Küchen sind das neue Statussymbol : Mann am Herd

Die Schrankwand ist passé, dafür sind Küchen das neue Statussymbol. Die Möbelindustrie freut sich.

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Küchen sind heute oft Teil des Wohnzimmers, damit wird auch die Ausstattung hochwertiger - die Möbelindustrie profitiert von diesem Trend.
Küchen sind heute oft Teil des Wohnzimmers, damit wird auch die Ausstattung hochwertiger - die Möbelindustrie profitiert von...Foto: dpa

Berlin - Einst gehörte sie quasi zur Grundausstattung eines jeden deutschen Wohnzimmers: die berühmte wie berüchtigte Schrankwand. Heute gilt sie als geschmacklicher Fauxpas und ist aus vielen guten Stuben verbannt. Zumindest wird sie kaum noch nachbestellt, stattdessen sind Solomöbel Trend. Das bekommt auch die deutsche Möbelindustrie zu spüren, die deshalb weniger Holz verarbeitet und unter Überkapazitäten leidet.

Die Hersteller sind nicht ausgelastet

Die Hersteller seien lediglich zu 87,4 Prozent ausgelastet, sagte Axel Schramm, Präsident des Verbands der Deutschen Möbelindustrie, am Montag in Köln. Viele Produktionen und Maschinen könnten nicht so schnell auf die neue Nachfrage umgestellt werden. Auch 2016 habe wieder eine Reihe traditionsreicher Möbelunternehmen Insolvenz anmelden müssen.

Insgesamt jedoch entwickelte sich die deutsche Möbelindustrie im ersten Halbjahr positiv, mit einem Umsatzplus von 4,9 Prozent im Vergleich zum Vorjahreszeitraum auf 8,9 Milliarden Euro. Für das Gesamtjahr rechne die Branche jedoch nur noch mit einem Umsatzzuwachs um 3,5 Prozent, nach einem Plus um 6,2 Prozent im Vorjahr, sagte Schramm.

Großes Plus für Ladenmöbelhersteller

Das größte Plus erreichten die Ladenmöbelhersteller mit 10,6 Prozent auf einen Umsatz von rund 800 Millionen Euro. Begründet ist dies einerseits durch das Termindruckgeschäft, oft müssten neue Läden schneller als bisher eingerichtet werden, wodurch die Preise steigen würden, heißt es vom Verband. Andererseits würden viele Geschäfte heute hochwertiger eingerichtet – mit Blick auf die wachsende Konkurrenz der Online- Shops. Aber auch, weil es technisch ausgefeiltere Lösungen gebe. In Apotheken beispielsweise müsse niemand mehr die Medikamente von Hand suchen, sondern sie werden per Knopfdruck über ein automatisches Bestellsystem an die Verkaufstheke geliefert.

Rekordergebnis für Küchenmöbelhersteller

Zweiter großer Gewinner sind die Küchenmöbelhersteller, die mit einem Umsatzplus von 7,2 Prozent einen neuen Rekord-Halbjahresumsatz von 2,4 Milliarden Euro verbuchten. Schramm spricht von einer „beispiellosen Erfolgsgeschichte“, zu der neben einer gestiegenen Bautätigkeit auch der Zeitgeist betrage. Schon TV-Sendungen würden belegen, wie gerne sich die Deutschen mit dem Thema Kochen beschäftigten. Auch veränderten sich die Grundrisse in den Wohnungen, offene Küchen seien üblicher, dadurch werde auch eine hochwertige Ausstattung wahrnehmbar. „Küchen sind das neue Statussymbol“, erläuterte Schramm. Erfreulich sei, dass die Produktion der Küchenmöbel fast ausschließlich in Deutschland erfolge. Die Branche profitiere davon, früh auf Automatisierung gesetzt zu haben.

Doch angesichts der zunehmenden Globalisierung des Möbelmarkts werde es für die deutschen Produzenten insgesamt schwieriger, ihre Preise durchzusetzen. Trotz der schwierigen Lage sei es in Deutschland allerdings auch zu Neugründungen von Möbelherstellern gekommen, sodass die Gesamtzahl der Betriebe mit rund 500 Unternehmen unverändert stabil geblieben sei. Die Zahl der Beschäftigten stieg sogar leicht um 0,6 Prozent auf rund 84 000. Schrankwände müssen nur noch die wenigsten von ihnen produzieren.

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