Konkurrenzkampf : Airbus fiel 2006 hinter Boeing zurück

Im Konkurrenzkampf mit Boeing hat Airbus im vergangenen Jahr deutlich an Boden verloren. Um die Krise beim europäischen Flugzeugbauer zu überwinden soll der A320 künftig nur noch in Hamburg montiert werden.

Hamburg/Paris - Die Probleme beim A380 und die Unsicherheit um den Langstreckenjet A350 haben Airbus viel Boden im Konkurrenzkampf mit dem amerikanischen Boeing-Konzern gekostet. Abhilfe soll das geplante Sparprogramm "Power 8" bringen. Darin ist unter anderem eine Zusammenlegung der Fertigung des Bestsellers A320 vorgesehen. Wahrscheinlich wird das Flugzeug nur noch in Hamburg montiert werden, während die Großflugzeuge A380 und A350 womöglich nur noch in Frankreich gefertigt werden sollen.

Airbus habe im Jahr 2006 800 Bestellungen verbucht nach 1055 im Vorjahr, schrieb die "Financial Times Deutschland". Es ist das erste Mal seit fünf Jahren, dass Boeing wieder mehr Flugzeuge als Airbus verkaufen kann. Die Amerikaner meldeten für 2006 einen Auftragsrekord mit 1044 Verkehrsflugzeugen nach 1002 Maschinen ein Jahr zuvor. Bei den Auslieferungen lag Airbus den Angaben zufolge mit 434 Maschinen noch vor Boeing mit 398 Flugzeugen. Airbus will die Zahlen offiziell am Mittwoch vorstellen.

Beim Auftragswert baute Boeing den Vorsprung aus. Gemessen am Wert der Flugzeuge sei der Marktanteil von Airbus auf 40 Prozent von 45 Prozent im Jahr davor gefallen. Bei den lukrativeren Großraumflugzeugen sei die Dominanz von Boeing noch größer: Auf die Amerikaner entfielen wertmäßig 82 Prozent des Marktes, auf Airbus nur 18 Prozent. Insgesamt habe Airbus Flugzeuge zum Listenpreis von 75,1 Milliarden Dollar verkauft.

Produktionsprobleme und Unsicherheiten

Gründe für die Auftragsschwäche von Airbus seien die relativ schlechten Absatzzahlen der Modelle A330/340, die Produktionsprobleme beim Riesenflieger A380 und die lange Unsicherheit um das umgeplante Langstreckenmodell A350. Bei Boeing entfielen im vergangenen Jahr 729 Bestellungen auf Flugzeuge des Typs 737. Für die kommende Boeing 787 "Dreamliner", die als Konkurrent des A350 gesehen wird, gab es 157 Order.

Als eine der Maßnahmen für den Weg aus der Krise soll Hamburg mit der neuen Generation des Airbus A320 die Fertigung des Flugzeugs von Toulouse übernehmen. Damit verliere das französische Werk die Produktion der erfolgreichsten Airbus-Maschine, berichtete die Pariser Wirtschaftszeitung "La Tribune" unter Berufung auf Äußerungen von Airbus-Chef Louis Gallois vor Gewerkschaftsvertretern. Neben Hamburg soll es beim A320 nur die geplante Endmontage in China geben. Französische Gewerkschaften fürchteten, dass Toulouse dann nur noch der Bau des neuen Langstreckenflugzeuges A350 und des Super-Airbus A380 bleibe. Dies könne sinkendes Arbeitsaufkommen und Stellenstreichungen bedeuten.

Gallois will mit der europäischen Arbeitsteilung brechen

Der zweimotorige A320 mit rund 150 Plätzen ist das am häufigsten verkaufte Airbus-Flugzeug. Laut "La Tribune" steht er zur Zeit für 50 Prozent des Arbeitsaufkommens im Konzern. Wie bei Airbus bisher üblich, wurde die Produktion zwischen den Partnern Deutschland, Frankreich, Großbritannien und Spanien entsprechend ihren Anteilen aufgeteilt. In Toulouse wird zur Zeit der A320 selbst zusammengebaut, in Hamburg die zur selben Familie gehörenden A318, A319 und A321. Mit der Aufteilung wolle Gallois, der im Februar Details zur Umsetzung des milliardenschweren Sparprogramms Power 8 vorstellen will, nun brechen, hieß es in der Zeitung.

Französische Gewerkschaften fürchten dem Bericht zufolge, dass der A350 und der A380 Toulouse weniger Beschäftigung als der A320 bringen könnten. "Beim Arbeitsvolumen läuft der A320 auf vollen Touren; wir sind nicht sicher, dieses Volumen mit den Großmaschinen zu erreichen", zitierte die Zeitung Gewerkschafter. Sie verwiesen darauf, dass in Hamburg zur Zeit bei derselben Produktion von 17 bis 18 Maschinen pro Monat "die doppelte Beschäftigtenzahl" eingesetzt werde. Nach der Studie einer Unternehmensberatung vom Dezember könnten bei Airbus Frankreich bis zu 2000 Stellen in Gefahr sein. (tso/AFP/dpa)

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