Wirtschaft : Kurswechsel in der Landwirtschaft: Auch die Bauernlobby will Öko-Betriebe stärker fördern

fmk

Die Linie der neuen Bundeslandwirtschaftsministerin Renate Künast (Bündnis 90/Die Grünen) stößt auf erstaunlich viel Gegenliebe. Die konventionelle Landwirtschaft müsse die Politik zu sauberer Produktion zwingen, forderte die nordrhein-westfälische Landwirtschaftsministerin Bärbel Höhn (Bündnis 90/Die Grünen) am Freitag auf der "Grünen Woche" in Berlin. In zehn Jahre müsse der Anteil der Ökobewirtschaftung auf 20 Prozent ansteigen. Damit gab sie dem Programm, das Renate Künast auf Bundesebene vorgestellt hat, Schützenhilfe. Künast hatte einen Öko-Anteil von zehn Prozent als Ziel ausgegeben, ihr Staatssekretär Martin Wille einen Anteil von 20 Prozent. Zurzeit liegt er bei 2,4 Prozent.

Auch Wendelin Ruf, Aufsichtsratsvorsitzender der Centralen Marketing-Gesellschaft der Agrarwirtschaft (CMA), betonte, er sei "einer Meinung mit Frau Höhn" und schließe sich in vielen Punkten an. Die CMA hatte vor einem Jahr noch behauptet, BSE sei nicht unbedingt eine Ursache der Kreutzfeld-Jakob-Krankheit. Zur Zeit wirbt sie für konventionell hergestelltes Rindfleisch.

Ruf ist auch Vorsitzender des badischen Bauernverbandes. Dennoch hält er jetzt das Ziel "20 Prozent Ökobetriebe in zehn Jahren" zumindest als ehrgeizige Messlatte für sinnvoll. Er weist einschränkend darauf hin, dass dieses Ziel nicht per Verordnung, sondern nur über den Markt und Verbraucherentscheidungen erreicht werden könne. Im Übrigen besteht er darauf, dass die Landwirtschaftsverbände in die Schaffung eines neuen Öko-Prüfsiegels eingebunden werden. Am Standpunkt der grünen Ministerinnen ärgere ihn nur, dass sie die Bauern als Kontrahenten der Verbraucher darstelle.

Auch Josef Göppel, für die CSU im bayerischen Landtag, war einer Meinung. Die Bauern müssten jetzt die Chance nutzen, zur alten Landwirtschaft mit Licht für die Rinder und Kälbern bei der Mutterkuh zurückzukehren; die industrielle Agrarproduktion sieht er nur als kurzzeitig eingeschlagenen Irrweg. Die "gute fachliche Praxis" sei in Bayern selbstverständlich.

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