Wirtschaft : Konservative Anleger bleiben vorerst gelassen - Spekulanten setzen auf Währungsoptionsscheine

Peter Hein

Konservative Festzinssparer bleiben angesichts der jüngsten Schwäche der europäischen Gemeinschaftswährung gelassen. Wer sein Depot mit erstklassigen Titeln aus dem Euro-Raum bestückt - zum Beispiel mit Bundesanleihen -, merkt von der Talfahrt des Euros zunächst nichts. Indirekt sind allerdings auch diese Anleger vom Trend an den internationalen Devisenmärkten betroffen. Soll der Abwärtstrend des Euro gegenüber dem US-Dollar nicht noch beschleunigt werden, muss die Europäische Zentralbank ihre Zinsen zumindest im Gleichschritt mit der US-Notenbank Fed erhöhen. Steigende Zinsen bescheren Anleihebesitzern aber Kursverluste im Depot.

Etwas risikofreudigere Anleger mischen ihrem Portfolio US-Dollar-Bonds bei. Die bieten zurzeit den Vorteil, dass sie rund einen Prozentpunkt mehr Zinsen abwerfen als entsprechende Euro-Anleihen mit vergleichbarer Bonität und Laufzeit. Zusätzliches Bonbon: Neigt der Euro weiter zur Schwäche, können sich Käufer auch noch über Währungsgewinne freuen. Der Schuss kann allerdings auch nach hinten losgehen. Wenn die europäische Währung unerwartet wieder den Vorwärtsgang einlegt, kann aus dem stolzen Plus schnell ein Minus werden. Auch der Zinsvorteil gegenüber heimischen Anleihen vermag dann nicht mehr viel zu retten. Aktienfans sehen dagegen die Euroschwäche fast uneingeschränkt positiv. Abwertungsbörsen sind Haussebörsen, lautet eine alte Börsenweisheit. Nicht ohne Grund: Sinkt der Außenwert der eigenen Währung, kurbelt das aller Erfahrung nach die Wirtschaft an und die Unternehmensgewinne kommen auf Trab. Hauptprofiteure sind dabei vor allem exportabhängige Unternehmen wie zum Beispiel Maschinenbauwerte. Auch die Automobilbauer können ihre rollenden Produkte in Übersee leichter, weil billiger, als bisher verkaufen. Vorsicht ist dagegen bei rohstoff- oder stark energieabhängigen Unternehmen angesagt. Bei ihnen sorgt der starke Dollar für steigende Kosten. Solche Werte sind jedoch zumindest auf dem deutschen Kurszettel rar. Meist sind davon nur einzelne Sparten der großen Industriekonzerne betroffen - wie beispielsweise der petro-chemische Bereich beim Chemie-Riesen BASF.

Hartgesottene Spekulanten meiden den Umweg über den Aktienmarkt und setzen ihr Geld statt dessen direkt am Devisenmarkt ein: mit Währungsoptionsscheinen. Diese Scheine bieten die Möglichkeit, einen bestimmten Währungsbetrag innerhalb einer festgelegten Laufzeit zu einem ebenfalls festgelegten Kurs kaufen zu können. Wer weiter an die Stärke des US-Valuta glaubt, greift zu einem so genannten Dollar-Call beziehungsweise Euro-Put. Der sichert dem Inhaber das Recht zu, zum Beispiel 100 US-Dollar innerhalb der nächsten sechs Monate zu 100 Euro kaufen zu können. Sinkt der Kurs der Euro-Währung auf 0,90, kann der Anleger den Schein mit Gewinn verkaufen oder er bezieht die 100 Dollar und verkauft sie am Devisenmarkt. Dafür erhält er rund 111 Euro. Die Differenz abzüglich Transaktionskosten und dem Kaufpreis des Scheins ist sein Gewinn. Liegt er allerdings mit seiner Meinung daneben, fährt er hohe Verluste ein. Nicht selten ist das für den Schein eingesetzte Kapital am Ende der Laufzeit vollständig verloren.

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