Wirtschaft : Kommentar: Wenn Angst die Verbraucher packt

Alfons Frese

Die Zuversicht der US-Amerikaner in die eigene wirtschaftliche Stärke hat einen schweren Schlag bekommen. Und zwar am 2. Januar dieses Jahres. Damals begann die US-Notenbank völlig überraschend eine einzigartige Folge von Zinssenkungen, um die abstürzende Konjunktur in der wichtigsten Volkswirtschaft der Welt zu retten. Notenbankpräsident Alan Greenspans Politik des billigen Geldes sowie die Steuergeschenke des neuen Präsidenten sollten die Wirtschaft vitalisieren. Bevor nun beurteilt werden kann, ob das Eingreifen von Geld- und Finanzpolitik zum Erfolg führt, hat der Terror gewissermaßen die Geschäftsbedingungen verändert. Das Finanzzentrum in Manhattan ist teilweise zerstört, der Flugverkehr in den USA stark eingeschränkt, die Börse zwei Tage geschlossen. Zwar betont George W. Bush, das Land sei auch im Schockzustand für "Geschäfte weiter geöffnet". Doch Business as usual ist in diesen Tagen unmöglich. Und was kommt dann?

Darauf wird es an der Wall Street eine erste Antwort geben, wenn die so genannte Weltleitbörse wieder handelt. Stürzen die Kurse ab, dann wird die Verschärfung der Krise auf den Finanzmärkten die rezessiven Tendenzen in aller Welt voraussichtlich weiter beschleunigen. Doch am Mittwoch, dem ersten Tag nach der Katastrophe, zeigten zumindest die europäischen Devisen- und Aktienmärkte, dass die schlimmste Panik - inklusive schwerer Kursverluste - überstanden scheint. Und auch der Preissprung beim Öl war offenbar nur ein kurzzeitiger Ausschlag, der Barrel-Preis normalisiert sich bereits wieder.

Normalisierung - das wünschen sich die Wirtschafts- und Finanzpolitiker in aller Welt und warnen vor Panik. Zum Beispiel Europas Notenbankpräsident Wim Duisenberg, der aber gleichzeitig darüber spekuliert, der "Schock für das Finanzsystem könnte langfristige Konsequenzen haben". Damit das nicht so kommt, sind Geldpolitiker wie Duisenberg, Greenspan und die Finanzpolitiker vor allem in der Triade USA, Japan und Europa gefordert. Abgestimmte Zinssenkungen sind wohl erforderlich, damit nach Japan nicht auch noch die anderen beiden großen Wirtschaftsräume in die Rezession rutschen. Allerdings hat die US-Notenbank nach sieben Zinsschritten in acht Monaten nicht mehr viel Spielraum. Bei den Europäern ist das anders; bislang hat sich Duisenberg in diesem Jahr zurückgehalten. Die aktuellen Inflationsraten aus Frankreich (unter zwei Prozent) sollten der EZB Mut machen. Und die USA? Das Bruttoinlandsprodukt der Staaten hängt zu rund zwei Dritteln vom privaten Konsum ab. Kaufen die Leute Wohnungen und Autos, Kühlschränke und PCs? Bis zum Attentat war der relativ stabile private Konsum der einzige Lichtblick in der US-Wirtschaft. Das könnte sich jetzt ändern, wenn die überaus selbstbewussten und allzeit optimistischen Amerikaner an sich und der Zukunft zweifeln und die Portemonnaies geschlossen halten - zum Nachteil der gesamten Weltwirtschaft.

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