, wann es zu Sozialplanverhandlungen kommt. Bislang haben Betriebsrat und IG Metall solche Gespräche, bei denen es im Kern um die Höhe der Abfindung für die Beschäftigten geht, mit dem Hinweis abgelehnt, man wolle für den Bestand des gesamten Werkes kämpfen. Dazu wurde von der Gewerkschaft auch ein Unternehmensberater beauftragt, der mit seiner Expertise die Wettbewerbsfähigkeit des Standorts Bochum beweisen soll.

Unabhängig von der Zukunft des Bochumer Werks hat Nokia einen Käufer für den Geschäftsbereich Autozulieferung gefunden. Interesse hat offenbar der frühere Nokia-Manager Razvan Olosu, der die Sparte zusammen mit dem Finanzinvestor Equity Partners übernehmen will. In Bochum wären davon rund 200 Beschäftigte betroffen. Der Autobereich von Nokia befasst sich mit Kommunikations- und Multimedia-Lösungen rund ums Fahrzeug.

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