Kreditausfälle : Die Krise nach der Krise

Auswirkungen der Finanzkrise: Im Jahr 2010 könnten Kreditausfälle stark zunehmen.

Peter Köhler (HB)

Frankfurt am Main – Wenn die deutsche Finanzaufsicht öffentlich etwas Mahnendes sagt, muss man aufhorchen. „Aus Aufsichtssicht haben wir große Sorge, dass uns die Wertberichtigungen im Kreditgeschäft einholen werden. Was bisher an Risikovorsorge gebildet wurde, kann noch lange nicht alles sein“, sagt Peter Lutz, Abteilungspräsident Banken bei der Bafin, mit Blick auf das kommende Jahr. Auf Deutsch: Den Banken könnten 2010 Kredite im großen Stil platzen.

Viele Experten erwarten, dass es genau so kommen wird, schließlich erwartet die Branche den Höhepunkt der Insolvenzen für die Mitte des Jahres. Das wird vor allem für die Sparkassen und Genossenschaftsbanken eine Herausforderung, denn sie decken den Löwenanteil des Kreditbedarfs der mittelständischen Wirtschaft ab.

Die Experten erwarten, dass sich die Wertberichtigungswelle langsam aufbaut. Ein plötzlicher Schock wie die Pleite von Lehman Brothers werde sich kaum wiederholen. „Die Belastungen aus dem Firmenkundengeschäft werden nur langsam sichtbar. Auch in der gewerblichen Immobilienfinanzierung ist noch nicht alles ausgestanden“, sagt Walter Sinn, Bankenexperte bei der Boston Consulting Group (BCG).

Nach Schätzungen der Bundesbank drohen den deutschen Finanzinstituten bis Ende kommenden Jahres Belastungen von bis zu 90 Milliarden Euro. Während in den vergangenen Jahren die Abschreibungen auf toxische Wertpapiere dominierten, rücken jetzt die Buchkredite in den Vordergrund. Hier schätzen die Frankfurter Notenbanker den Wertberichtigungsbedarf in ihrem aktuellen Finanzstabilitätsbericht auf 50 bis 75 Milliarden Euro. Das Ausmaß der Belastungen hängt vom weiteren Konjunkturverlauf ab.

Zu einer ähnlichen Einschätzung kommt der Chef des Internationalen Währungsfonds, der Franzose Dominique Strauss-Kahn. Er geht davon aus, dass etwa die Hälfte der Bankenverluste momentan noch gar nicht aufgedeckt sind.

Das ist eine erhebliche Bedrohung, doch immerhin ist sie berechenbarer als die Schäden des Subprime-Debakels. Die Banken können auf historische Zeitreihen aus vergangenen Rezessionen zurückgreifen, um die Ausfälle im normalen Kreditgeschäft zu kalkulieren.

Dennoch bleiben die Experten der Ratingagentur Standard & Poor''s skeptisch. „Wir glauben, dass die Lage der Banken noch immer fragil ist“, sagt Bankenexperte Stefan Best. Die Wachstumsperspektiven seien angesichts der wachsenden staatlichen Defizite und der hohen Risiken durch die übermäßige Verschuldung vieler privater Haushalte und Unternehmen auf Jahre hinaus trübe. Auf diese Situation hätten sich die Banken in sehr unterschiedlichem Maße durch Risikovorsorge vorbereitet. Auch im Kreditgeschäft werde sich also die Spreu vom Weizen trennen. Peter Köhler (HB)

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