Kursabsturz : Solar Millennium stürzt an der Börse ab

In Reaktion auf ein Tagesspiegel-Interview mit dem Ex-Chef von Solar Millennium, Utz Claassen, stürzten die Aktien der Firma an der Börse ab. In der ersten halben Stunde sank der Kurs um elf Prozent.

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BerlinDass Utz Claassen ein 27-seitiges Dossier über „Abläufe, Vorgänge und Hintergründe“ bei Solar Millennium erstellt hat, reichte schon, um die Aktionäre am Montag zu verunsichern. In den ersten 30 Handelsminuten rauschte der Kurs des Entwicklers solarthermischer Kraftwerke um fast elf Prozent nach unten und schloss am Ende bei 18,85 Euro mit einem Minus von zehn Prozent.

Der vor zwei Wochen nach nur 74 Tagen im Amt zurückgetretene Vorstandschef hatte das Erlanger Unternehmen in einem Tagesspiegel-Interview aufgefordert, ihn von seiner Verschwiegenheitspflicht zu entbinden, um sein Dossier öffentlich machen zu können. Im Raum steht der Vorwurf ungewöhnlicher Bilanzierungen und Finanzbeziehungen.

Solar Millennium wies Claassens Ansinnen am Montag zurück und forderte ihn auf, dem Unternehmen das Dossier zugänglich zu machen. „Wenn sich nun Sachverhalte ergeben haben, die es für Claassen nicht möglich gemacht haben, sein Amt fortzuführen, so halten wir es für den richtigen Weg, wenn Claassen sein im Zeitungsinterview genanntes Dossier dem Vorstand und Aufsichtsrat zur Verfügung stellt“, hieß es in einer Stellungnahme. „Solar Millennium wird nach Erhalt des genannten Dossiers die relevanten Inhalte von einem unabhängigen Prüfer begutachten lassen.“

Claassen legte umgehend nach und wertete die Stellungnahme als „bedauerlich und sachlich falsch“. Solar Millennium kenne sämtliche Informationen aus dem Dossier. „Alle relevanten Abläufe, Vorgänge und Hintergründe aus dieser 27-seitigen Unterlage sind Vorstand und Aufsichtsrat bekannt. Das ist im Zweifelsfalle eindeutig beweisbar.“ An einer Aufsichtsratssitzung und an mehreren Gesprächen mit Aufsichtsräten habe er nur im Beisein seines Anwalts teilgenommen, sagte er dem Tagesspiegel.

Claassen wies auch die Darstellung von Solar Millennium zurück, er habe noch bei der Bilanz-Pressekonferenz Ende Februar von hervorragenden Zukunftsaussichten gesprochen. „Wahr ist, dass ich mich weder zum Geschäftsjahr 2008/09 noch zum Ausblick ausdrücklich geäußert habe.“ Falsch sei auch die Behauptung des Unternehmens, er habe mehrfach in den Medien erklärt, er bleibe ihm freundschaftlich verbunden – in Wirklichkeit habe er bis zu dem Tagesspiegel-Interview keine öffentlichen Kommentare abgegeben.

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