Korruptionsskandal : Siemens schmierte mit 1,3 Milliarden

Vor allem im Anlagenbau wurden beträchtliche Summen Schmiergeld gezahlt. 140 Mitarbeiter wurden bisher entlassen, 330 abgemahnt oder verwarnt. Doch ein Ende der Skandale scheint noch nicht in Sicht. In den USA droht dem Konzern noch eine hohe Strafe.

Siemens Schmiergeld Foto: dpa
Der neue Anti-Korruptions-Vorstand der Siemens AG, Peter Solmssen, während der Rede des Vorstandsvorsitzenden Peter Löscher auf...Foto: dpa

Der Schmiergeldskandal bei Siemens hat ein viel größeres Ausmaß als bisher bekannt. Dennoch sieht sich der Technologiekonzern bei der Aufklärung weitgehend am Ziel und stellt auch keine negativen Folgen beim Geschäft fest. Das machte Vorstandschef Peter Löscher am Donnerstag bei der Bilanzvorlage in München deutlich. Siemens bezifferte die fragwürdigen Zahlungen für die Jahre 2000 bis 2006 auf rund 1,3 Milliarden Euro. Bislang gab es nur Spekulationen über ein Volumen der schwarzen Kassen des Konzerns von rund einer Milliarde Euro.

Aus der nun offiziell zugegebenen Summe folgen Steuernachzahlungen von 418 Millionen Euro. „Wir gehen davon aus, dass das Volumen der nicht steuerlich abzugsfähigen Zahlungen weitgehend feststeht“, sagte Löscher, der im Juli seinen Posten als Vorstandsvorsitzender angetreten hat.

Nach Angaben von Finanzvorstand Joe Kaeser wurden im Unternehmen Beraterverträge im Gesamtumfang von 3,5 Milliarden Euro geprüft. Es habe sich gezeigt, dass vor allem im Anlagengeschäft unsaubere Methoden praktiziert wurden – also in einem Bereich, der bei Siemens künftig noch mehr Gewicht erhalten soll.

Klare Signale sendete Löscher auch in den Konzern: „Wir müssen die besten und saubersten Geschäfte machen“, betonte er. Wer dagegen verstoße, müsse harte Konsequenzen fürchten. So habe sich der Konzern nach den vergangenen Affären bereits von etwa 140 Mitarbeitern getrennt, die gegen interne Richtlinien verstoßen hätten. Etwa 330 Beschäftigte seien abgemahnt oder verwarnt worden.

Siemens kündigte am Donnerstag an, in den kommenden drei Jahren eigene Aktien für zehn Milliarden Euro zurückzukaufen, was den Aktienkurs deutlich ansteigen ließ. Die Börse wertete auch die Geschäftszahlen und den geplanten Konzernumbau positiv, der Kurs legte in der Spitze um 9,5 Prozent zu.

Details des geplanten Konzernumbaus will der Siemens-Chef erst Ende des Monats bekannt geben, wenn der Aufsichtsrat sie gebilligt hat. Die Verwaltungskosten sollen in den kommenden drei Jahren um bis zu 20 Prozent sinken, zudem wird der Konzern konsequent auf die drei Bereiche Industrie, Energie und Medizintechnik ausgerichtet. Welche Auswirkungen dies auf die Mitarbeiterzahl und einzelne Standorte haben wird, ließ Löscher offen.

Auch zu möglichen Verkäufen oder Zukäufen sagte er nichts. Er legte aber ein klares Bekenntnis zur in Berlin sehr starken Lampentochter Osram ab. Dagegen nannte er die Rendite beim Computerhersteller Fujitsu-Siemens „unbefriedigend“. Da Löscher den Konzern auf ambitionierte Renditevorgaben ausrichten will, macht diese Aussage eine Trennung wahrscheinlicher. Seit Wochen wird bereits darüber spekuliert. Löscher stellte aber klar, dass er keine Finanzholding schaffen wolle, sondern an Siemens als integriertem Technologiekonzern festhalte.

Der Konzern steigerte den Gewinn nach Steuern im zu Ende gegangenen Geschäftsjahr um ein Fünftel auf gut vier Milliarden Euro und erreichte alle Renditeziele. Im Schlussquartal drückte allerdings eine Steuerbelastung aus dem Verkauf der Autoelektroniktochter Siemens VDO an Continental den Konzern mit 74 Millionen Euro ins Minus. Den Erlös von 11,4 Milliarden Euro verbucht Siemens erst im laufenden Geschäftsjahr.

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