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Kein kräftiger Aufschwung in Sicht : Wirtschaftsforscher senken Wachstumsprognose für Deutschland

Der erhoffte spürbare Aufschwung will sich einfach nicht einstellen. Das Wachstum wird in diesem Jahr nur knapp über Null liegen, schreiben die führenden Wirtschaftsinstitute in ihrem Herbstgutachten. Der Spielraum für die neue Bundesregierung wird damit enger.

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Eine Luftaufnahme des Containerterminals in Hamburg-Altenwerder zeigt hunderte von Metallkisten unter Verladekränen.
Kisten für die Welt. Erst im kommenden Jahr wird sich die Erholung der Weltwirtschaft für die Bundesrepublik bemerkbar machen.Foto: dpa

Die führenden deutschen Konjunkturforscher rechnen vorerst nicht mit einem raschen Anziehen der Wirtschaft. Im Herbstgutachten für die Bundesregierung sagen sie für dieses Jahr nur ein Wachstum von 0,4 Prozent voraus. Das ist nur halb so viel wie noch im April beim Frühjahrsgutachten prognostiziert, wie der Tagesspiegel am Mittwoch erfuhr. Auch für das kommende Jahr sind die Experten pessimistischer: Statt um 1,9 Prozent werde das Bruttoinlandsprodukt (BIP) nur um 1,8 Prozent zulegen. Offiziell vorlegen wollen die Institute das Gutachten am Donnerstag.

"Die deutsche Wirtschaft steht vor einem Aufschwung", schreiben die Forscher in ihrer Expertise. Er werde getragen von der Binnennachfrage. Die Investitionen würden zudem "beflügelt" durch das sich bessernde weltwirtschaftliche Umfeld und die abnehmende Unsicherheit. "Die Tendenz bleibt aufwärts gerichtet."

Nach einer Stagnation im ersten Quartal hatte die deutsche Konjunktur im Frühjahr mit 0,7 Prozent deutlich zugelegt. Bislang treibt vor allem der Konsum das Wachstum, allmählich kommen aber auch die Investitionen in Fahrt.

Trotz des schwachen Wachstums bessert sich die Beschäftigungslage weiter. In diesem Jahr werde die Zahl der Erwerbstätigen um 235.000 zunehmen, im kommenden noch einmal um 260.000, wie es in dem Bericht für die Regierung weiter heißt. Die Arbeitslosigkeit nimmt allerdings kaum ab - nach den Berechnungen der Forscher von 6,9 auf 6,8 Prozent. Der Grund dürfte der anhaltende Zustrom von Arbeitskräften aus dem EU-Ausland nach Deutschland. sein.

Zum Kreis der Prognostiker gehört erstmals wieder das Deutsche Institut für Wirtschaftsforschung (DIW) aus Berlin. Außerdem sind das Münchner Ifo, das Essener RWI sowie das IWH aus Halle mit von der Partie. Die Prognose gilt als Richtschnur für die Projektion der Bundesregierung, die das Wirtschaftsministerium am 23. Oktober vorlegen will. Bisher geht die Regierung für 2013 von einem BIP-Anstieg um 0,5 Prozent aus, 2014 sollen es 1,6 Prozent werden. Fällt die Konjunktur schwächer aus, gehen automatisch die Steuereinnahmen zurück. Das würde den Spielraum einer möglichen neuen schwarz-roten Bundesregierung einengen. Sowohl Union als auch SPD planen höhere Ausgaben - die Christdemokraten wollen mehr Geld für Mütter ausgeben, die Sozialdemokraten setzen auf mehr Mittel für die Infrastruktur.

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