Wirtschaft : Kursänderung: Bahn entdeckt die Kunden

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Die Deutsche Bahn hat bei der Debatte um das neue Preissystem eingelenkt. Anfang Mai wird es Gespräche zwischen Bahnchef Hartmut Mehdorn und dem Umweltministerium geben. Im Juni wird die Bahn mit einer Reihe von Verbraucher, Verkehrs- und Fahrgastverbänden reden. Das sagte die parlamentarische Staatsekretärin im Bundesumweltministerium, Margareta Wolf, am Freitag in Berlin im Anschluss an ein Treffen mit den Verbänden. Außen vor wird dabei weiterhin der Fahrgastverband Pro Bahn bleiben, gegen den die Bahn zurzeit klagt.

Wolf hielt sich mit Kritik an der Bahn zurück: „Alle Verbände sind sich darin einig, dass die Struktur des Preissystems gut ist.“ Gefordert seien jedoch Nachbesserungen. Wolf nannte drei Kernforderungen: Zum einen müsse der Umgang mit Beschwerden und außerdem auch die Beratung besser werden. „Das neue Preissystem ist nicht selbsterklärend“, sagte Wolf. Zum zweiten sei bei dem Gespräch eine weitere Flexibilisierung der Bahn gefordert worden. In dem Zusammenhang müsse die Bahncard zu einer „Mobilitätscard“ weiterentwickelt werden, die auch in Nah- und Regionalverkehrsverbünden gilt. Drittens müsse die Bahn verstärkt Normalfahrer ansprechen. Die Werbung sei hingegen bisher vor allem auf Frühbucher zugeschnitten.

Das Umweltministerium hatte das Treffen mit den Verbänden angesetzt, um die Kritik am neuen Preissystem „zu kanalisieren“. Bahnchef Mehdorn hatte im Vorfeld Desinteresse geäußert. Anfang der Woche traf sich Mehdorn aber mit Verbraucherministerin Renate Künast (Grüne) und Verkehrsminister Manfred Stolpe (SPD). Künast hatte das neue Preissystem mehrfach heftig kritisiert und Nachbesserungen gefordert – worauf Mehdorn verärgert reagierte. Das Verkehrsministerium hatte in dem Streit vermittelt.

Einen Kurswechsel stelle das nun angekündigte Gespräch mit den Verbänden nicht dar, sagte ein Bahnsprecher dem Tagesspiegel . Bereits im Dezember habe die Bahn ein Treffen vereinbart. Es bleibe jedoch dabei, dass der Verband Pro Bahn nicht teilnehmen werde. Bahn und Pro Bahn streiten sich zurzeit vor Gericht. Der Pro-Bahn-Vorsitzende Karl-Peter Naumann deutete dagegen Kompromissbereitschaft an: „Wir sind für Gespräche nach wie vor offen“, sagte er dem Tagesspiegel. hop

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