Konjunkturbarometer : Bauern fassen Zuversicht

Die deutschen Bauern schätzen ihre aktuelle Lage und ihre Zukunft deutlich optimistischer ein als noch im Herbst vergangenen Jahres.

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Berlin Das ergibt sich aus dem jüngsten Konjunkturbarometer des Deutschen Bauernverbandes (DBV), das DBV-Präsident Gerd Sonnleitner am Freitag auf der Grünen Woche in Berlin vorstellte. Für Dezember/Januar weist der Index, der auf Befragungen von 1800 Landwirten beruht, einen Wert von 12,0 nach minus 0,2 im September/Oktober vergangenen Jahres auf. Der Index hatte seine Spitze mit einem Wert von 38,3 im Herbst 2007 erreicht, als die Erzeugerpreise in die Höhe geschossen waren.

Auch dieses Mal sind es vor allem die steigenden Preise, die den Bauern Mut machen – die höheren Milch- und die festeren Getreidepreise. Im vergangenen Jahr hatten vor allem die Milchbauern unter einem Verfall der Preise gelitten und demonstrativ ihre Milch auf die Straße geschüttet, um die Regierung zum Handeln zu zwingen. Die Koalition hatte daraufhin im Dezember ein Sonderprogramm von 425 Millionen Euro für die Landwirtschaft beschlossen, davon sind rund 300 Millionen Euro für die Milchwirtschaft bestimmt. Bei den Bauern ist dieses Geld aber noch nicht angekommen, kritisierte Sonnleitner und forderte die Politik auf, das Programm schnell umzusetzen. Zudem wünscht sich der Verband weitere Steuersenkungen beim Agrardiesel und die Möglichkeit für die Bauern, steuerfreie Rücklagen zu bilden. In Brüssel will Sonnleitner die gemeinsame europäische Agrarpolitik verteidigen. „Das Budget soll erhalten bleiben“, sagte er. Die europäischen Bauern werden von Brüssel mit rund 52 Milliarden Euro im Jahr unterstützt.

Heftige Kritik übte Sonnleitner erneut am Lebensmitteleinzelhandel. Er sei „voller Wut“ über die Preissenkungen zahlreicher Supermarktketten im Umfeld der Grünen Woche. Der Bauernpräsident kündigte an, er wolle im Gespräch mit dem Bundeskartellamt nach Wegen suchen, das „extreme Ungleichgewicht der Kräfte“ zwischen Erzeugern und Handel zu beenden. Sonnleitner forderte „Lockerungen“ im Kartellrecht zugunsten der Landwirte. Zudem will sich der DBV auch für die Belange der Verbraucher einsetzen. Am Mittag übergab Sonnleitner Verbraucherschutzministerin Ilse Aigner (CSU) rund 40 000 Unterschriften von Bauern und Verbrauchern, die sich gegen Imitate bei Lebensmitteln ausgesprochen haben.

Von der Grünen Woche, die noch bis Sonntag dauert, zog Sonnleitner ein positives Resümee. Auch in diesem Jahr würden wieder rund 400 000 Besucher in die Messehallen kommen. Ausdrücklich verteidigte der Bauernpräsident die Tierhaltung auf der weltgrößten Landwirtschaftsmesse. „Auf der Grünen Woche gibt es keine Schweinequal“, sagte Sonnleitner und reagierte damit auf Berichte von verletzten Ferkeln am Stand eines Brandenburger Betriebs. Die Tiere seien in guter Verfassung, das habe der Tierarzt bestätigt. „Vielleicht war auf dem Transport ein aggressives Kerlchen dabei, aber das gehört bei Tieren zum Spiel dazu“, sagte Sonnleitner.

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