Wirtschaft : Kraftakt bei Daimler-Chrysler

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Von Henrik Mortsiefer

Jürgen Schrempp hat es nicht leicht. Der DaimlerChrysler-Chef wollte doch immer Mister Shareholder Value sein – und jetzt steht er wie nie zuvor im Feuer der Kritik seiner Aktionäre. Schrempps ehrgeiziger Plan, aus Mercedes, Chrysler, Mitsubishi und Smart die erste Welt AG zu bauen, droht zu scheitern. Statt Erfolgsmeldungen dringen nur Hiobsbotschaften aus dem Konzern – vor allem aus Japan und den USA. Der Aktienkurs ist verglichen mit anderen Autowerten eine lahme Ente. Auf der Hauptversammlung vergangene Woche haben Investmentfonds und Aktionärsvertreter deshalb kein gutes Haar am Vorstand gelassen. Dass Schrempps Vertrag trotzdem bis 2008 verlängert wurde, liegt am konzerneigenen Verständnis von Shareholder Value: Die Deutsche Bank, das Emirat Kuwait und ein paar mächtige institutionelle Anleger sorgen dafür, dass der Stuhl des Vorstandschefs nicht ins Wanken gerät.

Der Fall Mitsubishi könnte dieses Kräfteverhältnis zum ersten Mal auf die Probe stellen. Müsste Schrempp nämlich – wie jetzt vermutet wird – vier Milliarden Euro bei den Japanern nachschießen und später für weitere Milliarden die Mehrheit an dem Autokonzern übernehmen, würde dies den Betriebsfrieden und die Konzernbilanz empfindlich stören. Denn: Mitsubishi bindet Kräfte (und Kapital), das Daimler an anderer Stelle benötigt. Zum Beispiel bei der US-Tochter Chrysler, die noch immer ein Pflegefall ist. Oder selbst bei Mercedes: Die Marke glänzt nicht mehr so wie früher, die Verkaufszahlen sind rückläufig. Neue Modelle müssen beweisen, dass die Gewinnquelle weiter sprudelt. Für Schrempp wird es nicht leichter. Dieses Jahr konnte er seine Großaktionäre noch mit einer stabilen Dividende ruhig stellen. Vom Erfolg oder Misserfolg der Mitsubishi-Sanierung hängt ab, ob ihm das bei der nächsten Hauptversammlung wieder gelingt.

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