Wirtschaft : Konjunktur legt Pause ein

Langfristiger Trend bleibt weiter positiv / Auch der Osten Deutschlands holt auf

aho.Seit Anfang des Jahres veröffentlicht der Tagesspiegel einmal monatlich eine Konjunkturkolumne.Abgestimmt mit dem Handelsblatt, das Prognoseinstrumente für West- und Ostdeutschland entwickelt hat, werfen wir einen Blick auf die gesamtdeutsche Wirtschaftslage.Die Konjunktur legt vermutlich eine kleine Pause ein.Erstmals seit elf Monaten hat der Handelsblatt-Frühindikator für die westdeutsche Konjunktur im September leicht nachgegeben.Mit 2,9 Prozent blieb er zwar um 0,2 Prozentpunkte unter dem Vormonatswert, lag aber mehr als doppelt so hoch wie vor Jahresfrist.Der Frühindikator zeigt frühzeitig konjunkturelle Wendepunkte an, indem er auf fünf verschiedenen Einzelindikatoren basiert und sie gewichtet.Er eilt der gesamtwirtschaftlichen Produktion um drei Monate voraus und signalisiert so saisonbereinigte Trends des realen Bruttoinlandsprodukts.Mit der leichten Absenkung scheint sich der Wachstumstrend auf etwa drei Prozent einzupendeln, was der Sachverständigenrat auch für 1998 erwartet.Nach den jüngsten Daten scheint sich der Aufschwung zu festigen.Im Oktober blieb das Ifo-Geschäftsklima im westdeutschen Verarbeitenden Gewerbe mit 18,5 Punkten fast auf dem Vormonats-Niveau.Ihre aktuelle Lage schätzen die Firmen etwas besser ein, dämpfen aber ihre Zukunftshoffnungen; nur beim Export sind sie sehr optimistisch.Die Auftragslage im September bestätigt dies.Die Auslandsnachfrage stagnierte im September und Oktober saisonbereinigt auf dem hohen Niveau des Vormonats, um gut 16 Prozent überstieg sie im dritten Quartal ihr Vorjahresniveau.Die inländischen Order sind dagegen leicht gesunken.Insgesamt gingen im dritten Quartal 5 Prozent mehr Aufträge als vor einem Jahr ein.Weiter schwach ist die inländische Investitionsgüternachfrage.Kleine Lichtblicke bietet die Auftragslage im Baugewerbe.Entgegen dem Branchentrend kletterte die Nachfrage nach Nicht-Wohnungsbauten im August leicht, im September scheint sich dies fortzuentwickeln.Dagegen zieht sich der Wohnungsbau weiter zurück, und der Tiefbau stagniert.Ingesamt ging die Baunachfrage im August weiter um 1,2 Prozent gegenüber dem Vormonat zurück.Für 1988 wollen die westdeutschen Baufirmen laut Ifo-Institut ihre Investitionen nur wenig ausweiten; Rationalisierungsinvestitionen stehen an, die Produktion soll kaum erweitert werden.Dies gilt für alle Investitionspläne in Deutschland, laut der jüngsten Herbstumfrage des Deutschen Industrie- und Handelstages.Unbefriedigend bleibt die Lage im Einzelhandel.Im September sanken die gesamtdeutschen Umsätze erneut um 1,2 Prozent, entsprechend schlecht beurteilen die Händler ihre Lage.Sowohl die Baunachfrage als auch der Private Verbrauch sind nach den Ergebnissen der Volkswirtschaftlichen Gesamtrechnung im dritten Quartal gegenüber dem Vorquartal nochmals gesunken.Gleichwohl bleibt die westdeutsche Konjunktur auf Erholungskurs ­ dank der hohen Exportnachfrage.Die Fabriken sind weiter gut ausgelastet, die Zinsen niedrig, obgleich sich der Trend wendet.Im Oktober kletterte die Umlaufrendite um 0,2 Punkte auf 5,3 Prozent.Auch der Dreimonatszins Fibor - der Durchschnittszins der Banken, zu dem sie bereit sind den Unternehmen Geld zu leihen ­ stieg um 0,21 Punkte auf 3,41 Prozent weiter an.Im Osten dampft der Konjunkturzug weiter voran.Das Handelsblatt-Konjunkturbarometer für die ostdeutsche Wirtschaft ist im November um 0,5 Punkte auf 7,7 Prozent gestiegen, vor Jahresfrist hatte es noch bei nur 4,2 Prozent gelegen.Das Barometer funktioniert ähnlich wie der Frühindikator, nur sind die einzelnen Indikatoren verschieden und anders gewichtet.Die allgemeine Konjunkturerholung scheint damit die neuen Länder erfaßt zu haben, besonders das Verarbeitende Gewerbe expandiert kräftig.So kletterten im September dort die Auftragseingänge um 24 Prozent gegenüber dem Vorjahresmonat.Dahinter verbergen sich zwar einige inländische Großaufträge im Schiffbau und im Maschinenbau, aber die anderen Sparten haben ebenfalls kräftig zugelegt. Laut dem Ifo-Institut schätzten die ostdeutschen Industrieunternehmen im Oktober ihre aktuelle Lage besser als im Vormonat ein und auch die Zukunft.Sie erwarten vermutlich, daß die Inlandskonjunktur anzieht, da sie die Exportaussichten nicht besser als im Vormonat beurteilt haben.Ähnlich denkt der Sachverständigenrat in seinem jüngsten Jahresgutachten.Dagegen malt der ostdeutsche Einzelhandel seine Lage nach wie vor in dunklen Farben.Im Oktober verschlechterte sich das entsprechende Ifo-Geschäftsklima wieder leicht.Unzufrieden sind die Händler mit ihrer aktuellen und künftigen Lage, wobei sie eine höhere Mehrwertsteuer befürchten.Im ostdeutschen Baugewerbe setzte sich der Abwärtstrend im September weiter fort.Nach den saisonbereinigten Zahlen der Bundesbank bröckelte die Nachfrage gegenüber August um 1,2 Punkte ab ­ ein Fünftel weniger als vor einem Jahr.Eine Wende ist nicht in Sicht.

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