Wirtschaft : Konjunktur: US-Wirtschaft so schwach wie seit acht Jahren nicht

Der Konjunktureinbruch in den USA hat die dortige Wirtschaft auf das niedrigste Wachstum seit mehr als acht Jahren zurückgeworfen. Im zweiten Quartal wuchs das Bruttoinlandsprodukt (BIP) nur noch mit einer rechnerischen Jahresrate von 0,7 Prozent, nach 1,3 und 1,9 Prozent in den beiden Vorquartalen. Dies war der geringste Zuwachs seit dem ersten Quartal 1993, wie das US-Handelsministerium am Freitag in Washington mitteilte. Nach Einschätzung von Analysten dürfte damit allerdings die Talsohle erreicht sein.

Ausschlaggebend für den erneuten Dämpfer waren der Rückgang an Investitionen der Industrie in Ausrüstungsgüter und Computer-Software sowie ein schwächeres Wachstum der Verbraucherausgaben. Diese stützen zu zwei Dritteln die Wirtschaftsleistung und weisen mit 2,1 Prozent das geringste Wachstum seit dem zweiten Vierteljahr 1997 auf.

Experten versprechen sich von fallenden Zinsen, sinkenden Energiekosten und den beschlossenen Steuerkürzungen eine Belebung der Konjunktur später in diesem Jahr. "Ich sehe dies aber als einen langsamen, schrittweisen Aufstieg", sagte Chefökonom Joshua Shapiro von Maria Fiorini Ramirez in New York der Wirtschaftsagentur Bloomberg. Das Konjunkturbarometer der USA war im Juni zum dritten Mal in Folge gestiegen. Der Index der zehn wichtigsten Wirtschaftsdaten legte um 0,3 Prozent zu, nach 0,5 Prozent im Mai. Eine durchgreifende Erholung der nach jahrelangem Boom schwächelnden US-Wirtschaft ist allerdings noch längst nicht sicher. Der Chef der amerikanischen Notenbank (Fed), Alan Greenspan, hatte erst am Dienstag seine Warnung vor weiteren "beträchtlichen" konjunkturellen Risiken wiederholt. Die Fed sei daher bereit, die Zinsen nötigenfalls zum siebten Mal in diesem Jahr zu senken.

Sie hatte den Satz für Tagesgeld zuletzt Ende Juni um 0,25 Prozentpunkte auf 3,75 Prozent zurück genommen, das niedrigste Niveau seit sieben Jahren. Der für die Zinspolitik zuständige Offenmarktausschuss kommt am 21. August wieder zusammen. Die Zentralbank geht für 2001 von einem jährlichen Wachstum von zwei Prozent aus, für 2002 von drei Prozent. 2000 hatte das BIP, die Summe aller produzierten Waren und Dienstleistungen, nach korrigierten Zahlen um 4,1 Prozent zugelegt, nachdem ursprünglich von fünf Prozent ausgegangen worden war.

An den Devisenmärkten konnte die europäische Gemeinschaftswährung zunächst profitieren und stieg über die im Devisenhandel als psychologisch geltenden Marke von 88 Cent. Im Verlauf viel der Euro jedoch wieder zurück, was Händlern auf laufende Optionsgeschäfte zurückführten. Viele Marktteilnehmer hätten auf einen Euro-Kurs von unter 0,88 Dollar gesetzt und versuchten nun, durch Euro-Verkäufe den Kurs unter dieser Marke zu halten, sagte ein Händler. Die EZB hatte den Referenzkurs des Euro am Mittag mit 0,8768 Dollar nach 0,8764 Dollar am Donnerstag festgesetzt.

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