Wirtschaft : Konjunktur: Prognose der Regierung kaum noch zu halten

Die deutsche Wirtschaft verliert an Dynamik. Das Bruttoinlandsprodukt (BIP) legte im ersten Quartal 2001 zum gleichen Vorjahreszeitraum real nur noch um 1,6 Prozent zu. Dies war der schwächste Anstieg seit dem dritten Quartal 1999 mit 1,6 Prozent, teilte das Statistische Bundesamt mit. Ursache waren geringere Exportzuwächse, die Krise in der Bauwirtschaft sowie der noch immer schwache Konsum im Inland. Das Bundesamt wies allerdings darauf hin, dass es im ersten Quartal 2001 einen Arbeitstag weniger gab als im entsprechenden Vorjahresquartal. Ohne diesen Kalendereffekt ergäbe sich eine Zuwachsrate des realen BIP von 2,0 Prozent.Die Statistiker teilten ferner mit, dass die Inflationsrate im Mai mit 3,5 Prozent den höchsten Stand seit Dezember 1993 erreichte. Ursächlich dafür waren vor allem höhere Energie- und Lebensmittelpreise. Die bereits nach unten korrigierte Prognose der Bundesregierung von rund zwei Prozent Wirtschaftswachstum für 2001 ist nach Ansicht vieler Experten kaum noch haltbar. In den volkswirtschaftlichen Abteilungen der Banken und bei Wirtschaftsforschungsinstituten werden die Vorhersagen bereits nach unten korrigiert. Dresdner Bank-Chefvolkswirt Klaus Friedrich glaubt sogar nur noch an einWachstum von rund 1,5 Prozent. "Ich bin besorgt. Die Daten sind schlecht. Wir werden unsere Prognose revidieren müssen", sagte Friedrich. Das Deutsche Institut für Wirtschaftsforschung (DIW) erwartet bei der Industrieproduktion in diesem Jahr nach dem Rekordwachstum von 7,5 Prozent im Jahr 2000 eine Stagnation. Im Jahresdurchschnitt 2002 werde dann wieder ein Wachstum von etwa zwei Prozent erwartet, schreibt das DIW im jüngsten Wochenbericht.

Unterdessen bleibt auch bei Deutschlands wichtigstem Handelspartner Frankreich die Konjunktur hinter den Erwartungen zurück: Das Bruttoinlandsprodukt legte im ersten Quartal 2001 im Vergleich zum Vorquartal nur noch um 0,5 Prozent zu, nach 0,8 Prozent im Vierteljahr zuvor. Damit fiel die französische Wirtschaft auf das schwächste Wachstum seit Ende 1998 zurück.

Bundesfinanzminister Hans Eichel (SPD) zeigte sich in Berlin besorgt über die jüngste Inflationsrate. "Die Preissteigerung macht mir schon einige Sorgen", sagte der SPD-Politiker. Er forderte die Mineralölwirtschaft auf, eine übertriebene Weitergabe des Preisdrucks auf den Weltölmärkten an den Verbraucher zu unterlassen. Für Benzin und Diesel mussten die Autofahrer im Mai zwischen 13,1 und 17,1 Prozent mehr bezahlen als vor Jahresfrist. Haushaltsenergie kostete zwischen 12,9 und 15,8 Prozent mehr. Dabei wirkten sich vor allem die kräftig gestiegenen Gaspreise aus. Nahrungsmittel verteuerten sich für die Verbraucher um bis zu zehn Prozent. Volkswirte der Großbanken gehen davon aus, dass sich die Teuerungsrate erst in der zweiten Jahreshälfte beruhigt, wenn der Einfluss von Sonderfaktoren wie Lebensmittel und Treibstoffe zurück geht.

Der Euro konnte sich am Donnerstag etwas erholen. Die Europäische Zentralbank (EZB) setzte den Referenzkurs auf 0,8604 (Mittwoch: 0,8585) US-Dollar fest. Der Dollar kostete damit 2,2732 (2,2782) Mark.

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