Wirtschaft : Konjunkturkolumne: Das Wirtschaftswachstum ist nach wie vor solide

In Zusammenarbeit mit dem Handelsblatt veröffentlicht der Tagesspiegel einmal im Monat eine Konjunkturkolumne und wirft einen Blick auf die Wirtschaftslage. Der Frühindikator soll frühzeitig konjunkturelle Wendepunkte anzeigen.

Deutschland nimmt Kurs auf rund drei Prozent Wirtschaftswachstum im Jahre 2000. Dies signalisieren der Frühindikator und das Konjunkturbarometer im September. Der Frühindikator blieb mit 3,2 Prozent auf unverändert hohem Niveau. Auch das Ostbarometer hielt mit vier Prozent im September sein im August erreichtes Niveau. Ende 1999 hatte der Frühindikator mit 1,5 Prozent nur knapp halb so hoch gelegen wie heute. Nach rasantem Anstieg zeigt er seit sechs Monaten einen stabilen Wachstumstrend von rund drei Prozent an. Dies entspricht inzwischen der Wachstumserwartung der Bundesregierung. Trotz der jüngsten Schwäche einiger wichtiger Konjunkturdaten erscheint die derzeitige Konjunkturlage robust. Die Nachfrage im westdeutschen verarbeitenden Gewerbe blieb im Juni nahezu unverändert auf dem hohen Niveau des Vormonats. Auch in den neuen Ländern ist sie - abgesehen von saisonalen Schwankungen - kaum gesunken. Damit sind im verarbeitenden Gewerbe in ganz Deutschland erheblich mehr Aufträge eingegangen - 5,4 Prozent mehr im Vergleich zum ersten Quartal. Dabei haben Unternehmen im Inland mit plus 5,2 Prozent kaum weniger bestellt als Unternehmer aus dem Ausland mit plus 5,7 Prozent. Dies deutet auf einen Aufschwung hin, der sich selbst trägt und nicht mehr von den Exporten abhängt. Wie der Ifo-Konjunkturtest für den untersuchten Zeitraum zeigt, beurteilen die Unternehmen des verarbeitenden Gewerbes ihre aktuelle Geschäftslage denn auch nahezu unverändert gut. Dabei sind westliche Unternehmer noch immer etwas zuversichtlicher als ostdeutsche. Bei den Zukunftsaussichten überwiegen nach wie vor in ganz Deutschland die Optimisten gegenüber den Pessimisten. Im Einzelhandel sind die Umsätze im Vergleich zum Vormonat mit minus 3,2 Prozent etwas eingebrochen. Im Vergleich zum ersten Quartal die Umsätze aber gestiegen. Das passt zu den Ergebnissen der Volkswirtschaftlichen Gesamtrechnung, wonach der private Konsum im zweiten Quartal erstmals wieder überdurchschnittlich zum Wirtschaftswachstum beigetragen hat.

Die Nachfrage im Bauhauptgewerbe der neuen Länder hat sich wieder leicht erholt. Im Westen dagegen ist sie um fast neun Prozent gegenüber dem Vormonat eingebrochen. Auch wenn der starke Rückgang darauf hindeutet, dass besondere Ereignisse die konjunkturelle Grundtendenz überzeichnen, so ist doch davon auszugehen, dass die Krise in der Bauwirtschaft andauern wird.

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