Wirtschaft : Keine Hoffnung auf einen raschen Aufschwung Pessimismus bei deutschen Firmen

Lage in Europa kaum besser

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Berlin/Düsseldorf (vis/HB). Die Stimmung in der deutschen Wirtschaft ist mies und die Erwartungen für das laufende Jahr haben sich weiter verschlechtert. 40 Prozent der ost und 37 Prozent der westdeutschen Firmen berichten aktuell von rückläufigen Geschäftsaktivitäten. Das ermittelte das Institut der deutschen Wirtschaft (IW) in seiner Frühjahrsumfrage. Erstmals übersteige zudem die Zahl der ostdeutschen Betriebe, die 2003 einen Produktionsrückgang erwarten, die Zahl derer, die auf Expansion setzen. Auch die westdeutschen Firmen schätzen die Produktionsentwicklung für 2003 deutlich schlechter ein als im Herbst.

Das arbeitgebernahe IW befragte im April 1233 Unternehmen im Osten und Westen Deutschlands zu ihrer momentanen Situation und ihren Erwartungen für 2003. Als Folge der negativen Aussichten gehen etwa 45 Prozent der Betriebe in diesem Jahr davon aus, Beschäftigung abzubauen. Nur 12,2 Prozent der befragten Unternehmen planen, neue Mitarbeiter einzustellen. Trotz der weltweiten Konjunkturflaute und des starken Euro kommen positive Signale nur aus dem Exportbereich. Immerhin erwarten 33 Prozent der Betriebe, ihre Ausfuhren in diesem Jahr steigern zu können, wogegen die Inlandsnachfrage wegen reduzierter Investitionsbudgets weiter schwach bleiben wird. Jeglicher Wachstumsimpuls komme vom Auslandsgeschäft, sagte IW-Geschäftsführer Rolf Kroker. Das IW geht in diesem Jahr von einem Wachstum des deutschen Bruttoinlandsprodukts von 0,5 Prozent aus. Und dies sei schon eine „optimistische Prognose“.

Euro-Konjunktur stagniert

Auch über Deutschland hinaus haben sich die Aussichten kaum verbessert. Der Handelsblatt-Eurokonjunktur-Indikator hat sich im Mai nur leicht von 1,2 Prozent auf 1,3 Prozent erholt. Er setzte damit seine seit Monaten anhaltende Seitwärtsbewegung fort. Der Wirtschaftswissenschaftler Ulrich van Suntum aus Münster, der die Handelsblatt-Frühindikatoren entwickelt hat, meint deshalb, „die Hoffnung auf einen raschen Aufschwung in der Euro-Zone nach dem Ende des Irak-Krieges muss wohl vorerst begraben werden“. Seit acht Monaten ist die Konjunktur dem Handelsblatt-Indikator zufolge praktisch nicht von der Stelle gekommen. Immerhin hat sich erstmals seit einem halben Jahr das Konsumentenvertrauen in der Euro-Zone leicht verbessert. „Das sollte man angesichts des grottenschlechten Niveaus im März zwar nicht überbewerten“, mahnt van Suntum. Aber der Tiefpunkt des Verbrauchervertrauens sollte nun überwunden sein.

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