Wirtschaft : Konjunktur: Interview: "Kein deutscher Aufschwung ohne Erholung in USA"

Herr Pohl[wie weit wird es mit der deutschen Wirt]

Rüdiger Pohl ist Präsident des Instituts für Wirtschaftsforschung Halle (IWH). Von 1986 bis 1994 war er Mitglied im Sachverständigenrat.

Herr Pohl, wie weit wird es mit der deutschen Wirtschaft noch abwärts gehen?

Es geht nicht abwärts - wir haben Stagnation, das ist ein wichtiger Unterschied. Nach einer Rezession sieht es im Moment nicht aus, die Indizien weisen im Gegenteil eher nach oben. Im Winter wird die Produktion und damit das Wachstum anziehen.

Worauf stützen Sie ihren Optimismus? Bislang spricht nicht viel für eine Belebung.

Der leicht verbesserte Ifo-Geschäftsklima-Index war ein erstes, verhaltenes Zeichen, außerdem steigen die Bestellungen im krisengeschüttelten Bausektor. Entscheidend ist freilich, wie es in den USA weitergeht - dort muss sich unbedingt etwas tun.

Amerika bewegt sich am Rande einer Rezession. Wie soll von dort Hilfe kommen?

Die US-Unternehmen investieren momentan nicht. Das kann kein Dauerzustand sein, irgendwann werden sie feststellen, dass die Lager leer sind. Dann geht es aufwärts.

Aus eigener Kraft können die Europäer keinen Aufschwung schaffen?

Amerika ist ein sehr wichtiger Markt, nicht nur für Europa - wenn die asiatischen Staaten ihre Waren nicht absetzen können, geht es auch ihnen schlecht. Dann aber kaufen die Asiaten keine europäischen Waren.

Wer kann die Konjunktur beleben? Die Europäische Zentralbank?

Von einer Leitzinssenkung um einen viertel oder einen halben Prozentpunkt sollte man nicht allzu viel erwarten. Das bringt allenfalls einen Placebo-Effekt - die Macht der EZB ist begrenzt, sie kann allenfalls für bessere Stimmung sorgen.

Das versucht auch die Bundesregierung mit Steuerentlastungen für die Unternehmen und einer Lockerung der Arbeitsmarkt-Regulierung. Ist das ein Weg aus der Krise?

Konjunktur-Impulse wird das nicht bringen - die Lage würde sich auch ohne diese Maßnahmen zum Jahresende hin bessern. Wichtiger ist, mittelfristig ein Wachstum von mehr als drei Prozent zu bekommen - die Voraussetzungen dafür sind aber wegen der Strukturprobleme in Deutschland mies.

Die Konjunkturforscher haben eigentlich schon für den Herbst einen Aufschwung vorhergesagt. Hat der Ruf Ihrer Zunft gelitten, nachdem Sie so häufig ihre Prognosen korrigieren mussten?

Der Eindruck in der Öffentlichkeit ist sicher miserabel. Aber wir können alte Prognosen nicht unverändert lassen, wenn sich die Rahmenbedingungen verschlechtern. In unserem Fall: die USA. Dort haben sich Investitionskürzungen und Gewinneinbrüche gegenseitig derart verstärkt, dass auch die massiven Zinssenkungen der US-Zentralbank erst einmal verpufft sind.

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