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Keine Einigung zwischen Bombardier und der Bahn : S-Bahn-Streit geht vor Gericht

Monatelang haben die Deutsche Bahn und Bombardier verhandelt - es geht um hunderte Millionen Entschädigung für fehlerhafte Züge. Jetzt muss ein Richter entscheiden. Womöglich finden die Parteien aber doch noch einen Weg.

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S-Bahn-Ärger. Probleme gab es bei den Zügen aber auch bei der Wartung.
S-Bahn-Ärger. Probleme gab es bei den Zügen aber auch bei der Wartung.Foto: picture alliance / dpa

Seit mehr als einem Jahr hatten sie immer wieder verhandelt, viele teure Anwälte beschäftigt, immer wieder Forderungen und Angebote hin- und hergeschickt. Sie wollten sich friedlich einigen, statt öffentlich vor Gericht zu streiten. Doch am Ende kamen sie nicht zueinander, die Beträge lagen zu weit auseinander. Am Montagabend reichte es der Deutschen Bahn dann: Der Staatskonzern ließ die Gespräche mit dem weltgrößten Bahntechnik-Hersteller Bombardier platzen. Es ging um eine Entschädigung für Mängel an den Zügen der Berliner S-Bahn. 350 Millionen Euro verlangt die Bahn von den Kanadiern, denen sie Konstruktionsmängel an den Fahrzeugen der Baureihe 481/482 vorwirft.

„Alle Gespräche sind ergebnislos verlaufen, daher bricht die DB die Verhandlungen mit Bombardier ab“, sagte Bahn- Rechtsvorstand Gerd Becht dem Tagesspiegel. Ein Bombardier-Sprecher lehnte einen Kommentar ab.

Es ist das erste Mal, dass es die Bahn gegen einen ihrer wichtigsten Lieferanten zum Prozess kommen lässt. Dabei hatte alles auf eine Einigung gedeutet. „Wir sind in konstruktiven Gesprächen“, hatte Bombardier-Chef Lutz Bertling noch am Montag im Tagesspiegel-Interview gesagt. „Wir wollen hier einen Schlussstrich ziehen. Darum kümmere ich mich auch persönlich intensiv.“ Es mache keinen Sinn, solche Altlasten ständig mit sich herumzuschleppen.

Bertling führt Bombardiers Bahn- Sparte von Berlin aus, die Deutsche Bahn ist sein wichtigster Kunde. Schon kurz nach seinem Amtsantritt im Sommer 2013 hatte er erklärt, in dieser Sache eine Einigung anzustreben – außergerichtlich. Bertling und Bahn-Chef Rüdiger Grube kennen sich aus ihrer gemeinsamen Zeit beim Luftfahrtkonzern EADS, der heute Airbus heißt.

Die Probleme an den Zügen hatten vor rund fünf Jahren die monatelange Berliner S-Bahn-Krise mit ausgelöst. Räder und Radsatzwellen erwiesen sich als unterdimensioniert, Bremsen und Motoren mussten überarbeitet und teilweise ausgetauscht werden. Hinzu kamen Wartungsmängel an den Fahrzeugen durch die Bahn. Nach Jahren mit immensen Verlusten war die S-Bahn erst 2013 wieder in die schwarzen Zahlen gefahren.

Dem Vernehmen nach hatte Bombardier nur einen niedrigen zweistelligen Millionenbetrag als Entschädigung geboten. Die Vorstellungen der Bahn liegen weit darüber. Hinzu kommen noch Streitigkeiten um 160 Millionen Euro wegen anderer Baureihen, die an den Landgerichten München und Berlin anhängig sind. In Kreisen, die mit den Verhandlungen vertraut sind, heißt es, vor allem die Bombardier-Firmenzentrale in Montréal sperre sich gegen eine teure Einigung. Bombardier hatte offenbar auf eine Paketlösung gesetzt, um für die Gesamtforderung der Bahn von rund 500 Millionen Euro eine Lösung zu finden. Nun treffen sich die Kontrahenten bereits am Mittwoch vor dem Landgericht Berlin.

Der Zughersteller signalisierte derweil Einigungsbereitschaft. „Wir bleiben gesprächsbereit. Wir wollen weiter verhandeln und an einer Lösung arbeiten“, sagte Bombardier-Deutschlandchef Michael Clausecker am Dienstag dem Tagesspiegel. „Wir verlassen den Verhandlungstisch nicht. Gegenüber unseren Mitarbeitern und unserem Unternehmen haben wir eine Verantwortung, deshalb wollen wir den Konflikt lösen“, befand Clausecker weiter.

Trotz des Konflikts arbeiten die Bahn und Bombardier weiter eng zusammen – Bombardier liefert die Wagenkästen für den neuen Schnellzug ICX, Regionalzüge, Lokomotiven und Doppelstockwagen. Der Grund: Die Zahl der Anbieter auf dem Markt für Schienenfahrzeuge ist sehr überschaubar.



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