Krankenkassen : Privatversicherte zahlen deutlich mehr

Die Beiträge für die Krankenversicherung steigen im nächsten Jahr bei fast allen Unternehmen. Das hat eine Umfrage des Tagesspiegels unter privaten Krankenversicherern ergeben.

Heike Jahberg
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Gute Karten haben Privatpatienten derzeit nicht. Ihre Versicherung wird teurer. Foto: dpadpa

Berlin – Schlechte Nachrichten für Privatversicherte: Sie müssen im nächsten Jahr für ihre Krankenversicherung deutlich höhere Beiträge zahlen. Am Donnerstag schockte der Branchenzweite, die DKV, mit der Ankündigung, dass die Prämien im Schnitt um acht Prozent steigen werden. Bei der ebenfalls zum Ergo-Konzern gehörenden Schwester Victoria sind es sechs Prozent.

Nach einer Umfrage des Tagesspiegels planen nahezu alle Versicherer, die Beiträge nach dem Jahreswechsel heraufzusetzen. Allerdings gibt es zwischen den Versicherungsgesellschaften erhebliche Unterschiede. Mit einer durchschnittlichen Beitragserhöhung von unter drei Prozent kommen Kunden der Allianz im nächsten Jahr noch vergleichsweise glimpflich davon. Bei der Axa verteuern sich die Prämien im Schnitt um 3,9 Prozent, bei der Signal um 3,6 Prozent. Selbst Versicherungen, die in den vergangenen Jahren ihre Beiträge gar nicht oder nur leicht erhöht hatten, bitten ihre Mitglieder zur Kasse. Beim Deutschen Ring liegt der durchschnittliche Anstieg bei 5,5 Prozent, bei der Debeka sind es fünf Prozent. „Allerdings ist das die erste Erhöhung seit vier Jahren“, betont eine Debeka-Sprecherin.

Die Prämien gehen in die Höhe, weil die privaten Versicherer mit erheblichen Kostensteigerungen zu kämpfen haben. Im vergangenen Jahr musste die Branche nach Angaben des PKV-Verbandes 6,7 Prozent mehr für Ärzte, Medikamente und Krankenhauskosten ausgeben als im Vorjahr. „Diese Kostensteigerung geht deutlich über die Entwicklung in der gesetzlichen Krankenversicherung hinaus“, räumt der Versicherungsverband ein. Das liegt daran, dass die Ärzte und Kliniken den Privatversicherern deutlich höhere Honorare in Rechnung stellen als den gesetzlichen Krankenkassen. Die Versicherungsgesellschaften wollen das ändern und streben eigene Gebührenverhandlungen an – bisher ohne Erfolg.

Hinzu kommt, dass sich einige Versicherer im vergangenen Jahr mit Beitragserhöhungen bewusst zurück gehalten hatten. Sie wollten verhindern, dass ihre Versicherten in den neuen Basistarif wechseln, den es seit dem 1. Januar dieses Jahres gibt. Der Basistarif deckt in etwa die Leistungen der gesetzlichen Krankenversicherung ab und ermöglicht auch Altkunden einen Wechsel von einem zu einem anderen privaten Anbieter. Allerdings galt das nur für ein kurzes Wechselfenster, das gerade einmal in den ersten sechs Monaten dieses Jahres geöffnet war. Außerhalb des Basistarifs ist ein Wechsel vor allem für ältere Versicherte finanziell kaum möglich.

Die Beitragserhöhungen, die jetzt anstehen, können in Einzelfällen empfindlich hoch sein. „Auch Beitragssprünge von 20 oder 25 Prozent sind in Extremfällen möglich“, warnt Jens Trittmacher vom Bund der Versicherten. „Viele Tarife sind so kalkuliert, dass die steigenden Gesundheitskosten und die zunehmende Alterung der Gesellschaft nicht ausreichend einkalkuliert sind“, kritisiert der Verbraucherschützer. Damit sind weitere Erhöhungen programmiert.

Das deckt sich auch mit den Ergebnissen einer Umfrage, die der Bund der Versicherten im vergangenen Jahr unter seinen Mitgliedern durchgeführt hatte. „40 Prozent unserer privat krankenversicherten Mitglieder hatten in den letzten fünf Jahren durchschnittliche Prämiensteigerungen von fünf bis zehn Prozent“, berichtet Trittmacher, ein Viertel der insgesamt 1700 Befragten hätte sogar Verteuerungen von durchschnittlich zehn Prozent verkraften müssen.

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