Wirtschaft : „Konservatives Familienbild“ Verdi: Hartz fördert Männer

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Weit hinter der gesellschaftlichen Realität und dem gesetzlichen Gleichstellungsgrundsatz“ liegen einige der Vorschläge der Hartz-Kommission, schimpft Margret Mönig-Raane, Vizechefin der Dienstleistungsgewerkschaft Verdi. Bekannt gewordene Punkte des Hartz-Konzeptes bauten nach ihrer Einschätzung auf das Prinzip der Versorgerehe und dem zu Grunde liege ein „konservatives Frauen- und Familienbild“, so die Gewerkschafterin im Gespräch mit dieser Zeitung.

„Ob gewollt oder nicht, hier hantiert die Kommission mit dem Ernährermodell aus den fünfziger Jahren." Es sei ein Unding, dass die Kommission den „Haushaltsvorstand“ bei der Arbeitsvermittlung bevorzugt behandelt, so Mönig-Raanes Kritik. Eine einseitige Förderung von Familienvätern durch das Arbeitsamt komme einer „Diskriminierung im öffentlichen Auftrag gleich". Da aufgrund der Einkommensverteilung Männer meist ein höheres Einkommen hätten als Frauen, bestehe die Gefahr, dass Frauen bei der Arbeitsvermittlung eher in Niedriglohnjobs abgeschoben werden könnten, nur weil der Mann genug verdiene. „Daher lehnt es Verdi ab, dass bei der Jobvermittlung die finanzielle Lage der Familie ausschlaggebend sein soll.“

Auch im Bezug auf Niedriglohnmodelle zum Abbau der Schwarzarbeit stellt Mönig-Raane eine „erhebliche Kurzsichtgkeit“ fest. Insgesamt fordert sie, dass Arbeitssuchende aus Familien gleichbehandelt werden, „egal ob Haushaltsvorstand oder nicht". Zudem wollten Frauen, wenn sie auf Teilzeit gehen, in qualifizierten Jobs arbeiten, und nicht im Niedriglohnbereich. Die Hartz-Kommission müsse zur Kenntnis nehmen, dass alle wirtschaftlichen und arbeitsmarktpolitischen Maßnahmen aufgrund „unterschiedlicher Realitäten von Frauen und Männern unterschiedlich wirken.“ Deshalb fordere Verdi eine „gleichstellungspolitische Überprüfung aller Module, um Diskriminierung auszuschließen". fre

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