Wirtschaft : Keine Impulse von den Häuslebauern Kaum ein Sektor der Bauwirtschaft verspricht baldiges Wachstum

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Der öffentliche Bau wird in den kommenden Jahren stark unter der Finanzkrise der Gemeinden leiden. „Die Kassen der Kommunen sind leer“, sagt Adrian Ottnad, Bauexperte am Institut für Wirtschaft und Gesellschaft (IWG Bonn). Der Bund dagegen plant, in den kommenden Jahren mehr Geld für den Ausbau von Straßen, Schienen und Wasserwegen auszugeben. Verkehrsminister Kurt Bodewig (SPD) stehen zusätzliche 1,5 Milliarden Euro bis 2003 zur Verfügung, die aus den Zinsersparnissen der Versteigerung der UMTS-Mobilfunklinzenzen stammen.

Insgesamt verteilen Bund und Länder jedoch nur rund ein Drittel der öffentlichen Bauaufträge, zwei Drittel kommen von den Kommunen. Der Bund wird daher die fehlenden Investitionen der Gemeinden nicht ausgleichen können. Wenn der Staat weniger für den Bau ausgebe, könnten private Investoren einspringen, sagt Ottnad. Als Beispiele nennt er den Bau und Betrieb von Flughäfen oder die Sanierung von Schulen. „Solche privat betriebenen Projekte sind bisher aber noch die Ausnahme“, dämpft Bauexperte Christoph Schröder vom IW Köln diese Hoffnungen.

Für den Ausbau der öffentlichen Infrastruktur sieht das IWG Bonn bis 2010 einen jährlichen Investitionsbedarf von etwa 62 Milliarden Euro, der damit kaum niedriger als in den neunziger Jahren ist. In Ostdeutschland sei der Rückstand noch nicht überall aufgeholt, sagt Ottnad. Aber auch in Westdeutschland gebe es einen deutlichen Modernisierungs- und Erweiterungsbedarf.

Die Hoffnungen der Branche ruhen derzeit auf dem Wirtschaftsbau, nach dem Wohnungsbau die zweitgrößte Sparte. Damit die Bauunternehmen mehr Aufträge erhalten, muss aber zunächst die Konjunktur deutlich anziehen. Wirtschaftsforscher gehen davon aus, dass eine deutliche Belebung der Bauwirtschaft erst bei einem gesamtwirtschaftlichen Wachstum von über zwei Prozent spürbar ist.

In der zweiten Hälfte der 90er Jahre brach der Wirtschaftsbau nach dem Wiedervereinigungsboom am stärksten ein. In den neuen Bundesländern ist auch jetzt noch keine Trendwende in Sicht. „Durch den Einheitsboom haben wir starke Überkapazitäten aufgebaut“, sagt Bauexperte Ottnad. So wurde der Bedarf an Büroraum völlig überschätzt. „Wir hatten schnell hohe Wachstumsraten, jetzt schlägt das um“, sagt Ottnad. Hohe Leerstände drücken jetzt auf die Preise, Neubauten werden höchstens noch in attraktiven Innenstadtlagen geplant. Für den Westen sieht das IWG positive Impulse aus dem Strukturwandel von der Industrie- zur Dienstleistungs- und Informationsgesellschaft. Die Investitionen fließen nach Ansicht der Forscher damit nicht mehr in den Bau neuer Fabrikgebäude, aber dafür in neue Bürogebäude und Logistikunternehmen, sowie Freizeiteinrichtungen wie Stadien, Fitness- und Musicalcenter.

Mit der Krise im Wohnungsbau brach auch die letzte Stütze der Bauwirtschaft weg. Während des Baubooms zu Beginn der neunziger Jahre wurde, mit kräftiger Förderung des Staates, häufig am Bedarf vorbei gebaut. Das Ergebnis: Heute stehen bundesweit rund drei Millionen Wohnungen leer. Inzwischen werden sogar Prämien für den Abriss „nicht mehr marktfähiger“ Mietshäuser gezahlt. Der Staat reagierte mit einer Einschränkung des sozialen Wohnungsbaus und der Kürzung der Eigenheimzulage, mit der private Häuslebauer gefördert werden. Eine stärkere Belebung der Nachfrage nach Geschosswohnungen ist in den kommenden Jahren nicht zu erwarten, da der Trend zu kleineren Haushalten schwächer wird und der Trend zum Einfamilienhaus außerhalb der Innenstädte trotz geringerer Förderung weiter anhält. ce/msh

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