Wirtschaft : Kirch-Rettung wird zur Zitterpartie

tmh/mot/

Die Entscheidung über eine Insolvenz der hoch verschuldeten Münchner Kirch-Gruppe ist am Freitag in letzter Minute noch einmal vertagt worden. Weitere Gespräche zwischen Gläubigern und Investoren sollen offenbar an diesem Wochenende stattfinden. Die Banken ringen mit Kirch-Gesellschaftern wie Rupert Murdoch oder Italiens Staatschef Silvio Berlusconi seit Wochen um ein Sanierungskonzept für die mit mindestens 6,5 Milliarden Euro verschuldete Mediengruppe. Die Wahrscheinlichkeit, dass Kirchs Kerngesellschaft Kirch-Media zahlungsunfähig sei, liege inzwischen bei 80 Prozent, sagte ein Banker. Kollegen bezifferten das Risiko auf 90 bis 95 Prozent.

Aus Sicht der Berlusconi-Gruppe Mediaset scheitert eine Rettung des Kirch-Konzerns an den Gläubigerbanken. "Eine Lösung hängt vor allem von den Banken ab", sagte Mediaset-Präsident Fedele Confalonieri am Freitag in Rom. Angesichts der erfolglosen Verhandlungen erscheine eine Insolvenz nun aber "zunehmend wahrscheinlich". "Wir haben Geld in diese Geschichte gesteckt und wir hoffen, das zurückzubekommen", sagte Confalonieri, ein langjähriger Freund des italienischen Ministerpräsidenten Silvio Berlusconi. Er gehe davon aus, "dass die Banken und die deutsche Regierung dafür sorgen werden". Mediaset ist mit knapp 2,3 Prozent an Kirch-Media beteiligt und wird selbst von Berlusconis Holding Fininvest kontrolliert.

Nach einem Bericht der britischen "Financial Times" arbeiten vier Gläubigerbanken unter Hochdruck an einer Auffanggesellschaft für Kirch. Diese solle nach einer Insolvenz die Kontrolle des Konzerns übernehmen. Das Konzept soll der "FT" zufolge am kommenden Montag vorgestellt werden. Unterdessen wies die Bundesregierung Spekulationen zurück, sie werde sich für die Rettung des Kirch-Konzerns einsetzen. Nach Angaben von Regierungssprecher Uwe-Karsten Heye hat Bundeskanzler Gerhard Schröder (SPD) keine entsprechenden Gespräche mit Leo Kirch geführt. Frank Werneke, Vorstandsmitglied der Dienstleistungsgewerkschaft Verdi, beklagte eine "gespenstische Diskussion" über die Folgen eines Kirch-Zusammenbruchs. "Eine Sanierung sollte vor allem die Arbeitsplätze der Kirch-Mitarbeiter im Auge behalten", sagte er dem Tagesspiegel. Vor allem beim Bezahlsender Premiere stünden mindestens 1000 Stellen zur Disposition. Kirch beschäftigt insgesamt rund 10 000 Mitarbeiter.

Kommt es am Wochenende wieder zu keiner Einigung über einen Überbrückungskredit für Kirch, dem gut 200 Millionen Euro zur Begleichung laufender Rechnungen fehlen, müsse Anfang nächster Woche beim Amtsgericht München ein Insolvenzantrag gestellt werden. Zu einem solchen Schritt ist ein Unternehmen spätestens drei Wochen nach eingetretener Zahlungsunfähigkeit gesetzlich verpflichtet. Ob Kirch schon bankrott ist und ab wann diese Frist läuft, ist unbekannt. Angeblich ist der Insolvenzantrag bereits geschrieben. Als Rechtsbeistand steht Kirch dabei dem Vernehmen nach die Anwaltskanzlei von CSU-Politiker Peter Gauweiler zur Seite.

Kirch-Media benötigt zur Fortsetzung seiner Geschäfte kurzfristig bis zu 200 Millionen Euro. Die Banken fordern eine Beteiligung der Investorengruppe im Umfang von rund 75 Millionen Euro, auch als Zeichen ihrer Bereitschaft zur finanziellen Beteiligung an einer Kirch-Sanierung. Teile der Investoren, zu denen neben Murdoch und Berlusconi auch die Handelsgruppe Rewe, der saudische Prinz El Walid, die US-Bank Lehman Brothers und die US-Investorengruppe Capital Research zählen, seien dazu bereit, heißt es aus Verhandlungskreisen.

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