Korruptionsverdacht : Großrazzia bei Infineon

Das Vorstandsmitglied der Infineon Technologies AG, Andreas von Zitzewitz, hat mit sofortiger Wirkung seinen Rücktritt erklärt. Die Münchner Staatsanwaltschaft ermittelt wegen Korruptionsverdachts.

München (16.07.2005, 22:29 Uhr) - Von Zitzewitz habe seine Entscheidung dem Vorsitzenden des Aufsichtsrats, Max Dietrich Kley mitgeteilt, gab das Unternehmen am Samstag in München bekannt. Die Münchner Staatsanwaltschaft ermittelt unter anderem gegen Zitzewitz wegen Korruptionsverdachts. Bei einer Großrazzia durchsuchten etwa 100 Staatsanwälte, Polizeibeamte und Steuerfahnder am Freitag die Münchner Konzernzentrale sowie 14 Büros und Privathäuser in Deutschland und der Schweiz.

Dem für die Speicherchipsparte zuständigen Zitzewitz, sowie dem früheren Infineon-Manager Harald Eggers, der zur Zeit das Schweizer Technologieunternehmen Unaxis leitet, und dem Betreiber der Schweizer Sponsoring-Agentur BF Consulting, Udo Schneider werden Untreue, Bestechlichkeit und Steuerhinterziehung vorgeworfen. Zitzewitz soll gegen Zahlung sechsstelliger Bestechungsgelder Schneiders Firma Co- Sponsoring-Verträge mit Infineons Zulieferfirmen vermittelt haben. Auch der 2004 bei Infineon ausgeschiedene Eggers soll ähnliche Verträge gegen Zahlungen eingefädelt haben, heißt es.

Anstoß für die Ermittlungen der Staatsanwaltschaft war eine Äußerung Schneiders vor dem Münchner Landgericht während der Verhandlung eines Rechtsstreits zwischen Schneiders Firma BF Consulting und Infineon. Dabei erwähnte er Zahlungen von 300 000 Euro an von Zitzewitz. Auf Grund dieser Bemerkung begann die Staatsanwaltschaft erste Ermittlungen.

Auch Infineon bestätigte am Samstag auf dpa-Anfrage die Durchsuchung. Das Unternehmen habe ein Auskunftsersuchen der Staatsanwaltschaft erhalten, sagte ein Sprecher. Es gehe um Ermittlungen gegen einzelne Personen und nicht gegen Infineon. Von Zitzewitz galt bislang als Favorit für den Vorstandsvorsitz bei einem möglichen Börsengang der Speicherchipsparte von Infineon. (tso)

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