Krise, Kosten und Kritik : Deutsche Banken streichen Stellen zusammen

Die Geldinstitute müssen sparen und kürzen massiv Stellen. Bei der Deutschen Bank gehen weitere 2000 Arbeitsplätze verloren. Auch bei der Commerzbank sieht es nicht gut aus.

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Auch bei der Commerzbank drohen massive Stellenkürzungen im Privatkundengeschäft.
Auch bei der Commerzbank drohen massive Stellenkürzungen im Privatkundengeschäft.Foto: dpa

Die deutschen Banken stehen fest auf der Kostenbremse – und bleiben es auch. Damit sind tausende Stellen gefährdet. Das gilt auch für den Branchenprimus Deutsche Bank. Hierzulande schrumpfen die Provisionen, weil die Kunden kaum Wertpapiere kaufen, die niedrigen Zinsen drücken auf die Margen. Entgegen der jüngsten Aussagen der beiden Vorstandschefs Anshu Jain und Jürgen Fitschen kappt die Deutsche Bank Stellen nicht primär im Ausland, sondern deutlich stärker im Inland.

Bereits von Ende 2010 bis Ende Juni 2012 ist die Zahl der Beschäftigten in Deutschland um mehr als 2000 auf 47 240 gesunken. Im Ausland dagegen sind sogar Arbeitsplätze hinzugekommen, denn insgesamt ging die Zahl der Mitarbeiter weltweit nur um rund 1400 von 102.062 auf 100.654 zurück. In nächster Zeit sollen weitere 1900 Stellen wegfallen, nach Angaben von Jain und Fitschen im Investmentbanking und im Ausland. Berichte über den Abbau von mehreren tausend Stellen im Inland wies Bank-Sprecher Ronald Weichert am Freitag zurück.

Jain und Fitschen wollten sich in der vergangenen Woche nicht im Detail zu Abbauplänen äußern. Sie verweigerten bei der Vorstellung ihrer Strategie und eines Sparprogramms im Volumen von 4,5 Milliarden Euro die Antwort auf entsprechende Fragen. In Deutschland steht die Privat- und Geschäftskundensparte im Fokus der Sparmaßnahmen. Und hier vor allem die Postbank. Schon vor zwei Jahren seien mit der Arbeitnehmerseite Kürzungen vereinbart worden, derzeit werde über den Interessensausgleich verhandelt, sagt Weichert. Die Zahl von 554 Stellen, die bei der Postbank in Bonn und in der Zentrale der Deutschen Bank in Frankfurt angeblich wegfallen, kommentiert er nicht. Davon sollen zentrale Abteilungen wie Finanzen, Research, Personal oder das Justiziariat betroffen sein. Weichert betonte aber, dass es nur um sozial verträgliche Lösungen gehe. Entlassungen seien bis Ende 2014 ausgeschlossen. Darauf verweist auch Beate Mensch, Vorstandsmitglied der Dienstleistungsgewerkschaft Verdi.

Seit Ende 2010 hat die Deutsche Bank im Privat- und Geschäftskundenbereich in Deutschland schon massiv gekürzt und, wie Weichert sagt, 1900 Stellen abgebaut. Dies ist Folge der Integration von Postbank und Norisbank. Allein das Zusammengehen mit der Postbank soll zu jährlichen Kosteneinsparungen von 770 Millionen Euro führen. Die Norisbank wird als Marke für das Direktbankgeschäft weitergeführt, die Filialen wurden allerdings geschlossen. Künftig sollen die Dienstleistungsbereiche für das Geschäft von Deutscher, von Postbank und Norisbank mit Privat- und Firmenkunden zusammengefasst werden. Jain und Fitschen wollen vor allem diverse parallel laufende Systeme auf eine IT-Plattform heben. Dort würden, so heißt es aus der Bank, etwa 2000 Stellen gebündelt. Berichte, dass mehrere Tausend Stellen wegfallen könnten, weist die Bank entschieden zurück.

Die Berliner Bank sei von den Einschnitten nicht betroffen, versichert Weichert. Die Integration des Instituts in die Deutsche Bank sei im Jahr 2010 abgeschlossen worden. „Die Berliner Bank läuft sehr gut“, ergänzt er. Sie betreibt derzeit 61 Filialen und beschäftigt rund 750 Mitarbeiter.

Auch bei der Commerzbank drohen im Privatkundengeschäft massive Kürzungen, zumal es erheblich schlechter läuft als bei der Deutschen Bank. Im zweiten Quartal verbuchte die Commerzbank in dieser Sparte einen Gewinn von nur 14 Millionen Euro, das Filialgeschäft rutschte in die roten Zahlen. Nur die Direktbank Comdirect rettete die Sparte vor einem Gesamtverlust. Eigentlich wollte Bank-Chef Martin Blessing im Privatkundengeschäft 2012 einen Betriebsgewinn von einer Milliarde Euro erzielen. Im November will er nun Details eines Sparprogramms erläutern.

Für Beobachter ist klar, dass ein Abbau von ein paar Hundert Stellen nicht reicht. Vierstellig werde die Zahl auf jeden Fall. Von rund 2000 Stellen war zuletzt die Rede. Dabei hat die Bank im ersten Halbjahr schon deutlich gekürzt: Weltweit fielen im Vergleich zum Jahresende 2011 gut 1900 Stellen weg, in Deutschland rund 1350. Im Heimatmarkt arbeiteten Ende Juni gut 43.100 Menschen für die Bank, weltweit 56.200.

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