Wirtschaft : Kia steht unmittelbar vor dem Konkurs

Banken lehnen Vergleich ab / Übernimmt Samsung?

TOKIO (ga/HB).Die Gläubigerbanken des koreanischen Autoherstellers Kia Motors haben erwartungsgemäß die Entscheidung des Unternehmens gegen die Eröffnung eines Konkursverfahrens und das Beharren auf einem gerichtlichen Vermittlungsverfahrens abgelehnt.Sie werden dem Unternehmen daher keine weiteren Kredite gewähren.Koreanische Beobachter rechnen jetzt damit, daß die Kia-Gruppe aufgrund ihrer Liquiditätslage kaum länger als einen Monat überleben kann.Offensichtlich setzt der Chairman der Gruppe, Sun-Hong Kim, mit seiner Verzögerungstaktik aber bei den Präsidentschaftswahlen am 18.Dezember auf einen Sieg des führenden Oppositionskandidaten Kim Dae-Jung.Das Werk des Gruppenunternehmens Asia Motors befindet sich in der Heimatregion des Oppositionspolitikers.Im jetzt angelaufenen Wahlkampf hatte Kim das Beharren der Kia-Gruppe auf einem gerichtlichen Vergleich unterstützt.Sollte er die Wahlen gewinnen, erhofft sich die Gruppe von der neuen Regierung eine massive finanzielle Unterstützung bei der Konsolidierung des Unternehmens. Maßgeblich für die Schieflage der Kia-Gruppe waren drei Faktoren: die mißlungene Expansion in periphere Geschäftsfelder, wie die Stahlherstellung und die Bauindustrie, die kurzfristige Kündigung von Krediten, nachdem es seit Beginn dieses Jahres zu einer Serie von Insolvenzen gekommen war, sowie die Sättigung des Inlandsmarktes, die zu Preiskonzessionen zwang.An letzterem wird sich wenig ändern, zumal nun auch die Samsung-Gruppe in das Autogeschäft drängt.Dem von Kia vorgelegten Sanierungskonzept, das den Verkauf von Immobilien und insgesamt 23 Tochterbetrieben, Stellenabbau sowie die Halbierung der Gehälter der verbleibenden Mitarbeiter vorsieht, räumen Analysten wenig Chancen ein. Gegenwärtig gelten daher zwei Szenarien für denkbar: Kia wird von der Samsung-Gruppe übernommen.Samsung kann damit schneller als geplant eine kostengünstige Größenordnung erreichen und verbessert zugleich die Verhandlungsposition gegenüber dem japanischen Partner Nissan, von dem weitgehend die Technologie für das eigene Engagement in der Autoproduktion bezogen wird.Anderseits könnte der Nutzfahrzeughersteller Asia Motors aus der Kia-Konkursmasse ausgesondert und der Daewoo-Gruppe zum Kauf angeboten werden.Angesichts der zunehmenden Politisierung der Kia-Krise ist allerdings auch denkbar, daß eine endgültige Regelung bis nach den Präsidentschaftwahlen aufgeschoben wird.

Mehr lesen? Jetzt gratis E-Paper testen!

0 Kommentare

Neuester Kommentar
      Kommentar schreiben