Wirtschaft : KGB

KGB

Stephan Lebert

Der KGB trat in Form eines Witzes in mein Leben: Ein Franzose, ein Deutscher und ein Russe unterhalten sich über das Glück. Der Deutsche erzählt irgendwas von Familie, der Franzose von Frauen. Dann kommt der Russe und entwirft seinen Glücksabend. Er sitzt zu Hause und hört schwere Schritte draußen im Treppenhaus. Dann stehen drei Männer in dicken Mänteln vor der Tür. Einer sagt: „Genosse Iwanow, Sie müssen mitkommen“. Darauf antwortet er: „Iwanow? Der wohnt ein Stück höher.“

Das zweite Mal, in den 70er Jahren, saß der KGB bei uns am Essenstisch. Das kam so: Mein Bekannter lebte als Journalist in Moskau. Er freundete sich ziemlich schnell an mit einem russischen Journalisten. Viktor hieß er. Er sprach gut Deutsch und er konnte ohne Probleme sogar mit ins Ausland reisen. Eines Tages erfuhr mein Bekannter die Wahrheit: Viktor war ein KGB-Oberst, Spezialgebiet Journalisten. Man riet ihm, weiterhin so zu tun, als wisse er nichts. Also saß der KGB bei uns beim Essen. Ein reizender Mann. Meiner Mutter brachte er Ý Kaviar mit, auch ein paar Flaschen Ý Wodka . Es wurde viel getrunken, als einer Viktor anlallte: „Komm, erzähl jetzt mal, wie’s bei euch so zugeht in Russland!“ Und von einem Moment auf den anderen verwandelte sich dieser Viktor von einem Volltrunkenen in einen vollständig Nüchternen, der nur noch Floskeln von sich gab. Also, man kann sicher ganz viel gegen den KGB sagen. Gegen die Ausbildung dort nicht.

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