Wirtschaft : Kriegsverlauf drückt Aktien tief ins Minus

Dax und Dow Jones fallen, der Ölpreis steigt wieder, und die Opec denkt über Export-Beschränkung nach

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Berlin (hop). Die Hoffnungen auf einen schnellen Sieg der Alliierten im Irak sind am Montag bei Anlegern wieder geschwunden. Der unerwartet starke Widerstand der irakischen Armee und Berichte über Verluste der Amerikaner und Briten belasteten die Märkte. Die Börsen in Europa und den USA mussten herbe Verluste hinnehmen. Im Gegensatz dazu verteuerte sich Erdöl etwas. Trotzdem denkt die Organisation Erdöl exportierender Länder (Opec) darüber nach, ihre Ausfuhren einzuschränken. Das erfuhr der Tagesspiegel am Montag aus OpecKreisen.

Der Dax verlor bis 17 Uhr 5,1 Prozent auf 2577 Punkte. An der Wall Street sackte der Dow Jones zur gleichen Zeit um 3,1 Prozent auf 8255 Punkte ab, teilweise musste sogar der Handel wegen zu großer Verluste beschränkt werden. „Die Euphorie ist aus den Märkten wieder raus“, sagte Pierre Drach von Independent Research dem Tagesspiegel. Ein Händler an der Frankfurter Börse sagte: „Dabei geht es weniger um die Frage, ob der Krieg gewonnen wird, als darum, wie lang und wie verlustreich er wird.“

Bei weiteren schlechten Nachrichten aus dem Irak könnten die Kurse noch weiter fallen, sagte Drach. Bei 2500 Punkten sei zwar wahrscheinlich Schluss, weil dort eine starke technische Unterstützung liege. „Aber wenn die Marke nicht gehalten wird, dann droht wesentlich stärkeres Ungemach“, sagte Drach. Nachrichten von großen Verlusten oder ein langer Kampf um Bagdad könnten das auslösen. Der Aktienstratege Roland Ziegler von der ING BHF-Bank wiederum sagte: „Noch schlimmer würde das Szenario werden, wenn terroristische Anschläge in der westlichen Welt hinzukämen.“

Starker Euro

Von der aktuellen Lage im Irak profitierte allerdings der Euro. Nach den frühen Erfolgen war er unter Druck geraten. Am Montag legte er gegenüber dem US-Dollar wieder zu. Die Europäische Zentralbank stellte den Euro-Referenzkurs bei 1,0634 Dollar fest. Am Freitag hatte die Gemeinschaftswährung noch 1,0572 Dollar gekostet. Das sei jedoch allein ein politisches Schaukelspiel, sagte Drach. Der Euro sei beim aktuellen Stand fair bewertet. Kurse von 1,10 Dollar werde man nicht so schnell wieder sehen. „Und langfristig dürfte der Dollar ohnehin wieder stärker werden“.

An den Ölmärkten stiegen die Notierungen am Montag wieder. In London kletterte der Kurs kurzzeitig wieder über die Marke von 25 US-Dollar. Am vergangenen Freitag hatte er noch bei 24,20 Dollar gelegen. Als Gründe nannten Händler den stockenden Vormarsch der Alliierten im Irak und Unruhen im Opec-Mitgliedsland Nigeria.

Allerdings ist der Ölpreis in den vergangenen zwei Wochen – seit dem US-Ultimatum an Saddam Hussein – stark gesunken. Vor dem tatsächlichen Ausbruch des Kriegs hatte ein Barrel (159 Liter) der Nordseesorte Brent mehr als 34 Dollar gekostet. Weil die Alliierten im Irak aber zunächst nur Erfolge vermeldeten und die Ölversorgung durch den Krieg offenbar nicht beeinträchtigt wird, verlor Öl fast 30 Prozent an Wert. Parallel dazu sanken auch die Preise an den Tankstellen. Nach den jüngsten Preissenkungen vom Wochenende kostet ein Liter Normalbenzin in Deutschland etwa 1,09 Euro.

Der Preisverfall hat nun die Opec auf den Plan gerufen. „Wir sind durch die sinkenden Preise sehr beunruhigt“, hieß es. Jeder habe damit gerechnet, dass die Preise fallen würden. Überraschend sei aber, wie schnell sie nachgegeben hätten. Die Opec strebt einen Preis zwischen 22 und 28 Dollar je Barrel an. Experten hatten in den vergangenen Tagen geschätzt, dass die Notierungen sogar auf ein Niveau von zehn bis 15 Dollar fallen könnten. Doch das will die Opec offenbar jetzt verhindern. „Die Opec-Mitglieder könnten in Erwägung ziehen, etwas Öl von den Märkten zu nehmen. Der Honeymoon ist vorbei“, hieß es von Seiten der Organisation.

Vergangene Woche war noch gemeldet worden, die Opec habe die Quoten für ihre Mitglieder aufgehoben. Um den Ölpreis stabil zu halten, einigen sich die elf Opec-Mitglieder regelmäßig auf Fördermengen für die einzelnen Länder. Eine Aufhebung der Quoten sollte nun ermöglichen, dass auf Versorgungsschwierigkeiten, die durch den Irak-Krieg entstehen könnten, schnell auszugleichen. Doch auch hier rudert die Opec nun zurück. „Den Ländern ist nicht freie Hand gegeben worden, je nach ihrem Willen die Kapazitäten voll auszuschöpfen“, hieß in Kreisen des Kartells.

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