Wirtschaft : Kein Grund zur Panik

MARTINA OHM

Europas Geld- und Finanzpolitiker veranstalten ein bizarres Tauziehen.Während sich der EU-Währungskommissar, Vertreter der Europäischen Zentralbank und der Deutschen Bundesbank momentan darum bemühen, den Euro wieder heraufzureden, müssen sich die EU-Finanzminister die unangenehme Frage gefallen lassen, warum sie die "Errungenschaft für Europa" zuvor heruntergeredet haben.Die verunglückte Vereinbarung der Minister in der vergangenen Woche in Brüssel gilt nach wie vor als entscheidende Ursache für die andauernde Kursschwäche der Einheitswährung.

Zwar konnten die Sonderwünsche der Italiener, im laufenden Jahr mehr Schulden zu machen, niemanden überraschen.Erstens war die prekäre Finanzlage Italiens angesichts der konjunkturellen Flaute absehbar.Zweitens liegen die Südeuropäer mit einem nunmehr angepeilten Etatdefizit von 2,4 Prozent immer noch im grünen Bereich, jedenfalls, wenn man den Stabilitätspakt als Grundlage nimmt.Doch es herrscht allgemeine Verunsicherung.Wie verläßlich ist Europas Finanzpolitik wirklich? Die Billigung des "Sonderfalls Italien" durch die EU-Finanzminister war schlicht das falsche Signal.Entsprechend reagiert auch der Devisenhandel.Die "Währung erster Klasse" wird zu Sommerschlußverkaufspreisen gehandelt.Solange freilich mehr Sprüche geklopft als Fakten geschaffen werden, läßt sich der Handel kaum zum Stimmungswechsel bewegen.

Grund zur Panik ist das dennoch nicht.Abgesehen davon, daß sich der Urlaub etwa in den USA oder Großbritannien verteuert, kann man mit dem aktuellen Eurokurs gut leben.Die Folgen sind überschaubar.Selbst mit niedrigeren Euro-Kursen stünde die Volkswirtschaft in Euroland noch vergleichsweise gut da.Denn der billigere Euro hilft dem Export und stützt die Beschäftigung.Und die Inflationsgefahr, bewirkt durch eine Verteuerung der Importe, hält sich angesichts der europaweit erreichten Stabilitätskultur in Grenzen.

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