Konjunktur : Bundesbank korrigiert Wachstumsprognose nach oben

Die Konjunktur in Deutschland kommt langsam auf Touren - Bundesbank rechnet mit stärkerem Wachstum für 2016 und 2017.

Rolf Obertreis
2016 soll die Teuerungsrate auf 1,1 Prozent und 2017 dann auf 2,0 Prozent steigen.
2016 soll die Teuerungsrate auf 1,1 Prozent und 2017 dann auf 2,0 Prozent steigen.Foto: dpa

Nach Ansicht der Bundesbank wird die Konjunktur in Deutschland im nächsten und übernächsten Jahr besser laufen als von ihr bislang erwartet. Während sie laut ihrer am Freitag präsentierten halbjährlichen Prognose für das 2015 mit einem Wachstum von unverändert 1,7 Prozent rechnet, soll es im nächsten Jahr mit 1,8 und 2017 mit 1,7 Prozent nach oben gehen. „Treibende Faktoren sind die günstige Arbeitsmarktlage und die kräftigen Zuwächse der realen verfügbaren Einkommen der privaten Haushalte“, sagt Bundesbank-Präsident Jens Weidmann. Bei ihrer letzten Prognose im Juni hatte die Notenbank mit einem leicht schwächeren Wachstum für die kommenden Jahre gerechnet, für 2017 etwa mit nur 1,5 Prozent.

Bundesbank: Inflation 2017 bei 2 Prozent

Bei den Preisen erwartet die Bundesbank in diesem Jahr ein Plus von 0,2 Prozent. 2016 soll die Teuerungsrate auf 1,1 Prozent und 2017 dann auf 2,0 Prozent steigen. Grund für die schwache Preisentwicklung im laufenden Jahr sei der noch einmal gesunkene Ölpreis. Im nächsten und im übernächsten Jahr allerdings fällt der Ölpreis-Effekt auf die Teuerungsrate weitgehend weg, es sei denn Öl wird noch einmal billiger als 2015. Risiken sieht die Bundesbank in einer weiteren Abschwächung in den Schwellenländern. „Hohe Unsicherheit herrscht zudem über die Höhe der zu erwartenden Flüchtlingszuwanderung und ihre gesamtwirtschaftlichen und fiskalischen Auswirkungen“, sagt Bundesbank-Präsident Weidmann.

Bundesbank-Chef Weidmann kritisiert EZB-Entscheidung

Er hatte schon am Donnerstagabend betont, dass er bei der Sitzung des Rates der Europäischen Zentralbank (EZB) am Vormittag gegen die beschlossene weitere Öffnung der Geldschleusen gestimmt habe. „Angesichts der dominanten Rolle des Energiepreisrückgangs für die Preisentwicklung im Euro-Raum und der bereits ergriffenen umfangreichen geldpolitischen Maßnahmen, die auch mit Risiken und Nebenwirkungen verbunden sein können, habe ich eine weitere Lockerung nicht für notwendig gehalten“, sagte er in Rede in Erinnerung an den vor einem Jahr verstorbenen ehemaligen Bundesbankpräsidenten Karl Otto Pöhl. Die wirtschaftliche Entwicklung im Euro-Raum sei nicht besorgniserregend. Der deutliche Rückgang der Energiepreise stütze die Konjunkturerholung. Weidmann räumt aber ein, dass die Preisentwicklung im nächsten und zum Teil auch 2017 unter dem Ziel der EZB von zwei Prozent liegen werde. Das dürfe man nicht leichtfertig zur Seite wischen. Er hatte aber in den letzten Wochen immer wieder darauf hingewiesen, dass man die Wirkung der bisherigen Krisenmaßnahmen und damit vor allem das Anleihekaufprogramm erst einmal abwarten solle bevor der EZB-Rat weitere Schritte beschließen solle.

3 Kommentare

Neuester Kommentar