Korruptions-Affäre : Siemens erwägt Strafanzeigen und Zivilklagen

Der Siemens-Konzern rechnet nicht mit einem schnellen Ende der Ermittlungen der US-Börsenaufsicht SEC.

"Das kann noch lange dauern", sagte das für Korruptionsbekämpfung und Rechtsfragen zuständige Vorstandsmitglied Peter Solmssen dem Tagesspiegel in einem Interview. Er zeigte sich aber zuversichtlich, was den Ausgang des Verfahrens angeht. "Mein Gefühl ist, dass unser Vorgehen auch bei der SEC gut ankommt", sagte der US-Manager, der vor einem halben Jahr in den Vorstand einzog. "Wir haben eine sehr gute Story, wir haben sehr viel richtig gemacht. Wir kriegen keine Noten, aber die Stimmung ist gut." Für die SEC sei es der größte Fall aller Zeiten. Er wolle nicht über das Strafmaß spekulieren. "Aber in jedem Fall sollte man in Erinnerung behalten, dass die ganze Geschichte in München anfing, nicht in New York."

Die alte Siemens-Führung muss sich offenbar auf juristische Auseinandersetzungen mit dem Unternehmen einstellen. Auf die Frage, ob er straf- oder zivilrechtliche Schritte gegen ehemalige Vorstände oder Aufsichtsräte des Konzerns einleiten wolle, sagte Solmssen: "Wir werden die Rechte von Siemens natürlich wahrnehmen. Das kann auch Strafanzeigen oder Zivilklagen einschließen. Eines ist sicher: Wo es Schadenersatzansprüche geben könnte, werden wir sie konsequent verfolgen." Zur Person des langjährigen Vorstandsvorsitzenden Heinrich von Pierer wollte sich Solmssen nicht konkret äußern, stellte aber klar: "Wir werden die Interessen von Siemens ohne Ansehen der Person wahren."

Solmssen sagte, er sehe seine neu geschaffene Position als eine dauerhafte Lösung an. Er sei mehr als nur ein Justiziar im Vorstand. Es gehe ihm darum, ein gesundes Risikomanagement zu etablieren. "Unsere Mitarbeiter können und sollen sagen: Ohne uns - wir machen keine schmutzigen Geschäfte. Wir zahlen keine fragwürdigen Beträge. Wir sind zu stolz, um zu betrügen." (Tsp)

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