Keine Briefe ab Montag : Was der Streik bei der Deutschen Post für die Kunden bedeutet

Das Geburtstags-Päckchen zu spät, das Kündigungsschreiben erst nach der Frist: Die Post lässt sich im Tarifstreit nicht auf den Verdi-Vorschlag ein. Das hat Folgen.

Theresa Münch
Ab Montag werden Post-Mitarbeiter wieder in den Streik treten - diesmal unbefristet.
Ab Montag werden Post-Mitarbeiter wieder in den Streik treten - diesmal unbefristet.Foto: dpa

Die Deutsche Post nimmt im Tarifstreit das Gegenangebot der Gewerkschaft Verdi nicht an. Nachdem das Ultimatum abgelaufen ist, macht die Gewerkschaft ihre Drohung doch wahr: Anfang kommender Woche sollen unbefristete Streiks beginnen.

Bleibt dann der Briefkasten leer?

Das kann vorkommen. Vor allem aber werden viele Briefe mit deutlicher Verspätung eintreffen. Weil weniger Zusteller zur Arbeit kommen, stauen sich die Briefe in den Verteilzentren. Wann sie ausgetragen werden, ist nicht berechenbar. Das kann problematisch sein, wenn man etwa eine Kündigung verschickt, die zu einem bestimmten Stichtag ankommen muss. Verloren gehen die Briefe durch den Streik aber nicht.

Was ist mit Paketen?

Auch die können verspätet kommen. Viele Versandhändler aber werden während der Post-Streiks auf andere Paketdienste wie Hermes, DPD oder UPS ausweichen. Im Berliner Raum hat die Post zuletzt auch DHL-Mitarbeiter aus Polen für die Paketzustellung eingesetzt.

Worüber streiten Verdi und die Post?

Angefangen hat alles damit, dass die Post zum Jahresbeginn 49 regionale Gesellschaften für die Paketzustellung gegründet hat. Hier arbeiten inzwischen rund 6000 der rund 140.000 Post-Beschäftigten. Sie werden nicht nach dem Haustarif, sondern nach den jeweils gültigen, oft niedrigeren regionalen Tarifen des Logistikgewerbes bezahlt werden. So will die Post im harten Wettbewerb Kosten sparen. Die Gewerkschaft will jedoch nicht akzeptieren, dass die Zusteller weniger Geld bekommen.

Was verdient ein Paketbote?

Die Deutsche Post zahlt nach eigenen Angaben im Schnitt 17,70 Euro pro Stunde. Damit seien die Löhne doppelt so hoch wie bei den Wettbewerbern, sagt Personalchefin Melanie Kreis. Die Einstiegslöhne bei den ausgegliederten Regionalgesellschaften liegen den Arbeitgebern zufolge im Schnitt bei knapp 13 Euro. Dazu kämen Zuschläge.

Was will die Gewerkschaft erreichen?

Verdi verlangt, dass die Ausgliederung rückgängig gemacht wird. Alle Paketzusteller sollen nach dem höheren Haustarifvertrag bezahlt werden. Dafür würde die Gewerkschaft für dieses Jahr auch auf eine lineare Entgelterhöhung verzichten und zustimmen, dass neu eingestellte Beschäftigte länger in einer Gehaltsstufe bleiben, bevor sie aufsteigen. Ganz ohne Lohnplus soll die Tarifrunde aber nicht ausgehen: Verdi fordert eine Einmalzahlung von 500 Euro und 2016 dann ein Lohnplus von 2,7 Prozent.

Was hält die Post davon?

Die war zunächst einmal skeptisch. Das strukturelle Problem, dass die Post deutlich mehr zahle als die Wettbewerber, werde so nicht gelöst, sagt Personalchefin Kreis. Die als „Angebot“ getarnte Forderung der Gewerkschaft falle zum Teil sogar hinter das zurück, was derzeit vereinbart sei. So will die Post zum Beispiel in Stuttgart andere Löhne zahlen als in Norddeutschland, weil die Lebenshaltungskosten unterschiedlich sind. Das ginge dann nicht mehr. Nach Rechnung der Post würde der Verdi-Vorschlag außerdem Mehrkosten von 250 Millionen Euro bedeuten. Endgültig will sich der Bonner Konzern Anfang kommender Woche zu dem Angebot äußern. (dpa)

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