Wirtschaft : Kein Meeting nach 17 Uhr

Die Bundeskanzlerin und die Familienministerin vereinbaren mit der Wirtschaft eine „Charta für familienbewusste Arbeitszeiten“

Berlin - Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) hat die Unternehmen aufgefordert, familienfreundlichere Arbeitszeiten einzurichten. „Familie und Beruf sind in der Praxis oft noch ein Widerspruch, das darf und muss nicht sein“, sagte Merkel bei einem Treffen mit Spitzenvertretern aus Wirtschaft, Verbänden und Gewerkschaften am Dienstag in Berlin. Merkel unterzeichnete gemeinsam mit Familienministerin Kristina Schröder (ebenfalls CDU) und den Interessenvertretern eine „Charta für familienbewusste Arbeitszeiten“. Die Teilnehmer verpflichten sich, für eine bessere Vereinbarkeit von Beruf und Familie einzutreten.

Die freiwillige Selbstverpflichtung sei ein wichtiger Schritt, sagte die Regierungschefin. Zugleich mahnte sie, Familienerfahrung dürfe auf dem Arbeitsmarkt „nicht länger als Störfaktor gelten“. Angesichts des demografischen Wandels sei die Vereinbarkeit von Beruf und Familie „eine wichtige Voraussetzung für einen zukunftsfähigen Standort Deutschland“.

Familienministerin Schröder sagte, mit der Charta setzten die Unterzeichner „erstmals auf höchster Ebene ein starkes Signal für die Förderung einer familienbewussten Arbeitszeitorganisation in Deutschland“. Schröder forderte die Wirtschaft auf, „Abschied von der Präsenzkultur“ zu nehmen. In deutschen Unternehmen herrsche noch immer der Glaube vor, der Beste sei der, der am längsten am Schreibtisch sitze. „Vielleicht ist er aber auch der Ineffizienteste“, meinte die Ministerin. Wer weniger Zeit zur Verfügung habe, arbeite wesentlich zielgerichteter. Wichtig sei auch eine Änderung in der Unternehmenskultur. So sollten Konferenzen oder Meetings nach 17 Uhr nur noch im Ausnahmefall vorkommen, sagte Schröder weiter. Wenn das Prinzip gelte, Karriere mache nur der, der bis spät in die Nacht im Büro sitze, dann bezahlten die, die sich um ihre Kinder kümmern müssten. Eine Arbeitsteilung zwischen Männern und Frauen sei somit „Voraussetzung dafür, dass Frauen den Aufstieg schaffen“.

Schröder plädierte für eine Unternehmenskultur, die „Respekt vor familiärer Verantwortung“ zeige. Dazu gehöre auch, Arbeitszeitmodelle flexibel und individuell den Bedürfnissen von Arbeitnehmern anzupassen. Umfragen zeigten, dass inzwischen bei der Arbeitsplatzwahl die Familienfreundlichkeit eine ebenso große Rolle spiele wie das Gehalt, erklärte die Ministerin.

In der Charta heißt es unter anderem, statt der Alternative „Halbtagsjob oder starre Vollzeitstelle“ sollten flexible, innovative Arbeitszeitmodelle genutzt werden, die sich auch für Führungsposten eigneten. Unterzeichnet haben die Bundesvereinigung der Deutschen Arbeitgeberverbände, der Deutsche Industrie- und Handelskammertag, das Zentralverband des Deutschen Handwerks und der Deutsche Gewerkschaftsbund. hmt/dapd

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