Konjunktur : Ökonom Burda warnt vor Rezession in Deutschland

Experten halten auch in Deutschland eine Rezession im Zuge der Finanzkrise für möglich. Offen sei jedoch wie schwer sie ausfallen würde.

"Eine Rezession wird jetzt auch in Deutschland kommen", sagte Michael Burda, Wirtschaftsprofessor an der Berliner Humboldt- Universität, dem "Tagesspiegel" (Mittwochausgabe). "Die Frage wird nur sein, ob sie leicht oder schwer ausfallen wird." Bislang habe sich noch so gut wie jede Rezession durch ein kräftiges Abrutschen der Aktienkurse angekündigt. Vermutlich werde im nächsten oder im übernächsten Quartal die Wirtschaftsleistung schrumpfen, sagte Burda weiter. "So robust, dass die Bundesrepublik dieser Krise widerstehen könnte, ist die deutsche Wirtschaft nicht."

Dagegen sieht Wolfgang Franz, Mitglied im Rat der Wirtschaftsweisen und Präsident des Zentrums für Europäische Wirtschaftsforschung (ZEW), die Entwicklung gelassen. "Beim gegenwärtigen Stand ist die Rezessionsgefahr gering", sagte er dem "Tagesspiegel". "Ich sehe keine Veranlassung, nennenswert von der Prognose von 1,9 Prozent Wachstum in Deutschland für dieses Jahr abzuweichen", sagte er mit Blick auf die Vorhersage des Wirtschafts-Sachverständigenrats. Eine Abschwächung in den USA sei in der Prognose bereits eingestellt. Zwar werde der Export in die USA zurückgehen, und im Einzelfall könne es zu einer eingeschränkten Kreditvergabe durch die Banken kommen. "Die Unternehmen haben aber lange gute Gewinne gemacht und können nun dank des höheren Eigenkapitals aus eigener Kraft ohne die Hilfe von Banken investieren."

Professionelle Anleger sehen nach dem Kurssturz an den Börsen schon wieder Einstiegschancen. "Die derzeitige Panik ist ein gutes Zeichen", sagte Vermögensverwalter Frank Lingohr dem "Tagesspiegel". "Das gibt uns die Gelegenheit, gute Unternehmen zu günstigen Kursen zu kaufen." Lingohr vermutet, dass die Turbulenzen an den Aktienmärkten schon bald vorbei sein werden. "Bis Mitte Februar werden wir den Tiefpunkt gesehen haben." Bis dahin sei Abwarten angesagt. "Man sollte jetzt auf keinen Fall verkaufen", rät Lingohr.

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